Ice Bucket Challenge oder Nassmacher sind keine Helden

©boule 1301 - Fotolia.com

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Schade eigentlich, dass ich erst jetzt begriffen habe, dass die Ice Bucket Challenge mehr als Selbstdarstellung und Narzissmus ist. Klar weiß ich, dass der Netzhype, der in den USA begann und jetzt Deutschland voll im Griff hat, auf die bisher kaum beachtete, aber nicht weniger heimtückische Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose, kurz ALS, aufmerksam machen soll. Allerdings widmen die meisten Videos diesem Zweck nicht eine Silbe. Aufmerksamkeit für die eigene Person und Fun stehen im Vordergrund.

Dass es auch anders geht, zeigt Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart, der ebenfalls die Ice Bucket Challenge angenommen hat. Bevor er sich eiskalt nass macht, erklärt er kurz, worum es eigentlich geht http://bit.ly/1pkhUeI.

Perfekt, gut erklärt und trotzdem witzig. Warum gelingt das so selten? Während manche Promis noch in der Lage sind, auf das Ziel der Kampagne hinzuweisen, scheint ein Großteil der normalen Menschen nur dem Hype hinterherzulaufen, beseelt davon, ihre mehr oder weniger lustigen, bisweilen auch peinlichen Eiskübelduschen-Videos ins Netz zu stellen.

Eine witzige Kampagne mit einem ernsten Hintergrund. Der Gegensatz könnte kaum größer sein, was sicherlich auch ein Grund ist, dass diese seltene Krankheit zurzeit so stark im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht. Nur Gaudi täuscht allerdings über die Ernsthaftigkeit der Krankheit hinweg. Wenn über den vermutlich schnell verpuffenden Netzhype hinaus nachhaltig Wirkung erzeugt werden soll, lohnt es sich, den guten Zweck in den Vordergrund zu stellen. Guter Content ist schließlich niemals Eigenwerbung, sondern erzählt eine Geschichte, die berührt. Wem das gelingt, hat nicht nur den Spaß auf seiner Seite, sondern wird auch als Botschafter für die gute Sache wahrgenommen. Und das ist wichtig, wenn Spenden auch nach den verrückten Videoaktionen für die ALS-Forschung fließen sollen.

Also: Mitmachen, spenden und die lustige Kampagne intelligent und ernsthaft nutzen. Damit nach dem Internet-Trend die Spendenquellen nicht alle auf einmal versiegen.

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2 Antworten auf Ice Bucket Challenge oder Nassmacher sind keine Helden

  1. Thomas Schmitz sagt:

    Sehr geehrte Frau Hackenbruch,

    ich empfinde Ihren Artikel, oder besser Ihren Kommentar, als Schlag ins Gesicht der Ehrenämtler und Fördermittglieder dieser Repubik! Woher nehmen Sie die das Wissen um beabsichtigtes Heldentum, Selbstdarstellung oder gar Narzismus. Wenn Ihre Rechersche gut war, wissen Sie, dass mindestens einer der ersten „sichmiteiswasserübergossenen“ ein an ALS-Erkrankten war. Wieviel Narzist wohl in Ihm gesteckt hat?! Gerade weil ich ein paar dieser Betroffenen habe sterben sehen und beruflich den Stand der Forschung ganz gut kenne, habe auch ich mich mit Eiswasser übergossen, Aufsehen erregt und mich öffentlich zum „Kaspar“ gemacht. Und? Es hat geholfen! Ich habe einige Gespräche über ALS geführt, weil ich ja vom „Fach“ bin. Zumindest vieles „richtig“ gemacht sollte man meinen!? Aber, verdammt irgendwas wird sicher nicht der „politischen Korrektheit“ entsprochen haben. Ich schlage vor, ich mache einfach weiter mit meinen Ehrenämtern und meinem Engament und Sie dürfen weiter mit dem Finger auf mich zeigen!

    • Cornelia Hackenbruch sagt:

      Lieber Herr Schmitz, da haben Sie mich aber komplett missverstanden. Bereits im zweiten Absatz schreibe ich, dass man die Kampagne intelligent nutzen kann, wie das Beispiel von Gabor Steigart zeigt. Mit meinem Beitrag will ich nur darauf hinweisen, dass wenn ich mitmache, ich mir bitteschön auch die Mühe machen sollte, den Sinn und Zweck der Aktion zu erklären. Im letzten Absatz weise ich darauf hin mitzumachen, aber ernsthaft und intelligent. Nur so ergibt sich vielleicht eine Chance, dass aus dem jetzt schon abebbenden Hype etwas bleibt: nämlich das Bewußtsein für eine ernsthafte Krankheit und die Bereitschaft, für die ALS-Forschung zu spenden. Selbstdarstellung – und leider geht es in vielen Videos nur darum – hilft bekanntlich wenig.

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