Jung & Wild, trocken

Foto: MSWW

Wie ich finde ist das ein gelungene Wortkombination. Sie lässt ganz viel Raum für Assoziationen, Kino im Kopf und für eigene Geschichten. Auch die aktuellen Entwicklungen in Politik und Gesellschaft lassen die Gedanken fliegen.

Es bietet sich an, Emanuel Macron als „Jungen Wilden“ zu bezeichnen. Mit seiner Bewegung „La République en Marche !“ hat er es binnen kürzester Zeit geschafft, etablierte Parteien ganz alt aussehen lassen. Und nebenbei wurde er noch zum mächtigsten Mann Frankreichs gewählt. Chapeau, Monsieur       Macron! Möglichweise passt auf den neuen Star am Polithimmel auch das Attribut „trocken“. Einer der sein Ding durchzieht, ist in der Ausführung hart und genau. Ein Macher eben, der – um es mal ganz salopp zu sagen – trocken aus 20 Metern ins Tor schießt.

Der Begriff „Junge Wilde“ wird in vielen Gesellschaftssegmenten verwendet, zum Beispiel wenn von Personen … Weiterlesen

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Internet-Prosa: Meine letzte E-Mail

Unfassbar, was da täglich auf uns niederprasselt. Während alle Insider vom Content-Hype sprechen, tobt sich die Kreativität der Spam-Poeten in den Headlines unerwünschter E-Mails aus. Die hoffnungsvollste Mail trägt die Überschrift: „Meine letzte E-Mail“. Doch das war wohl nichts. Es geht uneingeschränkt weiter.

„Unterbrechen Sie, was immer Sie gerade tun. Dies müssen Sie sich anschauen“. In den 98 gelöschten Mails im ersten Quartal (alle aufgelaufen im t-online-Account) geht es immer um den perfiden Vorwurf, man sei zu dumm, um reich zu sein. „Menschen arbeiten Jahre daran, ein Werkzeug zu entwickeln, das Menschen hilft, ihre finanziellen Ziele zu erreichen“, heißt es da. Oder „Vorsicht! Pressemitteilung! Vom Notar getestet.“

Die Dreistesten sagen, es sei ganz leicht, pro Stunde 2.000 Euro zu verdienen. Vertrauen will gewinnen, wer sagt, dass im Durchschnitt 2.608,48 Euro pro Tag erwirtschaftet wurden. Und die, die auf dicke Hose … Weiterlesen

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Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr.

Diese Volksweisheit stimmt nicht. Vermutlich hat sie nie gestimmt. Wer heute mitten im Beruf steckt, der weiß, dass lebenslanges Lernen ein absolutes „Must“ ist. Die immer rapider voranschreitenden Veränderungen im Berufsleben verdeutlichen, dass wir uns nur mit der Aneignung „frischen“ Wissens davor schützen können, irgendwann dauerhaft abgehängt zu werden. Das gilt aber nicht nur für die berufliche Karriere, sondern betrifft genauso unser Privatleben. Weil die Halbwertzeit von Wissen immer kürzer wird, gilt es, sich um die Aktualität seines Wissens zu kümmern. Das soll ja ganz nebenbei auch zur Bildung neuer Nervenzellen im Erwachsenenalter beitragen.

Ein Update muss her

Das Romanistikstudium liegt lange hinter mir. Meine in dieser Zeit erworbenen Französischkenntnisse konnte ich über meinen Beruf, aber auch durch meine privaten Interessen immer sehr hoch halten. Trotzdem wollte ich es etwas genauer wissen, wollte das vor langer Zeit Erlernte auf den … Weiterlesen

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Fast hätte der Papst eine Stellvertreterin gehabt

Sprachliche Ungenauigkeiten lassen schmunzeln. Die Badische Zeitung vom 15. Juli 2016 kommentierte in ihrer Kolumne „Unterm Strich“ den Fauxpas in der Pressemeldung, welche die deutschsprachige Abteilung von Radio Vatikan rundmailte (1). Das Thema: der neue Pressesprecher Greg Burke. Offensichtlich hieß es in der Originalmeldung, Papst Franziskus habe „Greg Burke zum Pressesprecher des Heiligen Stuhls ernannt und Paloma García Ovejero zu seiner Stellvertreterin.“ Wer schnell liest, denkt an eine Sensation. Nicht nur, dass Franziskus als erster Papst einen Stellvertreter bekommt, sondern noch dazu ein taffe und hübsche 41-jährige Spanierin.

