Der Elfte im Elften um elf

© mojolo - Fotolia.com

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Ja, heute am St. Martins-Tag. Also am 11. November und 50 Tage vor dem Jahresende startet in unseren Karnevalshochburgen die fünfte Jahreszeit. Das hat Tradition und sicher auch gute Gründe.

Doch der Martinstag verdient mehr Respekt als nur eine rote Pappnase. Am 11. November 397 wurde Martin von Tours beigesetzt. Als asketischer Mönch, Nothelfer und Wundertäter errichtete er zu seinen Lebzeiten das erste Kloster des Abendlandes in Ligugé, gründete Pfarreien und wirkte als Bindeglied zwischen Rom und Franken. Der Tag seiner Grablegung wurde zum Martinstag, an dem das bäuerliche Wirtschaftsjahr endete, neuer Wein probiert werden konnte und der Viehabtrieb begann. An diesem Tag (so Wikipedia) endeten Dienstverhältnisse, Pacht-, Zins- und Besoldungsfristen. Gleichzeitig wurden die Steuern fällig, die früher in Naturalien, auch mit Gänsen, bezahlt wurden. Zu den Brauchtümern zählten Kinderfeste ebenso wie Martinsfeuer, um das getanzt wurde. Aus den dazugehörigen Fackelläufen wurden die Laternenumzüge, für die heute LED-Leuchten statt lichterloh brennende Wachskerzen gewünscht sind.

Beide Motivstränge, Karneval und Martinstag, stehen aber auch für einen Neustart. Hektik macht sich breit. In zehn Tagen öffnen bereits die Weihnachtsmärkte. Lichterglanz und Glühweindampf werden die Sinne wieder weiten. Denn so ganz ist das Jahr noch nicht an uns vorbeigerauscht. Im Gegenteil. Zu viel steht noch auf der To-do-Liste.

Und bei aller Beschaulichkeit quält uns, was mit übergroßen Headlines, mit vollmundig aufgeblasenen Parolen auf uns einprasselt. Gerade schwappt über uns hinweg, was die Tagesnachrichten und privaten Meinungen in allen Medien und Kanälen eintönig und voller Zweifel in das politische Umfeld verbreiten. Schockstarre, Entsetzen, Unflätiges, dazwischen heimlich angedeutete Akzeptanz nach dem Motto „Die Realität holt alles ein“. Und schließlich weiß niemand wirklich, worüber man sich eigentlich entrüsten möchte. Die Meldungen, die Talkshows mit ihren hinzugezogene Experten, die Leitartikel und Kolumnen strotzen nur von Ahnungen, Vermutungen, Prophezeiungen und in schönen Sätzen verbrämter Unwissenheit.

Ganz konkret: Ist der „elected president“ Donald Trump nun (Badische Zeitung) Held oder Maulheld? Ist sein Wahlkampf Blaupause dafür, wie sich Emotionen lenken lassen? Setzt er den Maßstab für Wahlen in Europa? Bereitet er den Populisten den Weg? Geht er als Erfinder der postfaktischen Ära in die Geschichte ein? Annäherung an St. Martin scheint ihm jedenfalls fremd. Bisher war mehr Karneval.

An Abwechslung fehlt es also nicht. Zumindest lenkt es ab vom miesen Novemberwetter mit seinem dämmrigen Tageslicht. Zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang liegen schließlich nur noch 9,5 Stunden. Über den Rest des Tages breitet sich Dunkelheit. Nutzen wir die hellen Tagesstunden, um am Elften im Elften um elf auf gute Zeiten zu vertrauen.

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