Gründerkultur: mutig fordern und sinnvoll fördern

Ein neuer Begriff bereichert unseren Wortschatz. Die Gründerkultur! Als Wortschöpfer darf möglicherweise der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner gelten. Mit seiner so genannten Wutrede im Landtag von Nordrhein-Westfalen hatte er für die Ent-Stigmatisierung unternehmerischen Misserfolgs plädiert. Was keine PR-Strategie vermochte, wurde als YouTube-Video zum viralen Hit. Über 400.000 Aufrufe brechen alle Rekorde, die alle anderen Aktivitäten politischer Parteien in den Schatten stellen.

Die Konsequenz folgt unverzüglich. Das Thema „Gründung von Unternehmen in der Digitalwirtschaft“ erhält neuen Schwung. Auch beim XING „Spielraum Talk“ am 11. Februar 2015 beherrschte es die Diskussion (http://bit.ly/1A3ov0Z ). Der Bericht über die Podiumsdiskussion vor 100 Zuhörern zitiert Christian Lindner mit folgendem Satz: „Niemand traue sich an die großen Reformen, denn Reform bedeutet immer 20 Maybritt Illner-Sendungen, wo das kaputt geredet wird und großen Widerstand von organisierten Gruppen“ (auf den Plan ruft). Lindner fordert: Raus aus der Komfortzone, ran an die Reform!

Dabei sei es auch hitzig zugegangen, heißt es in der Rückschau. Ein Jungunternehmer aus dem Publikum erbat einen Rat und erhielt folgende Tipps: „Nicht alleine gründen“, riet Christian Lindner, „auf jeden Fall alleine gründen“, empfahl XING-Gründer Lars Hinrichs. „Es kann nur einen Chef geben!“

Derartige Themen gipfeln immer in pauschaler Zustimmung. Weiter so, schallt es aus der Menge. Reform, richtig, die brauchen wir. Reform heißt schließlich, endlich gründlich ausmisten oder politisch korrekt: entbürokratisieren. Das trifft immer, egal worum es geht.

Was die Gründerkultur allerdings braucht, sind Unternehmer und nicht verzagte Unterlasser, die auf öffentliche Förderung hoffen. Es braucht den Charakter des unbedingten Wollens. Selbstverständlich kann das auch scheitern. Ein Stigma darf daraus nicht abgeleitet werden. Da darf man Christian Lindner sicher zustimmen. Was sich allerdings einer Selbständigkeit entgegenstellt, sind weniger die bürokratischen und finanztechnischen Auflagen, sondern die vielen verbesserungswürdigen Beispiele aus der etablierten Geschäftswelt.

Zur Gründerkultur fehlt uns das gute alte Vorbild, dem es nachzueifern lohnt. Hieran zu arbeiten, wäre schon mal ein Schritt in die richtige Richtung.

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