Am 8. Mai – da war doch was

Mit den Feiertagen im Mai, vor allem in diesem Jahr, ist es schon ziemlich heftig. Kaum sitzt man am Schreibtisch, schon ist wieder ein Feiertag. Und so manchen hört man gar ob der Flut an Feiertagen stöhnen. Es lebe der Freizeitstress! Das sieht die Kaiserstühler Bäuerin auf dem Freiburger Münstermarkt ganz anders. Sie freut sich sichtlich, als ich ihr zu Christi Himmelfahrt einen schönen Feiertag wünsche. Zufrieden lächelt sie mich an und sagt: „Da kann ich endlich mal ausspannen und mich erholen.“ Das kann ich total nachvollziehen. Denn die Bauern, die täglich ihre Waren feilbieten, haben schon einen Knochenjob.

Endlich mal ausspannen, etwas anderes sehen, bummeln und shoppen, das wollte ich auch. Als ausgewiesener Schreibtischtäter habe ich das zwar weniger nötig als meine Kaiserstühler Bäuerin, aber einfach mal abzuschalten, das tut auch mir gut. Da ich bisher an jedem Brückentag brav die Stellung in der Agentur gehalten habe, dachte ich mir, einfach mal an einem stinknormalen Arbeitstag einen Ausflug zu unternehmen. Das Ziel hieß Straßburg.

Bevor ich mich auf meinen Kurztrip begab, checkte ich meine Mails, kontrollierte den Kalender und erledigte schnell die Dinge, die ich nicht aufschieben wollte. Dabei stolperte ich immer wieder über das aktuelle Datum. Am 8. Mai, da war doch etwas. Hatte ich einen Termin vergessen? Musste ein Job bis dahin erledigt sein? Hatte einer aus der Familie- oder dem Freundeskreis Geburtstag? Nein, ich hatte alles im Griff.

Es konnte also losgehen, zwar mit einem etwas mulmigen Gefühl, aber das sollte sich schon legen, wenn die Elsass-Metropole erstmal erreicht war. Aber irgendwie ließ das eigenartige Gefühl, etwas vergessen oder verpasst zu haben, nicht nach. Die Boulevards muteten so seltsam verkehrsberuhigt an und auch sonst war kein Schwarmverhalten zu beobachten. Als mein Blick in die Schaufenster eines sehr attraktiven Möbelhauses fiel, war alles ziemlich dunkel. Die schicken Möbel waren zu meinem Bedauern nur schemenhaft zu erkennen. Was war hier los? Ein flächendeckender Stromausfall oder war es einfach noch zu früh? Kaum hatte ich mir diese Fragen gestellt, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ich hatte mich, ganz anders als geplant, im Feiertags-Dschungel verirrt. Natürlich, es war der 8. Mai. An diesem Tag stehen Militärparaden und Gedenkzeremonien auf dem Programm. Denn am 8. Mai feiert Frankreich mit „la fête de la victoire“ oder „le jour de la libération“ das offizielle Ende des 2. Weltkrieges und den Fall des Naziregimes 1945.

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Unternehmen, Banken, Ämter und Geschäfte alles dicht; die Objekte meiner Begierde ruhten in dunklen Schaufenstern und waren zumindest an diesem Tag unerreichbar. Sogar Cafés und Restaurants befanden sich mehr oder weniger im Stand-by-Betrieb. Aber Straßburg wäre keiner Touristenstadt, wenn nicht rund um die Sehenswürdigkeiten Cafés und Restaurants auf Empfang eingestellt gewesen wären, so dass gastronomisch die Welt völlig in Ordnung war. Und kulturell konnte ich mich mit dem Besuch des Straßburger Münsters wieder auf Vordermann bringen. Schließlich gehört die Cathédrale Notre-Dame zu den bedeutendsten Kathedralen der europäischen Architekturgeschichte sowie zu den größten Sandsteinbauten der Welt. Das Wahrzeichen des Elsass mit Astronomischer Uhr, Engelspfeiler, Kanzel sowie den wunderbaren Glasfenstern versöhnten mich mit diesem Tag, der alles andere als planmäßig verlaufen war.

Zum ersten Mal in meinem langen Berufsleben hatte mich der Feiertagswahnsinn erwischt und das, obwohl doch nur ein ganz normaler Dienstag auf meinem Kalender stand. Aber „das Vergnügen ist“ eben nur „die Verpackung des Glücks“, wusste der kürzlich verstorbene Tom Wolfe. In diesem Sinne plane ich ganz vergnüglich meinen nächsten Straßburg-Bummel, beim dem sich das Glück dann hoffentlich voll entfalten kann.

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