Jetzt geht es rund:
2017 ist Schnappatmung angesagt.

Das Jahr 2017 hat es in sich. Für lange Weile bleibt keine Zeit. Die politische Agenda sorgt reihenweise für ungesunde Schnappatmung. Den Start machte die Amtseinführung des 45. Präsidenten der USA am 20. Januar 2017. Unfassbar, wie Donald John Trump die Welt aus den Angeln hebt. Welche Folgen seine in Windeseile erlassenen Dekrete haben werden, vermag niemand zu sagen. Ebenso wenig scheint einschätzbar zu sein, was uns noch alles blüht.

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Und schon steht der nächste Präsident zur Wahl. Am 12. Februar 2017 wählt die Bundesversammlung den neuen deutschen Bundespräsidenten. Niemand zweifelt daran, dass sein Name Dr. Frank-Walter Steinmeier lauten wird. Der bisherige Außenminister promovierte 1991 (Quelle Wikipedia) mit seiner Doktorarbeit zum Thema „Tradition und Perspektiven staatlicher Intervention zur Verhinderung und Beseitigung von Obdachlosigkeit“. Na dann: Der gebürtige Ostwestfale möchte sich in seinem neuen Amt als „Mutmacher“ verstehen. Das regt niemanden auf, wäre aber fraglos wünschenswert.

Mut brauchen wir, um zu verstehen, welche Folgen die Parlamentswahl am 15. März 2017 in den Niederlanden haben wird. Wie SPIEGEL online am 5. Februar schreibt, führe der Islamverächter und EU-Gegner Geert Wilders deutlich in beinahe allen Umfragen. Es sieht so aus, schreibt der SPIEGEL, als werde seine Partij voor de Vrijheid (PVV) in rund sechs Wochen die stärkste Partei bei den Parlamentswahlen. Mit seinen prognostizierten 26 % braucht Wilders allerdings einen Koalitionspartner, um regieren zu können. Doch keine der fünf anderen Parteien will eine Zusammenarbeit mit dem Rechtspopulisten und für Gemeinsamkeiten untereinander fehlt es allenthalben.

Schon am 26. März 2017 steht ein weiterer Wahltermin im Kalender. Als Aufgalopp für die Bundestagswahl 2017 startet die Landtagswahl im Saarland. In dem zweitkleinsten Bundesland mit einer Million Einwohnern regiert die große Koalition unter Führung der CDU-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer. Ihre persönlichen Zustimmungswerte liegen derzeit bei rund 75 Prozent, während die CDU bei 38 Prozent steht (FAZ.net). In die Umfragewerte ist allerdings die Berufung von Martin Schulz als SPD-Kanzlerkandidat noch nicht eingespeist. Was immer dabei herauskommt, wird zum Bundestrend hochstilisiert werden.

Was macht die Grande Nation?

Für den nächsten weitreichenderen Schock empfiehlt sich die Präsidentschaftswahl 2017 am 23. April und 7. Mail (Stichwahl) in Frankreich. Nach den derzeitigen Umfrageergebnissen könnte Marine Le Pen (Front National) die Stichwahl erreichen. Ihre populistischen Ziele, Frankreich aus der EU austreten zu lassen (FREXIT) und zur nationalen Währung zurück zu kehren, scheint mehr als ein Viertel der französischen Wähler zu überzeugen. Bleibt die Frage, wer Le Pen stoppen kann. Gute Chancen werden Emmanuel Macron zugetraut. Dieser Polit-Neuling (so die Süddeutsche) begreift sich als „Kandidat gegen das System“ und meint damit die Lager-Demokratie von rechts und links. Der parteilose Aspirant fasziniert, ja verzaubert junge und gebildete Wähler, ist als französischer Europäer die wahre Alternative zu Marine Le Pen (Süddeutsche). Auch wenn Frankreich noch nicht verloren ist, das endgültige Wahlergebnis wird die EU verändern.

„Alles neu macht der Mai, macht die Seele frisch und frei“

So heißt es im Volkslied. Ob das auf weitere Wahltermine anzuwenden ist, bleibt abzuwarten. Am 7. Mai (dem Tag der Stichwahl in Frankreich) werden die Wahlberechtigten des 2,8 Millionen Einwohner zählenden Bundeslandes Schleswig-Holstein zur Wahlurne gerufen. Bei der letzten Wahl 2012 lag die CDU knapp vor der SPD. Regiert wird das Land seither jedoch von der Koalition zwischen SPD, Grünen und SSW. Die jüngsten Meinungsumfragen (vor Martin Schulz) sehen die CDU 8 Punkte vor der SPD, so dass der Regierungschef Torsten Albig (SPD) um seinen Posten fürchten muss. Daniel Günther, der von den in den vergangenen sechs Jahren erprobten fünf CDU-Vorsitzenden im Norden als der talentierteste erscheint, scheint geeignet, auch mal auf andere Wählerschichten zuzugehen – „kommunikativ, selbstkritisch und rhetorisch sattelfest“, urteilt DIE WELT. Auch hier ein spannender Wahlsonntag.

Die letzte Landtagswahl vor der Bundestagswahl findet am 14. Mai in Nordrhein-Westfalen statt. Die aktuellen Umfragewerte (ohne Schulz-Effekt) besagen, dass die SPD sich nicht mehr sicher sein kann, ihren Platz als erste Partei in NRW halten zu können. Die fünfjährige Wahlperiode wurde seit 2012 von Hannelore Kraft (SPD) als Ministerpräsidentin und ihrer Koalitionspartnerin Sylvia Löhrmann (Grüne) angeführt. Die letzten Umfragewerte von YouGov vom 27. Januar 2017 sehen SPD und CDU gleichauf bei 31 %, Grüne bei 11 %, FDP bei 7 % und AfD bei 12 %.

Optimismus als Angstwellen-Brecher

Viel wird von den vorgenannten Wahlen im Saarland, in Schleswig-Holstein, in den Niederlanden und in Frankreich abhängen, wie Stimmungen umschlagen können. Als besonderer Test für die Bundestagswahl am 24. September 2017 dürfte der Ausgang der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen eingestuft werden. Und da gibt es noch etwas: Dauerthemen wie BREXIT, Griechenland, Italien vor Neuwahlen, Kämpfe in der Ukraine, internationale Finanzkrise, Flüchtlingskrise und der weltweite Terror des so genannten Islamischen Staates erschüttern die Welt und belasten Deutschland. „Wirtschaft ist zu 50 Prozent Psychologie“, sagte einst der deutsche Bundeskanzler Ludwig Erhard. Das derzeitige Gefühl einer diffusen Bedrohung in Form eines existenziellen Ausgeliefertseins an einen unbeherrschbaren Prozess macht die Umsetzung der These von Ludwig Erhard zunehmend schwieriger, manche sogar mutlos.

Ein herausragender „Mutmacher“ (Frank-Walter Steinmeier) täte der Nation gut. Wir werden nicht umhin können, diese Vielzahl der die Stimmung beeinflussenden politischen Themen und Wahlen in ihren Auswirkungen und Stimmungsbildern in unsere Strategien für das eigene Wachstum einzupreisen. Wer immer sagt, dass 2017 ein schwieriges Jahr wird, muss all das auf dem Schirm gehabt haben.

Apropos Schirm: Am 10. Februar begeht die Welt den Tag des Regenschirmes. Möge dieses unverzichtbare Utensil uns künftig vor dem Herabprasseln der Motivationsblocker schützen.

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