Lesen im Minutentakt

WPM liegen im Trend. Nein, es handelt sich nicht um sogenannte Wahlpflichtmodule an Universitäten, sondern schlicht um den neudeutschen Begriff „Words per minute“, der so viel wie Lesegeschwindigkeit bedeutet. Die Angabe der wahrscheinlichen Lesezeit greift im Netz gerade um sich.

Durchschnittliche Leser, so ist auf Wikipedia nachzulesen, erfassen 200 – 240 WPM. Das ist natürlich nur ein Richtwert. Was für den frühen Vogel auch schon morgens klappen mag, kann für die Eule beim morgendlichen Check der News aber eher eine Herausforderung bedeuten.

Sei’s drum: Immer mehr Nachrichtenanbieter im Netz versehen ihre Artikel mit einer ungefähren Lesedauer. Informationen über die anstehende Wahl in Frankreich  – zwei Minuten. Die Rezension über ein neues Buch – vier Minuten. Die Abhandlung eines gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Themas – sechs und mehr Minuten.

Das ist doch ganz praktisch. So lässt sich die Zeit richtig einteilen. Schließlich … Weiterlesen

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Internet-Prosa: Meine letzte E-Mail

Unfassbar, was da täglich auf uns niederprasselt. Während alle Insider vom Content-Hype sprechen, tobt sich die Kreativität der Spam-Poeten in den Headlines unerwünschter E-Mails aus. Die hoffnungsvollste Mail trägt die Überschrift: „Meine letzte E-Mail“. Doch das war wohl nichts. Es geht uneingeschränkt weiter.

„Unterbrechen Sie, was immer Sie gerade tun. Dies müssen Sie sich anschauen“. In den 98 gelöschten Mails im ersten Quartal (alle aufgelaufen im t-online-Account) geht es immer um den perfiden Vorwurf, man sei zu dumm, um reich zu sein. „Menschen arbeiten Jahre daran, ein Werkzeug zu entwickeln, das Menschen hilft, ihre finanziellen Ziele zu erreichen“, heißt es da. Oder „Vorsicht! Pressemitteilung! Vom Notar getestet.“

Die Dreistesten sagen, es sei ganz leicht, pro Stunde 2.000 Euro zu verdienen. Vertrauen will gewinnen, wer sagt, dass im Durchschnitt 2.608,48 Euro pro Tag erwirtschaftet wurden. Und die, die auf dicke Hose … Weiterlesen

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(Voll)vernetzung: Frust oder Lust?

Smart Home ist in aller Munde. Die Waschmaschine teilt mit, wann sie fertig ist. Der Kühlschrank übernimmt das Vorratsmanagement. Der Backofen kontrolliert die Temperatur und informiert, wann das Gericht fertig ist. Kochfeld und Dunstabzugshaube kommunizieren miteinander, um ein optimales Küchenklima zu kreieren. Und die Kaffeemaschine springt an, wenn ihr Nutzer morgens schlaftrunken die Küche betritt. Mehr noch: Die Berührung des Lichtschalters ersetzt der Griff zum Smartphone, um eine App zu bedienen, die das Licht oder Lichtszenen ein- und ausschaltet. Nur der Staubsauger bleibt ganz unbeleckt von diesen – glaubt man der Industrie – heilsbringenden Technologien.

Dabei verlangt der Umgang mit diesem lärmenden und äußerst unpraktischen Gerät durchaus eine masochistische Veranlagung. Der Saugschlauch ist entweder zu lang oder zu kurz, das Kabel liegt im Weg herum und bremst den Bodenstaubsauger mehr als einmal während des Saugens ab.  Das Gehäuse eckt trotz … Weiterlesen

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Digitale Revolution: Was hinter den Buzzwords steckt.

Content Marketing und Digitale Transformation gehören im Ranking der Buzzwords des Jahres 2016 zu den Top 10 (onlinemarketing.de). Erklärung notwendig? To buzz bedeutet schnarren, summen, surren oder brummen, womit sich Buzzword als wichtig klingendes Synonym für das Modewort im Marketingsprech etabliert hat. Content steht für Inhalt, und verbunden mit dem Allroundbegriff Marketing kommt „CM“ als intellektuell aufgepeppter Ideenreichtum rüber. Die ziffernmäßige Umwandlung, pardon die digitale Transformation, nimmt für sich revolutionäre Wegweisung in Anspruch.