Ich hätte es ja prima gefunden mit der Stellvertreterin, aber daraus wird nichts. Denn wer genau liest, erkennt, dass sich „seiner“ auf Herrn Burke bezieht. Radio Vatikan habe das Missverständnis korrigiert, schreibt die Badische Zeitung. Das ist wohl so, weil auch im Netz keine Spuren mehr von der Originalversion zu finden sind.

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Heute schon ein Gabelfrühstück kuratiert? Von albernen Vokabeln und sterbenden Wörtern

Am 18. Januar war der Tag des Schneemanns. Schnee von gestern meinen Sie? Ich nicht, auch wenn der Gedenktag schon ein paar Tage her ist. In Zeiten des Klimawandels könnte der Begriff „Schneemann“ schnell in Vergessenheit geraten. Wie sollen Kinder denn noch wissen, was ein Schneemann ist, wenn man aus Schneemangel keinen mehr bauen kann?

Heute lernen die Kids hin- und hergerissen zwischen Ballett-, Klavier-, Geigen- und Sprachunterricht sowie Kunstkurs oder Kinderuni eher, was ein „Zeitmanagement“ ist, um im Wettlauf frühkindlicher Bildung nicht irgendwie auf der Strecke zu bleiben. Während das Wort Zeitmanagement früher Top-Managern vorbehalten war, hat es längst Einzug in die niederen Hierarchieebenen gehalten. Nach dem Motto „Früh übt sich, …“ brauchen die Kids ganz selbstverständlich ein Zeitmanagement, um es im frühkindlichen Bildungszirkus gebacken zu kriegen.

Noch mehr Vokabeln, die nerven

Da ist doch gleich die nächste In-Vokabel … Weiterlesen

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Wort des Jahres 2015: Flüchtlinge

Die Gesellschaft für deutsche Sprache entschied am 11. Dezember 2015: Aus 2.500 Belegen wählte die verantwortliche Jury, die aus dem Hauptvorstand der Gesellschaft sowie deren wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern besteht, das Wort „Flüchtlinge“ zum Wort des Jahres. Die Begründung liest sich wie folgt:

„Nicht die Häufigkeit eines Ausdrucks, sondern seine Signifikanz bzw. Popularität stehen bei der Wahl im Vordergrund: Auf diese Weise stellen die Wörter eine sprachliche Jahreschronik dar, sind dabei jedoch mit keinerlei Wertung oder Empfehlung verbunden, sondern haben den öffentlichen Diskurs des Jahres wesentlich geprägt und das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben sprachlich in besonderer Weise begleitet.

Das Substantiv steht nicht nur für das beherrschende Thema des Jahres, sondern ist auch sprachlich interessant. Gebildet aus dem Verb flüchten und dem Ableitungssuffix -ling (›Person, die durch eine Eigenschaft oder ein Merkmal charakterisiert ist‹), klingt Flüchtling für sprachsensible Ohren tendenziell … Weiterlesen

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Al(le)s Gleichmacher, oder wie?

Jetzt ist er fällig, der Blogbeitrag zu einem umgangssprachlichen Phänomen, das ich in letzter Zeit immer häufiger höre. Worum geht es?

„Ich war schneller wie du.“
„Meine Tochter ist schon größer wie ich.“
„Das neue Bild ist schöner wie das alte.“
„Euer Weg war länger wie unserer.“
Unglaublich viele Zeitgenossen – sowohl Hauptschüler als auch gestandene Professoren – verwenden für Vergleiche grundsätzlich das Wörtchen „wie“, also auch dann, wenn etwas gar nicht gleich ist. Wo, frage ich mich immer häufiger, ist die Konjunktion „als“ nur geblieben?

Mir liegt dann immer sofort die Verbesserung auf der Zunge. Allerdings: Bevor ich zur ersten „Klugscheißer“-Erörterung ausholte, fragte ich den Duden: Will man eine Ungleichhalt ausdrücken, verwendet man „als“, bei Gleichheit „wie“. Na bitte!

