Digitale Revolution: Was hinter den Buzzwords steckt.

Content Marketing und Digitale Transformation gehören im Ranking der Buzzwords des Jahres 2016 zu den Top 10 (onlinemarketing.de). Erklärung notwendig? To buzz bedeutet schnarren, summen, surren oder brummen, womit sich Buzzword als wichtig klingendes Synonym für das Modewort im Marketingsprech etabliert hat. Content steht für Inhalt, und verbunden mit dem Allroundbegriff Marketing kommt „CM“ als intellektuell aufgepeppter Ideenreichtum rüber. Die ziffernmäßige Umwandlung, pardon die digitale Transformation, nimmt für sich revolutionäre Wegweisung in Anspruch.

Um die Aufgeregtheit zu entschärfen, lohnt sich der Blick auf den Hintergrund. Konrad Ernst Otto Zuse (1910 – 1995) entwickelte mit dem Z3 im Jahr 1941 den ersten funktionstüchtigen, vollautomatischen, programmgesteuerten und frei programmierbaren, in binärer Gleitkommarechnung arbeitenden Rechner und somit den ersten funktionsfähigen Computer der Welt (Wikipedia – https://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_Zuse).

50 Jahre später, am 6. August 1991, wurde in der Schweiz die erste Webseite der Welt öffentlich gemacht. Der britische Physiker Tim Berners Lee, damals am Europäischen Kernforschungszentrum (CERN) bei Genf beschäftigt, wollte das dortige Informationschaos eindämmen und Informationen mit seinen Kollegen austauschen sowie dafür das bereits seit 1984 bekannte E-Mail-System nutzen http://www.badische-zeitung.de/computer-medien-1/drei-buchstaben-veraendern-die-welt–125734939.html. Seitdem bestimmt das World Wide Web unser Leben.

© beeboys - Fotolia.com

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Diese wenigen historischen Daten zeigen die rasante und miterlebte Reise der digitalen Revolution. Man darf sich glücklich schätzen, Zeitzeuge dieser Entwicklung zu sein. Ein subjektiver Rückblick fördert Erstaunliches zutage. Die letzte gedruckte MSWW-Imagebroschüre entstand 1990. In der Rubrik „Equipment“ steht unter dem Absatz EDV folgender Protztext: „Jedem Mitarbeiter steht in unserer Agentur ein Bildschirmarbeitsplatz mit einer 20MB Festplatte zur Verfügung. Dies entspricht einer Speicherkapazität von 20 Millionen Zeichen. Jeder dieser Rechner hat einen internen Arbeitsspeicher von 640kb oder 640.000 Zeichen. Alle Arbeitsplätze sind vernetzt. Das Kernstück der gesamten Anlage ist der Server des Netzwerkes mit einer 120 MB Platte und einem Arbeitsspeicher von 2 MB.“

Diese Vernetzung wurde 1988 in Auftrag gegeben. Die acht Bildschirmarbeitsplätze waren IBM-PCs, die trotz langer Lieferzeit nicht komplett ausgeliefert wurden. Der unvergessene, und später als durchaus hilfreich verstandene Tipp des Fachberaters: „Nehmen Sie erst einmal drei Geräte zum Üben, dann läuft die spätere Erweiterung auch reibungsloser.“ Geschrieben wurde mit der Autorensoftware WordPerfect, der Seitenaufbau erfolgte mit Pagemaker 3.0. Okay, wir waren der Zeit voraus, was auch das Impressum der Broschüre zeigt. Die ergänzte postalische Adresse verweist auf Telefax, Btx und Telex. E-Mail-Adresse, MSWW-Website und Auftritte in den sozialen Medien einschließlich dieses Blogs folgten im Schritttempo der Earlybirds. Ganz vorn dabei zu sein, galt als Regel. Nicht selten förderten die schnellen Entwicklungsstufen auch den Frust. Was als Überbrückung räumlicher Distanz nutzbar ist, setzt paralleles Denken und Handeln voraus. Und mancher Mangel verblüfft immer wieder.

Gunnar Sohn, Wirtschaftspublizist und Medienberater (Wikipedia), fasst die Fakten für sein Sommerinterview zusammen, die zeigen, wie weit wir inzwischen mit der digitalen Revolution gekommen sind https://www.facebook.com/notes/gunnar-sohn/digitale-schnappatmung-im-mittelstand-bonnersommerinterview/10154211767626977. Man darf sich fragen, ob diese Bestandsaufnahme die vielen Buzzwords rechtfertigt oder entzaubert. Gut fährt, wer mit der Realität lebt.

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