Kommunikation X.0: Ein Ratespiel zwischen Technik, offenen Herzen und klugen Köpfen

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Über die Herausforderungen der Kommunikation in der Zukunft nachzudenken, dazu wurde ich in der jüngsten Vergangenheit öfter angeregt. Da begegnet einem immer häufiger der Begriff Industrie 4.0. Da liest man in der Tageszeitung, wie sich Menschen für das Wohlergehen von Flüchtlingen einsetzen. Da setzt sich Henning Mankell in seinem letzten Buch „Treibsand“ posthum unter anderem mit der Vermüllung unseres Planeten auseinander. Drei aktuelle globale Herausforderungen, die allesamt etwas mit Kommunikation zu tun haben.

Industrie 4.0

Ekkehart Padberg von der gleichnamigen Unternehmensberatung erklärt, was Industrie 4.0 ist: „Der Begriff steht für die intelligente Vernetzung der globalen Wertschöpfungsketten aufgrund fortschreitender Digitalisierung von Produktionsprozessen unter Einsatz dezentraler Intelligenz. Doch Industrie 4.0 wird ohne Kommunikation 4.0 nicht möglich sein. (…) Ziel von Industrie 4.0 ist die wachsende Zusammenarbeit von Mensch und Maschine, um flexible Großserienfertigung, schnellere Produktwechsel sowie Unternehmen und Kunden bestmöglich in die immer komplexeren Wertschöpfungsnetzwerke zu integrieren.“ So geht es bei Kommunikation 4.0 wohl darum, wie neue Kommunikationswerkzeuge, insbesondere technischer Art, in der Zukunft den Arbeitsalltag effizienter gestalten können. Wenn ich es richtig verstanden habe: Angestrebt wird eine enge Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine, um Kosten und Zeit zu sparen.

Flüchtlingskrise

Ganz anders und fernab jeden Effizienzdenkens gehen Macher das augenblicklich akuteste Problem unserer Gesellschaft an: die Flüchtlingskrise. Auch wenn das Thema medial mehr als überstrapaziert ist, so lässt es sich doch nicht wegreden, und es gibt wohlgemerkt belastbare Menschen, die sich im Kleinen ganz konkret diesem Problem annehmen. Ich lese von Pflegeeltern, die fremde, „unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“ bei sich aufnehmen, ihnen Zuwendung geben, die sich öffnen für andere Kulturen, Religionen, Sitten und Gebräuche, sich mit traumatisierenden Fluchterfahrungen auseinandersetzen und den jungen Menschen ermöglichen, Kontakt zu Angehörigen in ihrer Heimat zu halten. Oder: Ein Verler Sportverein veranstaltet einen internationalen Sporttag, an dem auch zahlreiche Flüchtlinge teilnehmen. Das Fazit: „Sport verbindet. Auch ganz ohne Sprache.“ (Verler Zeitung/Westfalenblatt vom 23. Februar 2015)

Atomarer Abfall

Über die Möglichkeiten der Zeichen- und Symbolsprache, von Text und Ton denkt Henning Mankell nach, wenn er sagt, dass wir verpflichtet sind, zu überlegen, wie zukünftig lebende Menschen vor dem atomaren Abfall gewarnt werden sollen. Mankell spricht, wenn überhaupt, von einer schwer zu lösenden Aufgabe, für die es nur das Vergessen als nicht zu akzeptierende Alternative gäbe. Denn was wissen wir schon über „den Wert von Symbolen in Tausenden von Jahren, in einer unbekannten Zukunft, (…) über die Sprache und die Kultur zukünftiger Menschen, (…) darüber, was sie für gefährlich halten?“ (Henning Mankell: Treibsand, Zsolnay Wien 2015, Seite 96-99)

Drei aktuelle globale Herausforderungen, die allesamt nicht nur etwas mit Kommunikation zu tun haben, sondern bei denen Kommunikation möglicherweise auch die Lösung sein kann. Alle drei verrücken sie ein wenig den Blick auf das, was Kommunikation bisher war und konnte und entlocken ihr damit neue Potenziale für das, was sie in Zukunft können muss.

Kommunikation 4.0, brauchen wir das? Und wenn ja, wofür?

Nun kommt der Begriff Kommunikation zunächst aus der Sozialwissenschaft und meint ursprünglich die zwischenmenschliche Verständigung. Bei Kommunikation 4.0 geht es aber um die intelligente Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine. Möglicherweise ist es der Plan, die Technik der menschlichen Intelligenz anzugleichen. Für mich bleibt die vermeintlich zukunftsweisende numerische Begriffserweiterung 4.0 mit allem, was dahinter steht, zunächst ein höchst fragwürdiges Unterfangen, das die Kommunikation nicht wirklich für die realen Probleme auf diesem Planeten rüstet.

Flüchtlingskrise: Mit offenem Herzen

Da lob ich mir die Macher, die den Begriff Kommunikation um ihre offenen Herzen erweitern, sich mutig dem Fremden zuwenden und die Flüchtlingskrise damit im Kleinen beseitigen helfen. Ob Kommunikation zur Bewältigung der Flüchtlingssituation beitragen kann, hat auch Natascha Soursos gefragt, die über ein Vorarlberger Flüchtlingshilfsmodell berichtet. Auch sie erfährt, dass ein offener und ehrlicher Kommunikationsstil – sowohl intern als auch gegenüber der Bevölkerung und den Medien, der Kontakt der Bevölkerung mit anerkannten Flüchtlingen und eine rasche, aktive, persönliche Kommunikation die Stimmung zumindest teilweise lenken kann. Die größte Herausforderung, sagt einer der Verantwortlichen dort, sei, „mit sachlicher Kommunikation gegen täglich neue Gerüchte, Fehlinformationen und eine immer skeptischer werdende Stimmungslage in der Bevölkerung durchzukommen.“

Atomarer Abfall: Kluge Köpfe wider das Vergessen

Zukünftig lebende Menschen vor unserem atomaren Abfall zu warnen, bleibt eine schwere Aufgabe, darf aber aufgrund der Schwere nicht ignoriert werden. Die Lösung, vermutet Mankell, „wird eine Mischung sein aus gehobenem Ratespiel und den fortschrittlichsten Ideen, die kluge Köpfe heute zu leisten in der Lage sind. Gepaart mit verschiedenen Erfahrungen, die wir uns angeeignet haben.“ (Henning Mankell: Treibsand, Zsolnay Wien 2015, Seite 96-99) Möglicherweise sind dafür Kommunikationsmittel zu finden, von denen wir heute nur träumen.

So führt das Nachdenken über die Kommunikation der Zukunft, um sich den globalen Herausforderungen zu stellen, zu einer Weisheit, die der Autor Udo Schroeter für den persönlichen Lebensweg jedes Einzelnen empfiehlt: „Vertrauen Sie auf ihr Herz und nutzen sie Ihren Verstand, um ihr Herz zu tragen!“

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