Um die Aufgeregtheit zu entschärfen, lohnt sich der Blick auf den Hintergrund. Konrad Ernst Otto Zuse (1910 – 1995) entwickelte mit dem Z3 im Jahr 1941 den ersten funktionstüchtigen, vollautomatischen, programmgesteuerten und frei programmierbaren, in binärer Gleitkommarechnung arbeitenden Rechner und somit den ersten funktionsfähigen Computer der Welt (Wikipedia – https://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_Zuse).

50 Jahre später, am 6. August 1991, wurde in der Schweiz die erste Webseite der Welt öffentlich … Weiterlesen

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Ist Zeitunglesen sexy oder nostalgisch?

Auf diese Frage brachte mich der amerikanische Schriftsteller und Radiomoderator Garrison Keillor, der mit seiner Radioshow „A Prairie Home Companion“ Geschichte schrieb. „Le Monde“ veröffentlichte 2007 unter der Rubrik „Dialogues“ ein wunderbares Aperçu (1), das sich mit den neuen Technologien einerseits und dem Zeitunglesen anderseits beschäftigt. Dass der pointierte Artikel schon neun Jahre alt ist, tut der Geschichte keinen Abbruch, denn es geht Keillor nicht um Koexistenz oder Verdrängung, nicht um gesellschaftliche oder politische Auswirkungen, sondern nur um das Zeitunglesen als Statement.

Die Zeitung, vorausgesetzt man bringt sie stilvoll zum Einsatz, ist ein Aufsehen erregendes Accessoire. So bedauert der Autor, dass den Jugendlichen im Café, deren Blick sich wie vernagelt auf das Display ihres Smartphones richtet, der stilvolle Umgang mit der Zeitung nicht beigebracht wurde. Denn im Gegensatz zu den neuen Medien ermögliche die Zeitung die volle Bandbreite eines gestenreichen … Weiterlesen

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Auf gute Nachbarschaft!

Ein mittel- bis langfristiges harmonisches Miteinander Zaun an Zaun oder Tür an Tür – das soll dieser Toast heraufbeschwören. Die gute Nachbarschaft ist geprägt von generationenübergreifenden persönlichen Pläuschchen im Flur oder an der Gartenhecke, von Kaffeetafeln mit dem neuesten Klatsch und Tratsch aus der Gegend, von unkomplizierten Freundschaftsdiensten und spontanen Feierabendbierchen. Sie macht das Leben in der sozialen Gemeinschaft der nahen Umgebung lebens- und liebenswert. Aber wo finden wir diese Harmonie heute noch? Irgendwie gibt es das doch alles gar nicht mehr!

Aus dieser Erkenntnis heraus muss wohl auch die Idee für das kürzlich in Verl ins Leben gerufene Lokalportal entstanden sein. „Jetzt verbindet sich Verl“, lautet der Slogan der Initiatoren, ein Start-up aus Kiel und die Tageszeitung „Neue Westfälische“ (NW). Das Ziel scheint klar: „Lokalportal möchte die echte lokale Gemeinschaft auf zeitgemäße Art und Weise abbilden. Auf der Plattform … Weiterlesen

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Wer alles liest, lernt nicht zwangsläufig viel

Da habe ich mich doch auf der Suche nach einem Blog-Thema durch unzählige Facebook-Posts hindurch gewühlt. Unglaublich, wie viele Leute täglich ihr Profilbild erneuern. Noch unglaublicher, wie viele Fans das auch noch schön finden. Ich habe gelesen, dass „unsere Jungs“ ein Handball-Wintermärchen zelebrieren und das Halbfinale erreicht haben. Dann geht’s um Tote, die keine sind. Um Talkshows, die außer Kontrolle geraten, um politische Beleidigungen, die den Plenarsaal räumen. Schon wieder Urlaubsbilder, schon wieder Karneval-Abstinenzler, schon wieder … und davon immer mehr.

