Alles rosa oder Romantik 2.0?

red and pink colored pencils and color chart of all colors

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Unser Karl (Lagerfeld), so liest man, zeigt in der kommenden Wintersaison Rosa-Töne für Chanel. „Denke rosa, aber trage es nicht“, so sagte er einst (https://www.modepilot.de/2016/08/16/a-shaded-view-on-pink/). Aber, was interessiert mich mein Geschwätz von gestern. Man ist ja durchaus lernfähig und antizipiert die Trends, wenn das US-amerikanische Pantone Color Institut Rosa und Hellblau zu den Farben des Jahres 2016 kürt.

Rosa ist eine umstrittene Farbe. Irgendwie scheint sie negativ belegt zu sein, was Redensarten wie „etwas durch die rosarote Brille sehen“ oder „Sehnsucht nach rosigen Zeiten“ belegen. Außerdem ist sie die Farbe für kleine Mädchen. Gender Studies mögen fürchten, dass die rosafarbene Barbie die kleinen Mädchen später vom Physikstudium abhalte.

Ins Reich der rosaroten Spekulationen verweist ein Blick auf Wikipedia. Hier erfährt man, dass die Mythen der Moderne noch nicht einmal 100 Jahre alt sind. Erst seit den 1920er Jahren wird die Farbe Rosa mit Weiblichkeit assoziiert. Denn seit Jahrtausenden von Jahren ist Blau in der christlichen Tradition die Farbe der Himmelskönigin Maria. Folglich war Hellblau, das „kleine Blau“, die Farbe der Mädchen; die Farbe galt als anmutig und damit perfekt passend für Mädchenkleidung. Die Farbe Rot, die für Leidenschaft und Entschlossenheit steht, wurde mit Rosa, dem „kleinen Rot“, den Jungen zugeordnet. Schließlich sollten aus ihnen ja mal taffe Kerle werden. Erst nach dem zweiten Weltkrieg hat sich die geschlechterspezifische Farbinterpretation geändert. Marineuniformen und die Arbeitsanzüge, die sogenannten „Blaumänner“, wurden mit Männlichkeit in Verbindung gebracht. Rosa wurde jetzt zum Kontrastprogramm für Mädchen.

Rosa soll beruhigend wirken, so die Meinung von Farbexperten. Und die Farbe lädt zum Träumen ein. Damit passt sie doch bestens in eine Zeit, in der jeder nach einem Quäntchen Ruhe sucht, um der zunehmend virtuellen Gegenwart zu entfliehen. Im Titelthema der Welt am Sonntag vom 17. August 2016 war von der „Rückkehr der Romantik“ zu lesen, die – so die Autoren Wieland Freund und Richard Kämmerlings – von Philosophen längst als „Romantik 2.0“ bezeichnet werde. Mit den Trendfarben Blau und Rosa für dieses Jahr scheint Pantone folglich eine Punktlandung hingelegt zu haben. Denn in unsichere Zeiten bringen die weichen Farbtöne ein wenig Harmonie. So wie Bücher und Zeitschriften, die mit Naturthemen zu Bestsellern werden. Man denke nur an den sensationellen Erfolg der 2005 gegründeten Zeitschrift „Landlust“, den so sicherlich keiner vorausgesagt hätte.

Wie auch immer. Im nächsten Jahr gibt es eine neue Trendfarbe. Wie sie heißen wird, ist noch ungewiss. Gewiss ist nur, dass es nicht ein dunkles Grünbraun mit der Pantone-Bezeichnung 448 C sein wird. Denn dieser Farbton gilt als der hässlichste der Welt, was ein Marktforschungsinstitut im Auftrag der australischen Regierung herausgefunden haben will. Dann ist ja alles gut oder besser rosa.

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