Als der Output noch Waschzettel hieß – und mein Freund Deibler noch kein Debiler war.

Nein, das wird kein Klagelied mit dem Titel „Früher war alles besser“. Der Waschzettel genoss einen respektierten Status. Der Text wurde im Schriftbild „Courier“ getippt und das dazugehörige Schwarz-Weiß-Bild in der Größe 13 x 18 cm rückseitig mit Bildbeschreibung beklebt. Besonders service-freundliche Pressestellen produzierten die Bildtexte sogar doppelt und zum Abreißen perforiert. Alles erschien in großer Auflage und wurde in Pressemappen gebündelt. Das war’s dann schon. Der Event musste so laufen wie beschrieben.

Warum dieser Einstieg? Die monodirektionale Kommunikation nahm so ihren Anfang und erlebte ihren Abgang in den 90er Jahren. Die letzten zwanzig Jahre führten auf direktem Weg in die digitale Revolution. Das in der heutigen Kommunikation damit verbundene Risiko ist ungleich größer, als nur ein Bild mit dem falschen Bildtext zu bekleben.

Auch das hübsche Wort Waschzettel erhielt zeitgemäße Begriffserklärungen. Storytelling, Content und globaldialektisch verdenglishte Worthülsen charakterisieren das crossmediale Kommunikationsverhalten im Neuland. Nun gut, es geht nicht mehr anders. Man muss es nur nicht mehr als nötig aufblasen, um Eindruck schinden zu wollen. Wenn man es als verzahntes Vorgehen der zu bespielenden Kanäle praktiziert, erkennt man schnell den Nutzen.

Reflektieren wir diese Woche: Am Sonntagabend um 18 Uhr zelebrierte unser Kunde BMK die Vergabe des diesjährigen Innovationspreises des Küchenfachhandels. Roter Teppich, große Bühne, Urkunden, Trophäen und den obligaten Prosecco organisierte der Veranstalter. Die begleitenden PR-Maßnahmen nahmen Projektstatus an. Die vorbereiteten Pressemitteilungen durften erst um 19 Uhr online freigeschaltet werden. Das automatisierte Abo-System informierte die Abonnenten über die neuen Themen. Für die teilnehmenden Journalisten gab es Presse-CDs mit Texten und Bildern. Im Vorfeld mussten Redner, Moderatorin und das Video-Team anhand des Treatments gebrieft werden, um den Filmmitschnitt mit der Basisinfo im Einklang zu haben. Für Intro und Rückblick kamen die Takes vor Veranstaltungsbeginn in den Kasten. Die mit Preisen dekorierten Interviewpartner mussten ab 19 Uhr parat stehen.

Hektik dann am Montag: Die Fotos der Preisverleihung trudelten um 9:30 Uhr ein. Alles musste sortiert, zugeordnet, beschrieben und ins Pressearchiv eingepflegt werden, damit die Journalisten auf die Veranstaltungsbilder zugreifen konnten. Mit der namentlichen Identifikation aller Personen verging der Tag, bis um 23.30 Uhr über WeTransfer das 3:30 Minuten dauernde Video zum Download bereit stand. Dienstag musste der Kunde sein okay zum Video geben. Danach startete das Upload zum YouTube-Kanal. In die Presseinformation sowie in die Posts bei den Plattformen mussten die Links zum Video und zu den Veranstaltungsfotos eingefügt werden. Es folgte ein schneller E-Mail-Versand an die Journalisten, um keine Zeit zu verlieren. Schließlich galt es noch, das Thema auf den MSWW-Plattformen in Facebook, Twitter, Xing und Google+ zu verbreiten und die beteiligten Preisträger und Akteure zu informieren.

Am Mittwoch, 72 Stunden nach Veranstaltungsbeginn, dann das erste Resümee. Die erreichten Kontakte auf Facebook, Xing und Twitter haben die Marke 200 überschritten. Der Film wurde über 80 Mal angesehen. Die Klicks haben sich bis heute verdoppelt. Die Online-Dienste der Fachmedien informierten über die Veranstaltung und verwiesen auf den Link zum Film. Schneller lässt sich Erfolg kaum noch produzieren. Mit dem Waschzettel hatte man minimal vier Wochen Zeit, um das Printergebnis zu bewerten.

Kurz und gut: Der Waschzettel wurde im digitalen Zeitalter zum crossmedialen Thema mit Texten, Bildern und Bewegtbild. Das ist es, was PR-Profis heute leisten müssen, ohne die Aktivitäten mit verschwurbelten Begriffen zu vernebeln.

Als ich meinem Freund Deibler den Film empfehlen wollte, korrigierte das Textprogramm meines Smartphones seinen Namen. Kurzerhand wurde Deibler zum entwürdigten Debiler. Das schmerzt. Früher war eben nur der falsche Bildtext auf der Rückseite des Pressefotos das Problem. Die digitale Welt fordert uns eben in ganz eigener Manier.

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