(K)eine Bombenstimmung in Freiburg

Wir können aufatmen. Unser Quartier muss am kommenden Sonntag nicht evakuiert werden, weil die Bombensucher nicht fündig geworden sind. Eine Randnotiz im Lokalteil der Badischen Zeitung von heute (07.10.2016) sowie ein knapper Artikel in der gestrigen Online-Ausgabe machen dem seit 14 Tagen andauernden Spuk um eine mögliche Evakuierung von großen Teilen der Altstadt ein Ende. Ich hätte mir allerdings eine bessere Kommunikation gewünscht.

Das sind die Fakten: Badenova erneuert einen Kanal, was eine routinemäßige Überprüfung der alten Luftbilder durch die Kampfmittelbeseitigung zur Folge hat. Dazu muss man wissen, dass Freiburg im Zweiten Weltkrieg mehrmals Ziel von Fliegerangriffen war. Am 27. November 1944 fielen 150.000 Bomben auf die Stadt. Bei einer solchen Menge Kriegsmaterial ist mit Blindgängern zu rechnen, die auch bei Bauarbeiten in der Vergangenheit schon häufig unschädlich gemacht werden mussten.

Foto: MSWW

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Das Amt für öffentliche Ordnung reagiert prompt und informiert die Anwohnerinnen und Anwohner bereits Ende September mittels Flugblatt über die bevorstehende Evakuierung. Detailliert werden die Straßenzüge aufgelistet, die von einer Evakuierung betroffen wären. Sollte sich der „Bomben-Blindgängerverdachtspunkt“ bestätigen, verspricht das Amt mit weiteren Details zwei Tage vor der Evakuierung zu informieren. Da wird einem schon ein wenig mulmig und man fragt sich, was man im Fall der Fälle so mitnehmen soll.

Im Lokalteil der Badischen Zeitung befeuern zwei große, unmittelbar hintereinander erscheinende Berichte inklusive der Stadtpläne vom betroffenen Areal den Blindgänger-Verdacht. Das Parkhaus unternimmt den Versuch zu informieren, erkennt aber wohl schon beim Schreiben des Briefes, dass es zu diesem frühen Zeitpunkt nichts zu informieren gibt. Man solle sich gegebenenfalls, so das Schreiben, am 7.10. durch Aushänge in der Garage oder durch die Presse informieren. Laut Amt für öffentliche Ordnung sollte der Verdachtspunkt am 7. Oktober freigegraben und untersucht werden, die Freiburger Zeitung nennt in ihrem Bericht von 20. September den 5. Oktober als Tag der Entscheidung.

Was soll das? Da werden 2.800 Menschen im Umkreis von 500 Metern in Angst und Schrecken versetzt. Auch, wer wie ich den Bombenentschärfungsspezialisten voll vertraut, hat zumindest mit der Evakuierung so seine Probleme. Aber wie müssen sich die alten Menschen in den betroffenen Altenheimen gefühlt haben, die die Schrecken des Krieges noch hautnah miterlebt haben?

Kommunikation ist gut, aber mir stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, so frühzeitig einen Verdacht mit allen seinen Konsequenzen so umfassend zu kommunizieren, wenn mit gesicherten Erkenntnissen sowieso erst zwei Tage vor der geplanten Evakuierung zu rechnen ist. Hätte Anfang Oktober eine kurze Meldung in der Lokalzeitung nicht gereicht, um die Menschen im betroffenen Stadtgebiet erst einmal sachlich von den bis dahin spärlich vorliegenden Fakten in Kenntnis zu setzen? Das Gleiche gilt für das Anwohner-Flugblatt vom Amt für Öffentliche Ordnung, das im Grunde genommen erst heute hätte verteilt werden müssen. Denn für eine mögliche vierstündige Evakuierung bedarf es keiner Hamstereinkäufe. Und hübsche Ausflugsziele rund um Freiburg gibt’s en masse, so dass sich kurzfristig immer improvisieren lässt.

So hätte ich mir heute eine ausführliche Berichterstattung in der Freiburger Zeitung anstelle der leicht zu überlesenden Randnotiz gewünscht – auch Online und auf Facebook. Denn es ist doch wirklich erfreulich, dass sich der Bombenverdacht nicht bestätigt hat. Da hätten sich auch Bilder oder Pläne des betroffenen Areals gut gemacht. Schließlich bedeutet die gute Nachricht ja auch, dass enorme Kosten gespart werden. Aber selbst in Zeiten hochmoderner Kommunikationsmethoden einer durchdigitalisierten Medienwelt scheint eines für die Ewigkeit in Stein gemeißelt zu sein: Schlechte Nachrichten verkaufen sich immer noch besser als gute Nachrichten. Schade eigentlich, denn ich finde, dass es sich immer lohnt, die zugegebenermaßen kurzen Momente der Freude etwas länger auszukosten.

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