Da wird doch der IBAN in der Pfanne verrückt

SEPA - 3D

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Schon vergessen? Die Jahre 2013 und 2014 sprühten vor Aufklärungseifer zur Einführung der Single Euro Payments Area, kurz SEPA genannt. Berge von Ratgebern, Aufklärungsbroschüren und Artikeln überfluteten unsere Schreibtische; Heerscharen von Beratern tourten durch Unternehmen und Verwaltungen. Der Abschalttermin für das bisherige Zahlverfahren am 31. Januar 2014 – nach Fristverlängerung am 1. August 2014 – trieb jedem Verantwortlichen für die Zahlungsabwicklung den Angstschweiß auf die Stirn. Der Tag des Weltunterganges hatte wieder einmal ein festes Datum.

Natürlich, alle Gläubiger, die ihre Forderungen per Lastschrift eintreiben, plagten sich mit neuen Auflagen. Neben der Informationspflicht – vor Lastschrifteinzug muss künftig der Kunde informiert werden – gelten unter anderem auch geänderte Vorlauffristen für das Einreichen der Lastschriften bei den Banken. Zudem muss die rechtliche Legitimation der Lastschrift durch ein SEPA-Lastschriftmandat eingeholt werden.

Für uns Normalsterbliche und Mittelständler blieb übrig, dass wir uns an die 22-stellige Kontonummer (einschließlich Länderkennzeichen und Prüfziffer) unserer Gläubiger gewöhnen mussten. Die Einführung der International Bank Account Number – kurz IBAN – plus dem 11-stelligen Bank Identifier Code – kurz BIC – trieb seither schon manch einen Zahlungswilligen in die völlig entnervte Verzweiflung. Doch man gewöhnt sich auch daran. Allen zum Online-Banking umerzogenen Schuldnern bleibt die hilfreiche Möglichkeit, die einmal mühsam eingetippten 33 Buchstaben und Zahlen als wiederverwendbare Vorlage zu speichern. Es geht also.

Und nun das: Der jüngste Kontoauszug aus dem Kontoauszugdrucker, dem noch niemand einen englischen Namen gegeben hat, spuckt seitenweise neue Geschäftsbedingungen aus. Die Zitate daraus lassen einen schlichtweg erschaudern. Man lese und staune:

„Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde, aktuell wird das Internet-Banking vermehrt für unbefugte Überweisungen ins Ausland genutzt. Die Straftäter erhoffen sich dadurch eine Erschwerung der Strafverfolgung.“

Und so geht es – verkürzt zitiert – weiter. Sie haben bisher keine bzw. nur wenige Online-Banking-Zahlungen ins Ausland in Auftrag gegeben. Wir gehen davon aus, dass Sie diese Möglichkeit auch zukünftig nur selten nutzen werden. Um weitere Straftaten zu erschweren, werden wir daher zu Ihrer Sicherheit zum 15.3.2015 Internet-Banking-Transaktionen für dieses Konto auf Inlands-Zahlungen beschränken.

Diese Information vermittelt das Gefühl, unter Generalverdacht gestellt zu sein. Die Auskünfte der Bankberaterin schaffen verblüffende Klarheit. „Unsere Briefkästen werden vermehrt aufgebrochen. Die darin liegenden Überweisungsträger gelten dann als perfekte Fälschungsvorlage. Und davor möchten wir Sie schützen! Wir überprüfen Überweisungen schließlich nur ab 500 Euro.“

Hier geht doch wohl einiges mächtig durcheinander. Physisch aufzubrechende Briefkästen gibt es meines Wissens im Online-Banking nicht. Wenn das aber die Ursache dafür sein soll, uns IBAN und BIC = SEPA wieder wegzunehmen, kräuseln sich einem doch die Nackenhaare. Nach dieser Logik sollten die handschriftlich ausgefüllten und signierten Überweisungsträger verboten werden.

Da wird doch die Werbung meiner Bank des Vertrauens auf der eigenen Internetseite zum reinen Hohn. „Schnell und sicher weltweit zahlen“, heißt es. Schließlich wurde das SEPA-Verfahren für den reibungslosen Geldtransfer in der Euro-Zone entwickelt. Warum hätten wir uns sonst an die kryptischen Kontonummern gewöhnen müssen?

Durch gewaltsam geleerte Briefkästen lernen wir, dass IBAN und BIC offensichtlich Geheimcodes für das Einfallstor zum straftatrelevanten Schwarzgeldtransfer sind. Und da auch wir durch dieses Tor schreiten könnten, dürften wir uns zu staatsschädigenden Machenschaften aufgerufen fühlen. Also: Riegel davor!

Ich verstehe es nicht. Die Alternative zur Sperrung des Online-Bankings für den Geldtransfer ins Ausland soll wieder der handschriftlich ausgefüllte und vor Diebstählen nicht sichere Überweisungsträger sein. Vor dem strengen Blick der sich zu selbsternannten Sittenwächtern aufgeschwungenen Hilfskontrolleur(e)/-innen am Bankschalter verdunstet dann jede kriminelle Energie. Wo leben wir eigentlich? Wir stehen kurz vor der Renaissance, den Geldboten wieder per Postkutsche durch das Neuland trollen zu lassen.

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