Ist Zeitunglesen sexy oder nostalgisch?

Auf diese Frage brachte mich der amerikanische Schriftsteller und Radiomoderator Garrison Keillor, der mit seiner Radioshow „A Prairie Home Companion“ Geschichte schrieb. „Le Monde“ veröffentlichte 2007 unter der Rubrik „Dialogues“ ein wunderbares Aperçu (1), das sich mit den neuen Technologien einerseits und dem Zeitunglesen anderseits beschäftigt. Dass der pointierte Artikel schon neun Jahre alt ist, tut der Geschichte keinen Abbruch, denn es geht Keillor nicht um Koexistenz oder Verdrängung, nicht um gesellschaftliche oder politische Auswirkungen, sondern nur um das Zeitunglesen als Statement.

Die Zeitung, vorausgesetzt man bringt sie stilvoll zum Einsatz, ist ein Aufsehen erregendes Accessoire. So bedauert der Autor, dass den Jugendlichen im Café, deren Blick sich wie vernagelt auf das Display ihres Smartphones richtet, der stilvolle Umgang mit der Zeitung nicht beigebracht wurde. Denn im Gegensatz zu den neuen Medien ermögliche die Zeitung die volle Bandbreite eines gestenreichen … Weiterlesen

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Schokoladeneier legende Hennen und Osterhasen-Rasen

Schon wieder Ferien. Schon wieder Feiertage. Mit ausdrucksstarker und panischer Körpersprache wird eingekauft, was uns über die Festtage – nach gefälliger Mengenschätzung auch weit darüber hinaus – nicht darben lässt. Wieder einmal zeigt der genetisch verankerte Artenerhalt sein Gesicht in vollgepackten Einkaufswagen. „Frost frisst Fett“ lautet die alte Bauernregel, die zum März 2016 als kältestem Wintermonat der Saison passt.

Und gäbe es die Werbung nicht, kämen wir kaum darauf: Ostern steht vor der Tür. Dem Fachmedium W & V gebührt Dank für die gelungene Auswahl http://www.wuv.de/marketing/ostern_2016_so_werben_marken_zum_fest der hauptsächlich auf Eier konzentrierten Kreativität. Da poltert es vom Euro-Osterhasen-Rasen (Media-Markt) über Eggsperimente (Co-operative Food) und Löffel-Ei-Aktionen (Milka) bis hin zur Schokoladeneier legenden Henne (Asda-Supermarktkette). Nicht zu übersehen: riesige Cadbury-Ostereier im Loch-Ness-See oder der trommelnde Gorilla von ALDI UK.

Natürlich greift die Werbung. Mehr noch; sie ufert aus im Detail. Seit Wochen schmücken … Weiterlesen

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Das geht auf (k)eine Kuhhaut

Die Briten ticken einfach anders. Sie fahren auf der falschen Straßenseite, philosophieren gerne über das Wetter und stehen geduldig in der Schlange. Sie neigen zur Exzentrik und zeigen einen ausgeprägten Hang zum schwarzen Humor. Und mit ihren gepflegten Spleens sorgen sie immer wieder für Gesprächsstoff.

Ein Fall für das Kuriositätenkabinett ist die Geschichte, die kürzlich in der Presse zu lesen war. Danach brauchen die Briten Kühe, um ihre Gesetzestexte festzuhalten. Donnerwetter, das klingt im digitalen Zeitalter doch ziemlich „strange“. Wenn die Lords im Londoner Oberhaus, die für das Festhalten von Gesetzen zuständig sind, jetzt daran denken, den Vertrag mit einem der letzten Pergamenthersteller zu kündigen, dann heißt das weniger, endlich im Zeitalter der digitalen Technologien angekommen zu sein. Vielmehr entpuppen sich die Lords als knallharte Kostensanierer. Rund 80.000 Pfund für Einkauf, Beschriftung und Lagerung des tierischen Schreibmaterials sollen jährlich eingespart … Weiterlesen

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Kommunikation X.0: Ein Ratespiel zwischen Technik, offenen Herzen und klugen Köpfen

Über die Herausforderungen der Kommunikation in der Zukunft nachzudenken, dazu wurde ich in der jüngsten Vergangenheit öfter angeregt. Da begegnet einem immer häufiger der Begriff Industrie 4.0. Da liest man in der Tageszeitung, wie sich Menschen für das Wohlergehen von Flüchtlingen einsetzen. Da setzt sich Henning Mankell in seinem letzten Buch „Treibsand“ posthum unter anderem mit der Vermüllung unseres Planeten auseinander. Drei aktuelle globale Herausforderungen, die allesamt etwas mit Kommunikation zu tun haben.

