Ist mein Job bald überflüssig?

BillionPhotos.com - Fotolia

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Diese Frage stellte ich mir, als ich auf faz.net den Artikel „Ersetzen Computer Menschen?“ las. Niemand ist schließlich unersetzlich, und die gravierenden Umwälzungen in unserer Arbeitswelt haben und werden weitere Folgen für unsere Arbeitsplätze haben.

Die Ökonomen sind sich nicht ganz einig, ob es nun nur die geringqualifizierten Beschäftigungsgruppen oder auch Qualifizierte treffen wird. Die Grafik im Artikel „Niemand ist unersetzlich“ ebenfalls auf faz.net zeigt jedoch, dass zum Beispiel der Beruf des technischen Redakteurs in den kommenden 20 Jahren zu 89 % bedroht ist, wohingegen der Geistliche, der Zahnarzt, die Krankenschwester, der Kurator, der Förster, der Sporttrainer überhaupt nicht in ihrer Existenz bedroht sind. Hätte ich vielleicht doch Tiermedizin studieren sollen? Auch dieser Job macht sich gut in der Liste mittelfristig kaum bedrohter Berufe.

Die Kommunikationsbranche wird nicht expliziert erwähnt, aber der technische Redakteur ist ein gutes Beispiel. Es liefert Ansätze, die mich durchaus darin bestätigen, über das Sein oder Nichtsein des Redakteurs nachzudenken. Im Geschwurbel um Content ist ja jedes Mittel recht. Inhalt sollte jeder Text haben, aber mit dem englischen Begriff „content“ erfährt das schlichte Wort „Inhalt“ gleichsam eine Erhöhung. „Unique Content“ – Suchmaschinenoptimierte Texte kaufen“ bietet www.clickworker.com an. Auch www.textscout.de offeriert schnell und günstig Texte, natürlich SEO-optimiert. „Das barrierefreie Badezimmer“ in der Kategorie „Bauen & Renovieren“ kostet 12 Euro; dafür bekommt man sage und schreibe 466 Worte geliefert. Unglaublich! Die Seite www.content-kaufen.com berechnet pro Wort 0,06 Euro, was bei einem Text von 500 Worten 30 Euro macht. Na ja, das ist ja schon ein bisschen mehr.

An dieser Stelle überlasse ich es dem geneigten Leser, die Angebote weiter zu durchforsten. Bei 1.800.000 Ergebnissen unter dem Stichwort „Texte kaufen“ wird möglicherweise auch etwas dabei sein, was Niveau verspricht. Wer allerdings einen Text für 12 Euro anbietet, dem kann es weder um Inhalt noch um Qualität gehen. Jeder Redakteur, Autor oder auch Hobbyschreiber weiß, wie mühevoll es ist, einen Text zu kreieren. Recherche, Briefing, Ideensammlung, Abstimmung mit dem Auftraggeber, Korrektur, Ergänzung, Bildbeschaffung und so weiter, und so weiter – all das gehört dazu, um qualifizierte, auf Zielgruppen abgestimmte Inhalte liefern zu können.

Als Schreiberling sind Existenzängste also durchaus berechtigt. Bald sind es vielleicht nicht mehr all die bunten Webseiten, die tollen Content versprechen. Möglichweise liefern schon bald die App-Entwickler eine Textanwendung, die einfach nur ein paar Keywords benötigt, um dann in Windeseile einen wundervollen, spannenden und mit Fakten gespickten Text auszuwerfen. Hätte ich Ahnung vom Programmieren, dann würde ich sofort loslegen. Ich würde die Basis-App für kleines Geld verscheuern und mit kostenpflichtigen Zusatzmodulen wie Übersetzungen, SEO und Social Media Zusatzumsatz generieren. In einer Gesellschaft, in der sich die Mentalität von „Geiz ist geil“ bei gleichzeitiger Forderung nach Nachhaltigkeit immer mehr durchsetzt, hätte ich gute Chancen, mit meiner App bei sparwütigen Unternehmen zu landen. Gott sei Dank ist das nur eine Vision, die allerdings auch etwas Charmantes in sich birgt. Ich läge bei aktuell 34 °C, Tendenz steigend, im Freibad und bräuchte mir keine Gedanken darüber zu machen, ob der Computer mich zukünftig ersetzt.

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