Früher war alles besser

Concept of training. Wooden bookshelf full of books in form of man head on a bricks background. Science about human. Psychology. A human have more knowledge.

© sveta – Fotolia.com

„Früher war alles besser. Ein rücksichtsloser Rückblick“ lautet der Titel des von Michael Miersch gemeinsam mit Henryk M. Broder, Josef Joffe und Dirk Maxeiner im September 2010 im Knaus-Verlag erschienenen Buches. In der Zeitung „Die Welt“ http://www.welt.de/debatte/article9565376/Frueher-war-alles-besser-Sogar-die-Zukunft.html schrieb der Autor dazu: „Früher war vor allem eines besser: Man war jünger. Die erste Liebe, die erste Reise, der Zorn gegen die saturierten alten Säcke waren großes Kino. Hinein ins donnernde Leben. Aber war die Welt besser? Die Kultur, die Technik, die Umwelt, die Sitten? Wer möchte zurück?“

Der Reiz dieses Statements liegt in der Zukunft. Wenn es dann wieder heißt, früher war alles besser, richtet sich möglicherweise der Fokus auf die heutige Zeit. Und wer dann rückwärts blickt, ist zwangsläufig älter als heute. Er kann berichten, wie es wirklich war. Wenn er noch Zuhörer dafür findet.

Und noch einmal Michael Miersch in dem eingangs zitierten Artikel: „Das Schöne am Ältersein ist, mit eigenen Augen gesehen zu haben, wie sich die Welt verändert hat. Das ist viel besser, als mit 20 unter dem Gefühl zu leiden, dass sich nichts bewegt (und deshalb endlich eine Revolution kommen muss).“

Sicher darf man hier ergänzen, dass das Schlechte am heutigen Ältersein sich wohl dadurch äußert, dass die in permanenter Tsunami-Stärke über uns hereinbrechende Informationsfülle keine Zeit mehr lässt, um der Vergangenheit Wirkung zu verschaffen. Schließlich sollte unsere Herkunft der Quell für Lehrreiches sein, um aus Positivem und Negativem gleichermaßen zu lernen.

Aus aktuellem Anlass sei hier ein Blick auf die Historie der Einbauküchen eingefügt. Mit großem Aufwand arbeitete die Fachzeitschrift „Küchenplaner“ ihre eigene 50-Jährige Geschichte in der Sonderausgabe 7/8/2016 https://www.yumpu.com/de/document/fullscreen/55764763/50-jahre-kuchenplaner auf. Die vom Redaktionsteam der MSWW PR-Agentur recherchierte Reise durch fünf Jahrzehnte profitierte vom eigenen Gedächtnis der Autoren. Historisches Material, das älter als 20 oder 25 Jahre ist, findet sich dagegen im Internet kaum.

Besonders verblüffte die Recherche beim Branchenverband AMK. Auf dem kürzlich hochgelobten Relaunch der Internetseite www.amk.de findet sich unter Historie nur ein einziger Satz: „Die AMK wurde 1956 gegründet und ist der Fach- und Dienstleistungsverband der gesamten Küchenbranche.“ Darüber hinaus nur Beschreibung des Istzustandes, der Aktivitäten und der Zielsetzung. Ganz so, als ließe sich über die 60 Jahre nichts sagen. Schade eigentlich. „Zukunft braucht Herkunft“ manifestierte Odo Marquard schon 2003 in seinen philosophischen. https://www.perlentaucher.de/buch/odo-marquard/zukunft-braucht-herkunft.html

Was also war es denn nun, was früher angeblich alles besser war? Die Manuskripte gingen per Post an den Verlag. Es folgte der Fernschreiber mit Lochstreifen und später digitalem Speicher mit Bildschirm. Die Ablösung folgte durch das Faxgerät. Für die Face-to-Face-Kommunikation entstanden Fernsehräume mit aufwendiger Kameratechnik. Und heute? E-Mail, SMS, XING, LinkedIn, WhatsApp, Skype, Facebook, Facetime, Video etc. Bei allen sich hieran entzündenden Diskussionen bleibt die Frage: Wer sehnt sich denn nun zurück in die düstere Vergangenheit der Kommunikation? Ich nicht!

Doch einem Punkt würde ich gern ein dickes Plus geben. Es wäre schöner, mal häufiger ein Buch im Bus, in der Tram, im Zug oder im Flugzeug in der Hand der Mitreisenden zu sehen, anstatt die epidemische Genickstarre durch den Blick auf das Smartphone befürchten zu müssen. Das war früher wirklich besser.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.