DIE EISHEILIGE NRW-WAHL

„Langnese, Schöller und Mövenpick!“ So lautet die knackige Antwort des schlauen Det auf die Frage, wie die drei Eisheiligen heißen. Wieder ein Beleg dafür, dass wir dringend eine Bildungsreform brauchen. Denn schon der fragende Pädagoge liegt falsch. Mit den Namenstagen der kirchlichen Heiligen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia zählen wir immerhin fünf der „Eismänner/-frauen“, die uns vom 11. bis 15. Mai wieder die Heizkosten nach oben treiben wollen. Schließlich breitet sich in der ersten Maihälfte gern kühle Polarluft in Deutschland aus, sofern der Klimawandel diesem Treiben keinen Strich durch die Rechnung macht. Immerhin verkündet der Deutsche Wetterdienst, dass sich die Kaltlufteinbrüche im Mai in den letzten Jahren ziemlich rar gemacht haben.

Und doch: Die Eisheiligen sind Mythos. Landwirte, Gärtner, Terrassen- und Balkon-Ästheten wissen, dass empfindliche Pflanzen erst nach dem 15. Mai, dem Gedenktag der Kalten Sophie (pardon, der Heiligen Sophia von Rom und Schutzpatronin der Feldfrüchte) ins Erdreich gesetzt werden dürfen. Zu ihren eisigen Kollegen finden sich spontan weniger gravierende Tagestipps. Es sei denn, man wagt es ein bisschen nachdenklicher.

© mitifoto - Fotolia.com

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Nehmen wir mal den altkirchlichen Märtyrer Bonifatius von Tarsus (Gedenktag 14. Mai) unter die nach zeitgerechter Deutung suchende Lupe. Ihm war aufgetragen, in der Region um die türkische Hafenstadt Tarsus herum nach Reliquien christlicher Märtyrer zu suchen und sie nach Rom zu bringen. Er erlebte die Schrecken der Christenverfolgung unter Kaiser Galerius, ließ sich taufen und outete sich öffentlich als Christ, wofür er in der Türkei 306 n.Chr. das Martyrium durch siedendes Pech erlitt. Es sollte niemand eine Analogie zu heutigen geopolitischen Verwerfungen vermuten. Die Frage sei aber erlaubt, warum der 14. Mai in diesem Jahr als Gedenktag für den Heiligen Bonifatius gleichzeitig für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen herhalten muss. Wird das Wahlergebnis eisheilig sein, werden Reliquien zur Deutung gebraucht oder steht gar siedendes Pech auf dem Programm? Ein Kandidat mit Namen Bonifatius steht offenkundig wohl nicht zur Wahl.

Nehmen wir es also nicht ganz so dramatisch. Der Name Bonifatius stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „der gutes Geschick Verheißende“, schreibt Wikipedia. Und gutes Geschick brauchen wir wirklich, sowohl für die Zeit der fünf Eisheiligen/-innen als auch für den 14. Mai. Geschickt ist natürlich auch die Entscheidung, alles so oberflächlich wie gleichwohl zeitgerecht mit dem Vokabelwissen aus der Tiefkühltruhe abzutun. Langnese, Schöller und Mövenpick versprechen immerhin geschärften Geschmackssinn, der uns auch bei vielen anderen Herausforderungen hilfreich sein dürfte.

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