Gecheckt und gespiegelt: täglich frisches Journalistenbrot

CheckpointGutes bleibt. Das zeigt sich nicht nur in der Natur. Unternehmen, die voll auf die Qualität ihrer Produkte vertrauen, setzen ebenfalls auf diesen Slogan. Und auch der Journalismus funktioniert in Zeiten, in denen (fast) jeder schreiben kann, nach diesem Prinzip. Der „Tagesspiegel Checkpoint“ ist ein Beispiel dafür, ein verdammt gutes.

Das würdigte im letzten Jahr die Jury des Grimme-Preises und urteilte: „Wenn ein passionierter Zeitungsmann (Lorenz Maroldt) für den Einsatz einer 90er-Jahre Technologie (Newsletter) im Jahr 2015 den Grimme Online Award erhält, dann muss es ein besonderes Projekt sein. Und das ist ‚Checkpoint‘. Der Newsletter ist eine Morgengabe, die bis in den Abend wirkt. Innerhalb von wenigen Monaten hat sich ‚Checkpoint‘ zur Pflichtlektüre entwickelt – für Leser über Berlins Grenzen hinweg, für den Politikbetrieb, aber auch für die digitale Szene, die Zeitungsabos nur noch aus dem Elternhaus kennt.“ Im November 2014 ins Leben gerufen, zählte der „Tagesspiegel Checkpoint“ zum Zeitpunkt der Preisvergabe bereits mehr als 80.000 Abonnenten.

Gutes nimmt man sich gern zum Vorbild – für ähnliche Projekte in anderen Orten, Branchen, mit anderen Personen. Doch dieses Beispiel bietet weitaus mehr als die schlichte Erkenntnis, dass ein Newsletter in solider handwerklicher Journalistenqualität kein Auslaufmodell ist. Was macht den „Tagesspiegel Checkpoint“ zu etwas Besonderem?

Elemente des Erfolges

Der „Checkpoint“ ist ein Newsletter für Berlin und Berliner. Man könnte also meinen, es liege am Lokalkolorit und der Zugkraft der Hauptstadt. Das stimmt jedoch nicht ganz. Am 9. Mai meldete ich mich auf eine Empfehlung hin als Newsletter-Abonnentin mit Sitz in Ostwestfalen an und lese seitdem werktäglich mit Begeisterung von Berliner Lokalpolitik und BER, von Behördeneffizienz und Beamtenlogik, von Menschen und Tieren, die die Szene aufmischen, von Persönlichkeiten, die die Hauptstadt besuchen, geehrten sowie gescheiterten Promis, von Stolpersteinen, die an ermordete Berliner Juden erinnern; ich bekomme darüber hinaus Restaurant-, Bar- und Freizeitempfehlungen, Kulturtipps sowie Infos über gesperrte Straßen. Warum mich das mehr als 400 Kilometer entfernt interessiert?

Es ist das kunterbunte Themenspektrum, das mit scharfer Zunge und pfiffigem Humor auf den Punkt gebracht wird. Das ist kurzweilig, unterhaltsam und informativ. Hinzu kommt die Verpackung, die mit Rubriken wie „Kurzstrecke“, „Zitat“, Berlin heute“, „Berliner Gesellschaft“ oder „Encore“ einem wiedererkennbaren Muster folgt.

Der „Checkpoint“ lebt aber in erster Linie von der Persönlichkeit und Passion des Tagesspiegel- Chefredakteurs Lorenz Maroldt. Er gibt dem Newsletter sein Gesicht, er drückt ihm seinen Stempel auf. Maroldt ist seit mehr als 20 Jahren beim Tagesspiegel, seit 2004 Chefredakteur und Leitartikler. Seine Themen sind Politik, Gesellschaft, Kultur, Wirtschaft und Sport. In Berlin lebt Lorenz Maroldt seit den frühen 80er Jahren. Er hat hier Politik studiert, war aktiv in der Berliner Musikszene, hat eine ausgeprägte Leidenschaft für Sport und gilt als Genießer des Berliner Kultur-, Gastronomie- und Nachtlebens. Bekanntheit für seine kenntnisreichen, scharfsinnigen und zuweilen bissigen Kommentare zum Stadtgeschehen erlangte er bereits vor Einführung des „Checkpoint“-Newsletters. Maroldt bezieht klar Stellung. „Knallharte Einordnung trifft Berliner Schnauze“, so formulierte die Grimme-Award-Jury.

Aber Maroldt begleitet seine Leser auch. Von der persönlichen Mail nach Newsletteranmeldung („… Ich freue mich über Ihr Interesse an meinem morgendlichen Berlin-Überblick. …Vor allem aber wünsche ich viel Spaß beim Lesen! …Ihr Lorenz Maroldt“) über den Mailkontakt für Fragen, Feedback, Kritik oder Anregungen bis hin zum Twitteraccount @LorenzMaroldt. Und hier findet wirkliche Interaktion statt: Zitate, Anregungen und Themen von Lesern tauchen im „Checkpoint“ wieder auf. Kommunikation auf Augenhöhe.

Last but not least die Aufmachung. Klar, responsives Design ist heute Pflicht, so dass sich die Infos gleichermaßen gut auf Smartphone, Tablet und PC lesen lassen. Es ist aber auch die Würze der Kürze, die ihren Counterpart in gut dosierten Links findet, die zu Hintergrundinformationen nicht nur auf die Seite des Tagesspiegels führen.

Fazit

Wer weiß, wie schwierig es ist, regelmäßig allein einen Blogbeitrag zu verfassen und dabei noch tagesaktuell zu bleiben, der weiß den „Checkpoint“ besonders zu schätzen. Das in jeder Hinsicht aufwendige Projekt zeichnet sich durch eine aufwendige Recherche, eine sorgfältige Themenauswahl, durch professionelle Aufbereitung und empathische Leserbegleitung aus. Das Ergebnis kostet mich als Leser keinen Cent, lediglich Zeit – fünf Minuten am Tag, wie die Macher prophezeien, aber diese ist keineswegs verschwendet: den gemeinen Berliner begleiten die selektierten Informationen durch den Tag, auswärtige Leser erfreuen sich an journalistischer Qualitätsarbeit, die vorbildhaft zu ähnlichen Höchstleistungen anspornt, die das finanzielle Fundament aus sich selbst heraus generiert und die Durchschlagskraft für einen dauerhaften Erfolg aufbringt. Gutes bleibt. Das wünsche ich diesem Projekt und seinen Lesern. Und insgeheim ärgere ich mich schon wieder ein wenig darüber, dass ich mich mit diesem Blogbeitrag schon wieder nicht kurz halten konnte.

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