Heiße Tage im Kampf mit Textbausteinen

Blog-TextbauteineNoch hat das Jahr sechseinhalb Monate. Doch die Meteorologen sprechen bereits vom heißesten Tag des Jahres. 31 Grad für Bad Oeynhausen, 33 Grad für Freiburg meldete das iPhone am jüngsten Brückentag, dem 6. Juni 2015. Die neuesten Facebook-Meldungen warnen vor dem Rasenmähen bei der Hitze, befürchten die Kontingentierung von Grillfleisch im Supermarkt oder empfehlen selbstgemachten Erdbeerquark. Liebe Leute: Heiße Tage sehen anders aus.

Seit Wochen führen wir einen erbitterten Kampf gegen Textbausteine. Unser bevorstehender Umzug nach Freiburg und Verl verlangt Ab- und Anmeldungen. Die erste Hälfte dieses Spiels funktioniert im geordneten Haushalt wie am Schnürchen. Doch dann hagelt es Textbausteine. Uralte Adressen und Ansprechpartner verdeutlichen den Zustand von Kundendateien. Dass das Lesepotenzial eingeschränkt ist, zeigen die Antworten. Nichts wird mehr gründlich gelesen. Schon gar nicht, wenn Wünsche geäußert werden, für die es in den Antwortmaschinen keine programmierten Lösungen gibt. Fragen bleiben im Raum. Und Aufforderungen, doch den Kundendienst telefonisch zu kontakten, wenn es noch Klärungsbedarf gibt, stehen im Schlussbaustein der automatisch generierten Schreiben. Wir sind immer für Sie da – mit freundlichen Grüßen.

Beispiel gefällig? Nein, ich nenne das Telekommunikations-Unternehmen nicht beim Namen. Ich brauche es doch noch, wenn es auch den Eindruck macht, mich nicht länger brauchen zu wollen. Da habe ich doch vor Jahren darum gebeten, die Rechnungstellung meiner privaten Anschlüsse in Freiburg und Bad Oeynhausen unter einer Kundennummer zu führen und gemeinsam abzurechnen. Das funktionierte bisher reibungslos. Jetzt kündige ich den Anschluss für Bad Oeynhausen, muss den Anschluss in Freiburg retten und erfahre, dass ich doch durch die zwei Rufnummern in unterschiedlichen Orten Geschäftskunde sein müsse. Also: Kündigungszeit sechs Monate.

Gleichzeitig teilt mir der schreibende Automat mit, dass auch mein E-Mail-Account gelöscht würde. Es sei denn, ich bin Inklusivnutzer. Was bitte ist das? Fühlt man das, wenn man morgens aufsteht? Sieht man mir das an? Wer um alles in der Welt wird mir mitteilen können, ob ich ein Inklusivnutzer bin?

Natürlich schüren nicht nur Telekommunikations-Dienstleister die Verzweiflung. Die Welt ist voll von Konzernen, für die der Kunde immer im Mittelpunkt steht. Und wer wirklich dort steht, steht offensichtlich immer im Weg. Verwaltungsberufsgenossenschaft, Versicherungen, Handelskammern, Behörden und viele andere mehr; sie alle trifft das Schicksal, ihre Individualität bei der Kundenbetreuung verloren zu haben. Kommunikation 4.0 heißt: Der Kunde muss funktionieren.

Die Fülle dieser notwendigen Aktivitäten bei Betriebsverlegung und privatem Umzug spült das Desaster geradezu in Flutwellen hoch. Doch die Vorfreude auf die künftige Arbeit an zwei Standorten lässt sich auch dadurch nicht schmälern. Am 1. Juli 2015 legen wir den Schalter um. Egal, welche Textbausteine noch im Weg liegen, und egal, wie heiß es sein wird.

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