Industrie 4.0

Ekkehart Padberg von der gleichnamigen Unternehmensberatung erklärt, was Industrie 4.0 ist: „Der Begriff steht für die intelligente Vernetzung der globalen Wertschöpfungsketten aufgrund fortschreitender Digitalisierung von Produktionsprozessen unter Einsatz dezentraler Intelligenz. Doch Industrie 4.0 wird ohne Kommunikation 4.0 nicht möglich sein. (…) Ziel von Industrie 4.0 ist die wachsende Zusammenarbeit von Mensch und Maschine, um flexible Großserienfertigung, schnellere Produktwechsel sowie Unternehmen und Kunden bestmöglich in die … Weiterlesen

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Heute schon ein Gabelfrühstück kuratiert? Von albernen Vokabeln und sterbenden Wörtern

Am 18. Januar war der Tag des Schneemanns. Schnee von gestern meinen Sie? Ich nicht, auch wenn der Gedenktag schon ein paar Tage her ist. In Zeiten des Klimawandels könnte der Begriff „Schneemann“ schnell in Vergessenheit geraten. Wie sollen Kinder denn noch wissen, was ein Schneemann ist, wenn man aus Schneemangel keinen mehr bauen kann?

Heute lernen die Kids hin- und hergerissen zwischen Ballett-, Klavier-, Geigen- und Sprachunterricht sowie Kunstkurs oder Kinderuni eher, was ein „Zeitmanagement“ ist, um im Wettlauf frühkindlicher Bildung nicht irgendwie auf der Strecke zu bleiben. Während das Wort Zeitmanagement früher Top-Managern vorbehalten war, hat es längst Einzug in die niederen Hierarchieebenen gehalten. Nach dem Motto „Früh übt sich, …“ brauchen die Kids ganz selbstverständlich ein Zeitmanagement, um es im frühkindlichen Bildungszirkus gebacken zu kriegen.

Noch mehr Vokabeln, die nerven

Da ist doch gleich die nächste In-Vokabel … Weiterlesen

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Wissen Sie, welcher Tag heute ist? Wer täglich lernt, ist glücklicher!

Ein neues Jahr ist angebrochen, und nach 15 Tagen ist die Zeit der guten Vorsätze meist schon vorüber. Wenn nicht, wie wäre es, von heute an jeden Tag bewusst etwas Neues dazuzulernen? „Unser Gehirn benötigt jeden Tag neue Informationen, um seine Leistungsfähigkeit bis ins hohe Alter zu erhalten“ (1) und auf der Suche nach dem Glück rät man uns: „Lass keinen Tag Deines Lebens vergehen, … ohne etwas Neues gelernt zu haben.“ (2) Noch ist es nicht zu spät, diesem guten Vorsatz in diesem Jahr eine Chance zu geben – ab jetzt bieten sich noch genau 351 Anlässe.

Das tägliche bewusste Lernen ist – einmal abgesehen von den persönlichen Alltagserfahrungen – für viele mit Aufwand verbunden und genau deswegen so schwer umzusetzen. Nicht immer muss man aber erst Buch, Block und Schreibgerät bereitlegen. Die Tage selbst liefern ausreichend Stoff, und … Weiterlesen

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Zukunfts-Bullshit: Mach was draus!

Augen links: 2015. Augen rechts: 2016. Der Rückblick zeigt, nicht alles war katastrophal. Es gibt ausreichend Gründe, für Positives dankbar zu sein. Und der Blick in die Zukunft? Der wohl einflussreichste Trend- und Zukunftsforscher im deutschsprachigen Raum, Matthias Horx, zitiert im Interview mit der Badischen Zeitung vom 31. 12. 2015 (Kultur Seite 11, http://www.badische-zeitung.de/bildung-wissen-1/wir-sind-und-bleiben-analoge-wesen–115719036.html) den amerikanischen Philosophen Harry Frankfurt, der den Begriff „Bullshit“ als eine Art Null-Diskurs definiert habe. Es geht also darum, so Horx, Unsinn zu erzählen und dabei derart auf die Pauke zu hauen, dass sicher keiner traut, zu widersprechen. „Allerdings wird auf dem Markt der Prognosen auch schlichtweg eine Menge ‚Future Bullshit‘ erzählt“, lässt sich Horx im Interview zitieren.

