Geht es immer noch verrückter?

Das Wetter? Sowieso! Die EU? Mann oh Mann: Boris „Brexit“ Johnson neuer Außenminister. Die EM? Dritter Platz für den Weltmeister. Die Digitalisierung? Seit über 25 Jahren Alltag, aber wegen neuer Technologien plötzlich der Hype schlechthin. Social Media? Na ja: Schweinsteiger hat geheiratet. Katzenbergers Ja-Wort ist Quoten(s)hit. Sky du Mont wieder Single. Und jetzt noch Pokémon Go.

© cartoonresource - Fotolia.com

© cartoonresource – Fotolia.com

Ganz langsam. Zuerst die Digitalisierung. Ganz ehrlich: Mich macht dieser Hype sprachlos. Und das soll wohl auch so sein. Miteinander zu sprechen, scheint völlig aus der Mode zu geraten. Um die Kommunikation kümmert sich in Unternehmen jetzt der CIO. Nie gehört? CIO ist der Chief Information Officer. Dieser neue Titel durchlief die Karrierestufen vom EDV-Leiter, IT-Leiter, Leiter Informationstechnik und IT-Manager. CIO klingt moderner, meint aber kaum etwas anderes. Er schafft die internen und externen Plattformen, auf denen man sich austauschen kann, auf denen man miteinander arbeitet und die sich aus dem Dialog aller Beteiligten als überall nutzbare Informationsquelle vollsaugen sollen.

Noch immer geht es also um technologische Entwicklungssprünge, die das virtuelle Miteinander ermöglichen. Natürlich verdienen die unglaublich schnellen Fortschritte – wenn es denn wirklich welche sind – viel Respekt. Die alles vorantreibenden Nerds genießen ihren Vorbildstatus. Doch es reicht kaum aus, sich auf den textilen Chic eines Marc Zuckerberg einzustellen. Das allein macht noch keinen Kommunikator in der digitalisierten Welt.

Tatsächlich braucht die Digitalisierung einen kompletten Kulturwandel. Noch immer tippen Menschen an ihren Tastaturen die Informationen in ihren Speicher ein. Noch immer sind es eigenständige Charaktere, die auf Plattformniveau reduziert werden sollen. Noch immer gelingt es nicht, den Nutzen der Digitalisierung auf seine arbeitstechnischen Vorteile zu reduzieren. Zu sehr streben CIOs danach, ausnahmslos jede Kommunikation auf die Plattform zu treiben. Ohne Erziehung, ohne Geduld, ohne Anleitung und ohne Sensibilisierung bleiben viele Mitarbeiter leider auf der Strecke.

Ganz ähnlich verhält es sich mit der digitalisierten Kommunikation beispielsweise über Facebook. Was in die Welt gepostet wird, erwartet Echo. Ein oftmals vergebliches Hoffen, insbesondere wenn es um B2B News geht, die gerade noch als Top-down-Messages ihre Berechtigung haben mögen. Die Antwortbereitschaft, auf derartige Interaktions- und Kommunikationsversuche einzugehen, hält sich in Grenzen. Und wer dennoch reagiert, versucht es auf die humorvolle Tour. Und das fällt nicht nur uns Deutschen oftmals sehr schwer. Man beobachte bitte nur die Kommentare, wenn ein User/-in sein/ihr Profilbild ändert.

Darüber hinaus – nur um es zu erwähnen – gibt es weitere Trends, die zur Zeit im Ranking ganz oben stehen: Social Commerce, Virtual Reality, Live-Video, Bots und Internet of Things, kurz IoT, drängen sich einem auf, wenn man möglichst nicht unwissend den Trends auf der Spur bleiben will. Lassen wir es mal so stehen. Es wird ohnehin immer verrückter.

Apropos Trend, apropos Pokémon Go. Seit dem 13. Juli 2016 grassiert es auch in Deutschland als medizinisch unheilbares Pokémon-Fieber. Überall trifft man an vielen Ecken große und kleine Spiel-Enthusiasten, die mit ihrem Smartphone auf Monster-Suche gehen. Nach 24 Stunden Existenz kommentiert dazu Carolin Buchheim in der Freiburger Zeitung vom 14. Juli: „Wenn Sie Menschen sehen, die auf der Kajo suchend auf ihr Handy starren, sind das Monstersammler. Haben Sie Nachsicht – und warnen Sie bitte vor herannahenden Trams.“

Veröffentlicht unter Kommunikation | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.