Monatsarchive: Juni 2011

Spaßbremse mit neuem Namen: BilMoG

BilMoG, noch nie gehört? Nun gut. Wissen, worum es geht, sollte man schon. BilMoG hat die Qualität, als kreative Abkürzung zum Wort des Jahres in der Zunft der Steuerberater zu werden. Es geht um das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz, das am 26. März 2009 vom Deutschen Bundestag beschlossen wurde und die Erstellung der Bilanzen für das Jahr 2010 erheblich kompliziert und verändert.

Dem BilMoG war das Ziel mit auf den Weg gegeben, das gewachsene deutsche Bilanzrecht zu einer dauerhaften und vollwertigen Alternative zu den internationalen Rechnungslegungsstandards weiterzuentwickeln. Prompt feierten es Verantwortliche und Medien nach seiner Verkündung gleich als Speerspitze der Deregulierungsbemühungen des so unendlich um uns besorgten Parlamentes. Glücklich sollten sich insbesondere kleine und mittelgroße Unternehmen schätzen, denen nunmehr durch Nutzung des modernen Bilanzrechtes der Weg zur einfacheren und kostengünstigeren Alternative eröffnet sei. Schließlich will sich das BilMoG als Deregulierung verstanden wissen, um … Weiterlesen

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Was hat die Comédie humaine mit dem Kauf von Facebook-Fans zu tun?

Auf den ersten Blick nichts. Denn zwischen Balzacs umfangreichem Romanzyklus und Facebook liegen knapp 200 Jahre. Und trotzdem sagt man sich, da war doch was, wenn man die zahlreichen Berichten über den Handel mit Facebook-Fans liest. WDR.de schrieb kürzlich unter der Überschrift „Zwei Cent für ein ‚Gefällt mir’“ über den offensichtlich angesagten Handel mit den Fans. Mit dem Aufstieg der Social Networks entdecken clevere Geschäftemacher, dass sich im interaktiven Kommunikationszeitalter schnelles Geld machen läst.

Vor rund 200 Jahren lieferten die aufstrebende Entwicklung und die zunehmend gesellschaftspolitische Bedeutung des Journalismus einen aktuellen Stoff für den Romancier Balzac. Vor allen in den „Illusions perdues“ beleuchtet Balzac den Journalismus aus verschiedenen Perspektiven. Wunderbar beschreibt der Romancier Literaturkritiker, die über Top oder Flop eines Theaterstückes oder Aufstieg oder Fall einer Tänzerin entscheiden. Die Claqueure, Balzac charakterisiert diesen Typus in seiner „Monographie de la presse … Weiterlesen

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Tatort Sprache

Für den Autor Max Frisch ist die Sprache der eigentliche Tatort. Dabei spricht er von der geschriebenen und nicht artikulierten Sprache. Er lässt sie zum Machtfaktor reifen. Sie entblößt Charaktere, sie schafft Umgebungen in 3D-Manier, sie spult das Kino im Kopf ab.

In einem Essay unter dem Titel „Sprache, sonst nichts“ schreibt Martin Walser in „Die Zeit“ 1999: „Die Ausdrucksweise ist natürlich nichts als Sprache. Wir haben Wörter, mit denen wir auf unser Nichtwissen reagieren, mit denen wir unserem Nichtwissen entsprechen. Schreiben heißt, einer Welt zu entsprechen, die uns nicht entspricht. Schreibend antworten wir auf einen Mangel. Uns fällt ein, was uns fehlt.“

Vielfältig und facettenreich umgibt uns das geschriebene Wort. Es gibt sich traditionsbewusst, schnörkellos oder modern. Zahlreiche gleichwertige und gleichberechtigte regionale, funktionale und situationsabhängige Varianten bestimmen den Umgangston. Dadurch bleibt Sprache zeitgemäß. Sie greift Dialekte auf und duldet … Weiterlesen

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Kennen Sie Ahno?

Stellen Sie sich mal folgende Situation vor: Sie laufen über einen Marktplatz. Plötzlich spricht Sie ein Fremder mit Ihrem Vornamen an und sagt: „Lass uns mal miteinander reden. Mein Name tut nichts zur Sache, aber Du kannst mich ruhig ernst nehmen.“ Ein Scherz? Nein, das ist Realität. Diese Geschichte passierte mir kürzlich auf Facebook.

Ein Herr namens Ahno Nym schickte eine Gruppenanfrage und ergänzend eine persönliche Nachricht, in der er nach einer locker geduzten Anrede halbwegs plausibel begründete, warum er zur Gruppe gehören möchte. Bevor ich mich fürs „Hinzufügen“ oder „Ignorieren“ entschied, schaute ich mir erst einmal Ahnos Profil an. Geschlecht: männlich, zwei Freundinnen und die Pinnwand voller Farmville-Spielzüge. Ich habe mich fürs „Ignorieren“ entschieden, Ahno aber eine Nachricht geschickt. Es freue mich zwar, dass die Gruppe Anklang findet, schrieb ich, allerdings falle es mir schwer, mit einer Person … Weiterlesen

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