Eine Weihnachtsgeschichte von tollen Schülern und einem eiskalten Herz

Foto: MSWW

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Für die fünf Schüler des Albert-Schweitzer-Gymnasiums in Gundelfingen hätte es so schön sein können: Ein neuer Flachbildfernseher, Flüge mit einer Drohne, eine Pferd und eine Spende an Kriegsflüchtlinge, davon träumten sie nach ihrem spektakulären Bargeld-Fund. Denn tagelang war unklar, ob die Polizei den Besitzer der 30.000 Euro finden würde, die die Gymnasiasten auf ihrem Schulweg gefunden hatten.

Zuerst dachten Joschua, Julius, Lena, Emma und Luis an Spielgeld. Zuvor waren ja auch schon etliche Kinder an den Geldbündeln mit den 500 Euro-Scheinen vorbeigeradelt, ohne sie zu bemerken. Für die Fünf stand jedoch schnell fest: Das Geld ist echt und muss zur Polizei. Die Polizeibeamten staunten nicht schlecht, als die Kinder den Fund überreichten. Für die verpasste Englischstunde stellte der Polizist den Schülern ein Entschuldigungsschreiben aus. Das Albert-Schweitzer-Gymnasium hatte ganz unerwartet fünf Helden.

Eine Tafel Merci-Schokolade …

Höchst spannend, dass sich in Zeiten, wo ein Päckchen Kaugummi mit der Karte bezahlt wird, auf dem Polizeirevier in Gundelfingen gleich mehrere Personen meldeten, denen die 30.000 Euro aus der Tasche gefallen sein sollen. Zunächst konnte jedoch keiner von ihnen glaubhaft versichern, der rechtmäßige Besitzer zu sein. Wäre das nach einem halben Jahr immer noch so gewesen, hätte das Geld den ehrlichen Findern gehört. Aber die Träume der Kinder zerplatzten leider schon bald.

Einem 47-jährigen Mann, der Details zu den Geldbündeln beschreiben konnte, schenkte die Polizei nach weiteren Überprüfungen Glauben. Und jetzt kommt’s: Der Besitzer der 30.000 Euro bedankte sich mit jeweils einem knappen Brief und einer Schachtel Merci-Schokolade bei den ehrlichen Findern. Wie dumm nur, dass er den gesetzlich vorgeschriebenen Finderlohn von 910 Euro (182 Euro pro Schüler) natürlich zahlen musste.

Was bitte geht in einem Menschen vor, der beim Spazierengen mal eben so 30.000 Euro verliert und sie nur durch einen glücklichen Umstand – hochanständige Kinder – wieder zurückerhält? Ich denke: ein tiefes Dankbarkeitsgefühl. Aber wahrscheinlich nicht bei allen. Die meisten Menschen jedenfalls, die ich kenne, können sich, wie ich auch, gar nicht vorstellen, mit 30.000 Euro spazieren zu gehen. Deswegen wären wir „Normalos“ auch so glücklich, wenn wir – und es mag ja Gründe dafür geben, solche Summen spazieren zu führen – unser sauer verdientes Geld wieder zurückbekämen. Ich jedenfalls wäre so happy, dass ich jedem Schüler 500 Euro ausbezahlt hätte. Für einen herzlichen Dankesbrief und ein hübsches Geschenk – zum Beispiel eine Reithose für Lena oder Emma – hätte es auch noch gereicht. 27.000 Euro sind doch besser als nichts; schließlich sollte man selbst eine Lehre aus seiner Leichtsinnigkeit ziehen.

Vorbildgebendes Handeln gehört belohnt!

Der schreckliche Knauser aus dem Großraum Freiburg hat mit großzügigen Gesten wohl wenig im Sinn. Allerdings sollte er mal über die Tragweite seiner Herzlosigkeit nachdenken. Die Anständigkeit der Dreizehnjährigen gehört belohnt. Dabei geht es ganz besonders darum, die jungen Leute zu motivieren, auch weiterhin ehrlich und achtsam zu ein. In einer Gesellschaft, in der Narzissmus, Egoismus und Rücksichtslosigkeit immer weiter um sich greifen, muss das vorbildgebende Handeln belohnt werden – und zwar mehr, als es das Gesetz vorschreibt. Anerkennung heißt das Zauberwort und gehört, was mich betrifft, zu den schönsten und extrem motivierenden Gesten, die einem Menschen entgegengebracht werden können. Das kalte Herz aus Freiburg hat damit nichts an der Brause. Und ich glaube auch nicht, dass sich sein kaltes Herz in der Weihnachtszeit noch erwärmt, wie die Badische Zeitung vom 9. Dezember in ihrer Kolumne „Unterm Strich“ zu hoffen wagt. Der hat seine Kohle wieder, hat das Gesetzt befolgt und weiß eigentlich gar nicht, warum er den liebenswerten Schülern dankbar sein sollte. „Ehrlichkeit ist doch wohl normal oder?“, so sehe ich den Knauser selbstherrlich vor seinem Spiegelbild stehen?

Was die fünf sympathischen Schüler betrifft: Ich finde sie großartig! Sie waren achtsam und haben Charakterstärke  par excellence demonstriert.  Lehrer, Mitschüler, Eltern und der ganze Ort sind einfach nur stolz auf Joschua, Julius, Lena, Emma und Luis.  Dabei reicht die Hochachtung noch weit über die Gundelfinger Gemeindegrenze hinaus. Das ist gut so und tröstet die Kinder sicherlich über eine kleine Enttäuschung hinweg. Auf dem Bild vor dem Gundelfinger Rathaus (BZ, 9. Dezember 2016) sehen die Fünf so aus, als sei die Welt völlig in Ordnung. Das ist gut so. Und mit dem gesetzlichen Finderlohn reicht‘s wahrscheinlich auch für eine Reithose und einen klitzekleinen Obolus für Kriegsflüchtlinge. Wie auch immer, Ihr Helden aus Gundelfingen, Ihr ward der Stoff für meine Weihnachtsgeschichte und ich bin auch ganz schrecklich stolz auf Euch!

https://www.badische-zeitung.de/kommentare-1/merci-fuer-30-000-euro–130840646.html

http://www.badische-zeitung.de/gundelfingen/schueler-finden-30-000-euro-besitzer-dankt-mit-schokolade–130837346.html

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