Weil uns das Gefühl beschleicht, nicht zu wissen, was das Morgen bringt, liest jeder von uns, was uns erwarten könnte. Auf einer riesigen Spielwiese großer, ja unglaublicher Voraussagen … Weiterlesen

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Weihnachten und (k)ein Kerzenschein verzaubert das Fest

Stellt euch vor, es ist Weihnachten und nirgends flackert eine Kerze. Kerzen gehören seit je her zu Festen. Schon Louis XIV setzte sein prachtvolles Versailles mit Tausenden von Kerzen dramatisch illuminiert in Szene. Die Spiegel im gleichnamigen Saal reflektierten den Kerzenschein und schufen raffinierte Lichteffekte, deren Zauber sich über rauschende Ballnächte legte. Kerzenschein, wohin das Auge reicht, damit soll jetzt im 21. Jahrhundert endlich Schluss sein, zumindest wenn es nach dem Gesetzesentwurf der EU gehen soll. Passend zur Adventszeit und zu Weihnachten wiehert der Amtsschimmel, aber ganz kräftig.

Ist es ein Irrlichtern oder sinnvoll, wenn sich die EU um die Sicherheit von Kerzen kümmert? Folgt man dem Dokument unter dem Namen D (2015) 025025/08 mit dem ausschweifenden Titel „über die Sicherheitsanforderungen, denen europäische Normen für Kerzen, Kerzenhalter, Kerzenbehälter und Kerzenzubehör gemäß der Richtlinie 2001/95/EG des Europäischen Parlaments und des Rates … Weiterlesen

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Macht XING Küchenansager zu Journalisten?

Der Name XING bedeutet auf Chinesisch „es funktioniert“, „es klappt“ (Wikipedia.org/wiki/XING). Das gleichnamige Karriere- und Business-Netzwerk hat sich inzwischen im deutschsprachigen Raum ganz gut neben dem international orientierten LinkedIn etabliert. Das hat schon mal geklappt, würde ich sagen. Aber wie funktioniert es tatsächlich mit der Abstimmung des individuellen Profils auf die Angebote und Gesuche der Branche, in der man angesiedelt ist?

Als Redakteurin in einer PR-Agentur kreist in meinem XING-Profil alles um die drei Begriffe „PR, Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus“. Da wäre es nur logisch, wenn sich auch die Plattform bei den „Jobs, die mich interessieren könnten“ (unter Stellenmarkt/Übersicht), daran orientiert. So viel zur Theorie. In der Praxis jedoch kommen solch abstruse Vorschläge wie „SAP Berater Retail“, „Multistore Owner für marktführendes Pizza Delivery Konzept“, „Fund Manager Retail“, „Key Account Manager Asset Management/Investoren“ oder – und dieses Stellenangebot erregte kürzlich meine besondere … Weiterlesen

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Informationsflut braucht Navigationssysteme

Das ist schon toll, was da gerade im Bereich des Medien-Business abgeht. Da entstehen Plattformen, welche uns durch die digitale Informationsflut navigieren wollen. So schrieb der Kollege Ronald Joho von der AKOMG AG in der Schweiz gerade auf seinem Blog unter der Headline „Häppchen-Journalismus“ über blendle: „Es ist wie ein Buffet.“

Aber blendle ist nicht alles. Im Januar 2015 ging niuws an den Start, eine App die aus internationalen Zeitungen täglich Lesenswertes herausfiltert. Nach einer Vorauswahl reichen Kuratoren ausgewählte Artikel an die Nutzer weiter. Das Ganze gibt’s als APP für iOS und Android.

Am 19. November startete das Münchener Startup piqd, das weder auf Algorithmen noch auf einzelne Kuratoren setzt. Stattdessen gibt es zurzeit dreizehn Themenkanäle, in denen mehrere Experten empfehlen, was relevant ist. Jeder Experte gibt maximal eine Empfehlung pro Tag und Kanal, allerdings mindestens drei pro Woche.

Der … Weiterlesen

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