Kurz gesagt: Das gibt nichts für ein Blogthema her. Dabei geht es mir ja gar nicht darum, mich zum Club der Entrüsteten zählen zu wollen. Nein, die FB-Posts zeigen, was manch einen bewegt. Und wer es nicht selbst ausdrücken kann, teilt Beiträge und Filme. Warum nur ohne jedes Wort. Da frag ich mich doch regelmäßig, heißt teilen heute, mit … Weiterlesen

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Wissen Sie, welcher Tag heute ist? Wer täglich lernt, ist glücklicher!

Ein neues Jahr ist angebrochen, und nach 15 Tagen ist die Zeit der guten Vorsätze meist schon vorüber. Wenn nicht, wie wäre es, von heute an jeden Tag bewusst etwas Neues dazuzulernen? „Unser Gehirn benötigt jeden Tag neue Informationen, um seine Leistungsfähigkeit bis ins hohe Alter zu erhalten“ (1) und auf der Suche nach dem Glück rät man uns: „Lass keinen Tag Deines Lebens vergehen, … ohne etwas Neues gelernt zu haben.“ (2) Noch ist es nicht zu spät, diesem guten Vorsatz in diesem Jahr eine Chance zu geben – ab jetzt bieten sich noch genau 351 Anlässe.

Das tägliche bewusste Lernen ist – einmal abgesehen von den persönlichen Alltagserfahrungen – für viele mit Aufwand verbunden und genau deswegen so schwer umzusetzen. Nicht immer muss man aber erst Buch, Block und Schreibgerät bereitlegen. Die Tage selbst liefern ausreichend Stoff, und … Weiterlesen

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Zukunfts-Bullshit: Mach was draus!

Augen links: 2015. Augen rechts: 2016. Der Rückblick zeigt, nicht alles war katastrophal. Es gibt ausreichend Gründe, für Positives dankbar zu sein. Und der Blick in die Zukunft? Der wohl einflussreichste Trend- und Zukunftsforscher im deutschsprachigen Raum, Matthias Horx, zitiert im Interview mit der Badischen Zeitung vom 31. 12. 2015 (Kultur Seite 11, http://www.badische-zeitung.de/bildung-wissen-1/wir-sind-und-bleiben-analoge-wesen–115719036.html) den amerikanischen Philosophen Harry Frankfurt, der den Begriff „Bullshit“ als eine Art Null-Diskurs definiert habe. Es geht also darum, so Horx, Unsinn zu erzählen und dabei derart auf die Pauke zu hauen, dass sicher keiner traut, zu widersprechen. „Allerdings wird auf dem Markt der Prognosen auch schlichtweg eine Menge ‚Future Bullshit‘ erzählt“, lässt sich Horx im Interview zitieren.

Weil uns das Gefühl beschleicht, nicht zu wissen, was das Morgen bringt, liest jeder von uns, was uns erwarten könnte. Auf einer riesigen Spielwiese großer, ja unglaublicher Voraussagen … Weiterlesen

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Wer hält eigentlich wen zum Narren?

Narrentreffen in Konstanz

Banken kämpfen mit ihren Imageproblemen. Da lenkt es doch trefflich ab, wenn sich gute Nachrichten zur Wirtschaftslage der eigenen Klientel verbreiten lassen. So zum Beispiel die Information in der Badischen Zeitung vom 12. November 2015 über florierende Geschäfte. Zitiert wird eine Studie der Commerzbank, die bundesweit bei Freiberuflern, Handwerkern und Gewerbetreibenden mit einem Jahresumsatz von bis zu 2,5 Millionen Euro die Meinung zur Einschätzung der eigenen Geschäftslage ermittelte. Fazit: Das Geschäft boomt. Verschlechterung ist nicht in Sicht. Allerdings scheinen Kredite derzeit nicht besonders gefragt zu sein. Der tapfere Mittelstand finanziert trotz anhaltend niedriger Zinsen lieber aus dem Cash flow, oder deutlicher: Schulden machen keine Freude.

So weit, so gut. Trotzdem erfragten die Meinungssammler, welche Sorgen den Mittelstand plagen. Fachkräftemangel? Eigentlich nicht so sehr. Zumindest nicht bei den Freiburger Firmen. Bundesweit wohl eher. Mehr überwiegt die Sorge vor Kundenverlust und dem … Weiterlesen

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