Und trotzdem: Warum richtet sich kaum einer danach? Ist das Unwissenheit, sprachliche Nachlässigkeit, oder handelt es … Weiterlesen

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Das Semikolon: ein in jeder Beziehung charmantes Satzzeichen

Neulich, beim Korrekturlesen, ertappte ich mich dabei, ein Satzgefüge durch ein Semikolon zu strukturieren. Kurz darauf dachte ich: Wie komisch, warum macht sich der nette Strichpunkt selbst in unseren Texten so rar? Vermutlich weil er allgemein aus der Mode gekommen ist; Deppen-Apostroph, Doppelpunkt und Ausrufezeichen haben ihm längst den Rang abgelaufen. Nur Zwinkersmileys sowie Programmiersprachen gönnen ihm noch einen Hauch von Leben; sonst scheint seine Existenz akut gefährdet, weil Texte auf seine ordnende Funktion wohl locker verzichten können. Presseinformationen, Broschüren und Prospekte; Romane, Essays und Biographien; Editorials, Reportagen, Fachartikel; das World Wide Web – sie alle haben offensichtlich nur den Mut, sich zwischen Punkt und Komma zu entscheiden.

Laut Duden nimmt das Semikolon eine Mitteleinstellung zwischen Komma und Punkt ein. Es steht dann, wenn das Komma als trennende Funktion innerhalb eines Satzes zu schwach ist; es steht anstelle eines Punktes, … Weiterlesen

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Wenn Worte ihre Sprache wären … Was wir von der Kommunikation mit Hunden lernen können

„War is what happens when language fails”, sagte die englische Schriftstellerin Margaret Atwood. Etwas humorvoller drückte es der österreichische Kabarettist Helfried aus: “Streit entsteht immer dann, wenn ein Mensch zu einem anderen etwas sagt!“ Wenn Menschen miteinander kommunizieren, scheint es immer weniger um Verständigung zu gehen. 940.000 Google-Ergebnisse für „Kommunikationstraining“ dokumentieren Verbesserungsbedarf.

Eine ganze Reihe Kommunikationstrainer kennt die Suchmaschine jedoch nicht. Ich lebe mit einem unter einem Dach. Mein „personal coach“ ist weiblich und blond. Sie heißt Emma und ist ein Hund. Lernen von einem Hund? Ausgerechnet! Wo doch zwischen Mensch und Hund oft noch mehr Missverständnisse im Raum schweben! Reduziert sich die Mensch-Hund-Kommunikation nicht sowieso nur auf eine „Sitz-Platz-Fuß-Dressur“: der Hund tut, was der Mensch sagt? Der Hund hat doch nicht einmal Worte für das, was er uns mitteilen will!

Genau deswegen! In sechs Jahren habe ich viel von … Weiterlesen

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Call to action

Grenzenlos überfluten uns Anglizismen. Kein Treffen (neudeutsch: Meeting) vergeht ohne eine mit größter Wichtigtuerei hervorgebrachte Neuschöpfung. Schonungslos posaunt es heraus, auch ohne des Englischen wirklich mächtig zu sein. Die Gesprächsrunde senkt in stillschweigender Einigkeit beeindruckt das Haupt. Zustimmendes Gemurmel gilt als gesicherte Anerkennung dieses jede Strategie verändernden Einwurfes. Das charakterstarke „call to action“ stellt erbarmungslos jede gelernte und mit Perfektion zelebrierte Selbstverständlichkeit auf den Kopf. Endlich existiert die Formel, nach der Kommunikation jeden Angesprochenen einbezieht. Mich beschleicht Dankbarkeit, in dieses Geheimnis einbezogen worden zu sein.

Wie klassizistisch wirkt dagegen die vor mehr als einhundert Jahren propagierte Formel AIDA. Schon der Klang dieses Begriffes berührte das kulturelle Einfühlungsvermögen. Assoziationen mit der Oper von Giuseppe Verdi, dem Musical von Elton John und Tim Rice oder gar mit der Wiener Café- und Konditoreikette berührten alle Sinne. Selbst eine Figur aus dem Gesellschaftstanz soll … Weiterlesen

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