Das geht auf (k)eine Kuhhaut

Die Briten ticken einfach anders. Sie fahren auf der falschen Straßenseite, philosophieren gerne über das Wetter und stehen geduldig in der Schlange. Sie neigen zur Exzentrik und zeigen einen ausgeprägten Hang zum schwarzen Humor. Und mit ihren gepflegten Spleens sorgen sie immer wieder für Gesprächsstoff.

Foto: Kerstin Büttemeier

Foto: Kerstin Büttemeier

Ein Fall für das Kuriositätenkabinett ist die Geschichte, die kürzlich in der Presse zu lesen war. Danach brauchen die Briten Kühe, um ihre Gesetzestexte festzuhalten. Donnerwetter, das klingt im digitalen Zeitalter doch ziemlich „strange“. Wenn die Lords im Londoner Oberhaus, die für das Festhalten von Gesetzen zuständig sind, jetzt daran denken, den Vertrag mit einem der letzten Pergamenthersteller zu kündigen, dann heißt das weniger, endlich im Zeitalter der digitalen Technologien angekommen zu sein. Vielmehr entpuppen sich die Lords als knallharte Kostensanierer. Rund 80.000 Pfund für Einkauf, Beschriftung und Lagerung des tierischen Schreibmaterials sollen jährlich eingespart werden. http://www.stern.de/panorama/grossbritannien–die-kuriose-geschichte–wie-briten–immer-noch–gesetze-aufschreiben-6712270.html

Obwohl der Kabinettsentscheid noch nicht gefallen ist, steht eine Tradition auf der Kippe. Während der Pergamenthersteller auf die Unverwüstlichkeit des Pergaments aus Kuhhaut verweist, argumentieren die Lords mit der Haltbarkeit von Archivpapier sowie mit der Tatsache, dass Gesetze heute online gespeichert und verfügbar seien.

Wie mag die Geschichte wohl ausgehen? Bereits 1999 verlangten die Lords schon einmal die Abschaffung der pergamentenen Tradition, die ihnen allerdings von den Abgeordneten des Unterhauses schon damals verwehrt wurde. Wenn die Briten zukünftig nicht mehr ihre Gesetze auf Pergament verewigen, dann trägt die Entscheidung nicht nur zur weiteren Entzauberung unserer Welt bei. Viel mehr weist das britische Kuriosum uns auch darauf hin, dass die digitalen Speichermethoden immer noch kein Gedächtnis für die Ewigkeit bedeuten. Dem Pergament sind sie – zumindest, was den aktuellen technischen Stand betrifft – heute noch mehr als deutlich unterlegen. (1)

Zeit also, nicht nur über Keramiktafeln (Projekt „Memory Of Mankind“ – MOM) nachzudenken, sondern über einfache, sichere und kostengünstige Werkzeuge und Methoden, um die wachsenden digitalen Datenberge einfach zu managen und für die Nachwelt zu archivieren. Damit es nicht irgendwann doch wieder heißt: Das geht nur auf eine Kuhhaut.

1 https://de.wikipedia.org/wiki/Langzeitarchivierung
http://www.spektrum.de/news/wie-speichern-wir-unsere-daten-fuer-die-ewigkeit/1219421

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