2 MB Arbeitsspeicher war gestern – Social Media ist heute

Als ich 1988 in unserer Agentur meine berufliche Laufbahn startete, gab es eine „Bitsy“, ein Bildschirm-Text-System, mit dem unsere Texte, nachdem wir sie mühsam mit der Schreibmaschine geklöppelt hatten, eingegeben und zu Presse-Informationen aufgehübscht wurden. Der Chef verfügte bereits über einen Apple-Computer und war uns einen kleinen Schritt voraus. Aber da waren ja noch die Adressen, die natürlich auch von der Bitsy ausgespuckt wurden, so dass es ratsam war, jede Presseaussendung möglichst 14 Tage im Voraus anzukündigen. Ein schwieriges Unterfangen, das gottlob schnell ein Ende fand. Bereits Ende 1988 verfügte jeder Arbeitsplatz über einen PC, und wir waren alle vernetzt. Mit WordPerfect schreiben und formatieren und mit Windows PageMaker 3.0 sogar gestalten zu können, das war damals super. Und: Bei der allgemeinen Computerisierung, die in den 1980er Jahren begann, waren wir voll dabei.

Stolz wie Oskar schrieben wir 1990 in unserer Imagebroschüre: „Jedem Mitarbeiter steht in unserer Agentur ein Bildschirmarbeitsplatz mit 20 MB Festplatte zur Verfügung. Die entspricht einer Speicherkapazität von 20 Millionen Zeichen. Jeder dieser Rechner hat einen internen Arbeitsspeicher von 640 kb oder 640.000 Zeichen. Alle Arbeitsplätze sind vernetzt. Das Kernstück der gesamten Anlage ist der Server des Netzwerkes mit einer 120 MB Platte und einem Arbeitsspeicher von 2 MB.“

Das klingt heute niedlich, war aber Ende der 1980er Jahre für eine kleine Agentur ziemlich fortschrittlich. Übrigens, ein Autotelefon gab es schon seit einigen Jahren. Das dazugehörige technische Equipment belegte fast den gesamten Kofferraum.

Die technischen Entwicklungen sollten in den Folgejahren zunehmend unsere Arbeit bestimmen, auch wenn 1990 das Ausmaß der digitalen Explosion, wie wir sie heute erleben, nicht vorhersehbar war. Wir strickten uns 1988 ein Adress-Verwaltungsprogramm auf DOS-Ebene, mit dem wir unsere Presseaussendungen auf Knopfdruck managen konnten. Allerdings mussten die Daten damals weiterhin manuell eingegeben und gepflegt werden – eine mühselige Kleinarbeit, um die sich jeder gern herumzudrücken versuchte. Gleichzeitig entstand ein Zeiterfassungssystem, das später um ein Projekt- und Terminmanagement-System ergänzt wurde. Mit dem Online-Dienst CompuServe starteten wir in den 1990er Jahren ins Internet lang bevor wir mit unserem ersten WWW-Auftritt ins Netz gingen. Die elektronische Post via CompuServe bedeutete eine echte Arbeitserleichterung, denn jetzt konnten wir unsere Texte respektive Übersetzungen schnell und effizient mit Übersetzungsbüros und Partneragenturen austauschen. Ende der 1990er Jahre lief dann alles über Outlook. 2001 erblickte unsere Website das Licht der Welt. Der Clou: Das Internet-Pressearchiv inklusive Recherchemaske, worauf bis heute Journalisten uneingeschränkt zugreifen können

Ja, und was gab es sonst noch? Aus PageMaker wurde InDesign, Photoshop mit seinen Anwendungen gehörte über die Jahre zu den täglichen Arbeitswerkzeugen. CDs ersetzten Disketten. Der USB-Stick lässt bereits grüßen. Das digitale Zeitalter ist in Lichtgeschwindigkeit über uns hineingebrochen. Wir telefonieren und chatten mit Voice over IP und Skype. Unsere Website erfuhr gerade den 3. Relaunch, wir haben einen eigenen Blog und sind auf Facebook, Xing, Linkedin und Twitter aktiv.

Das Ende ist offen, da geht noch Vieles. Sicher ist allerdings, dass wir lernen müssen, mit dem Infostress oder besser gesagt der Reizüberflutung zu leben. Ich persönlich bin stolz darauf, in einer Agentur zu arbeiten, die ausgehend von 2 MB Arbeitsspeicher sämtliche Entwicklungen mit viel Engagement mitgegangen ist und heute auch auf der Klaviatur von Social Media mitspielt. In gut 20 Jahren habe ich so viel dazugelernt, revolutionierende technische Entwicklungen erlebt. Davon hätte ich 1988 niemals zu träumen gewagt.

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