Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser

Kürzlich änderte mein Patenkind, gerade 15 Jahre alt, sein Profilbild auf Facebook. Aus einem abstrakten Zeichen wurde ein hübsches Foto. Als ich der Mutter mein Kompliment dafür aussprach, erwiderte sie, dass sie ihren Kindern eigentlich verboten hätte, sich bei Facebook mit ihren Gesichtern zu präsentieren. Natürlich kann man sich in diesem Zusammenhang fragen, warum Facebook Facebook heißt, aber mich stimmt eigentlich etwas anderes nachdenklich: das jegliches Grundwissen entbehrende Verbot. Denn auch dieser Fall zeigt wieder, dass die Wirksamkeit von Verboten in sozialen Medien zu Recht angezweifelt werden darf, erzeugen sie doch – gerade bei Kindern und Jugendlichen – eine „Jetzt-erst-Recht“-Reaktion. Und noch etwas: Als ich die Mutter fragte, warum sie auf Facebook sei, wo sie doch auf dieser Plattform so rein gar nichts unternimmt, war die Antwort, sie müsse ja kontrollieren, was ihre Kinder dort treiben.

Zu diesem Thema passt der kürzlich von Attila Albert unter bild.de erschienene „Facebook-Familien-Knigge“. Albert schreibt: „55 Prozent der Eltern nutzen Facebook nur, um nachzusehen, was ihre Kinder machen – die Kinder wiederum fühlen sich ausspioniert.“ In seinem Beitrag erläutert Albert darum, was Eltern tun können, um ihre Kinder wirksam vor den nicht unerheblichen Gefahren im Facebook-Netz zu schützen. Sein Ergebnis: Kontrolle nützt nichts. Wie überall im Leben bieten nur das richtige Vertrauensverhältnis und das offene Gespräch wirklich Schutz.

Eltern müssen sich heute bewusst darüber sein, dass sich ihre Kinder als „digital natives“ viel intuitiver im Internet bewegen. Sie können sich mit falscher Identität anmelden oder ihre Eltern, obwohl sie „Freunde“ sind, systematisch aus dem Informationsfluss ausschließen. Leider gehört dazu auch eine gewisse Sorglosigkeit, der man aber eben nicht mit Verboten begegnen kann, sondern mit dem Auf- und Ausbau der eigenen Medienkompetenz. Einen Anfang dazu machen unsere zehn Punkte, die Facebooknutzern helfen, ihren Account zu überdenken.

1. Keine Kontaktaufnahmen von Freunden annehmen, die man nicht kennt.
2. Privatsphäre 1 (Benutzerdefinierte Einstellungen): „Dinge, die ich teile“ nur für Freunde sichtbar machen.
3. Privatsphäre 2 (Benutzerdefinierte Einstellungen) „Dinge, die andere Personen teilen“: „Fotos und Videos, in denen du markiert wurdest“ auf „Nur ich“ stellen.
4. Privatsphäre 3 (Benutzerdefinierte Einstellungen) „Dinge, die andere Personen teilen“: „Freunden Fotos von mir vorschlagen“ sperren. Das ist das, was in den Medien unter automatischer Gesichtserkennung kursiert.
5. Privatsphäre 4 (Benutzerdefinierte Einstellungen) „Dinge, die andere Personen teilen“: Um Mobbing zu vermeiden: Nicht zulassen, dass andere an meine Pinnwand posten.
6. Privatsphäre 5 (Benutzerdefinierte Einstellungen) „Dinge, die andere Personen teilen“: „Freunde können angeben, dass ich mich an einem Ort befinde“ sperren.
7. Privatsphäre 6 (Benutzerdefinierte Einstellungen): Kontaktinformationen auf „Nur ich“ stellen.
8. Privatsphäre 7 (Anwendungen und Webseiten): Häkchen bei „Öffentliche Suche“ entfernen. Somit erhalten über Suchmaschinen Suchende keine Vorschau des Profils.
9. Vorsicht beim Anklicken von unerwarteten Chat-Nachrichten, Event-Einladungen oder ungewöhnlichen Links!
10. Infos über Neuerungen im Netzwerk, über Viren und Würmer, die im Umlauf sind, aufmerksam in den Medien oder auf Facebook verfolgen.

Dass sich das Patenkind mit seinem Gesicht zeigt, zeugt aus meiner Sicht nur von Authentizität. Es bleibt ungefährlich, solange die Privatsphäre-Einstellungen stimmen und gesunder Menschenverstand zum Einsatz kommt. Wenn es sich beim Posten und Chatten treu bleibt und sein Bewusstsein geschärft ist für seine Privatsphäre und das Erinnerungsvermögen des Netzes, dann gehört seine Medienkompetenz schon jetzt zu einem wichtigen Pluspunkt für die spätere Jobsuche. Dann steht auch noch Jahre später keine Jugendsünde im Netz, die die Zulassung zum Traumjob verhindern könnte.

Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser und Wissen ist Macht.

Veröffentlicht unter Social Media | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 3 Kommentare

3 Antworten auf Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser

  1. Kati Hafemann sagt:

    Ein sehr interessanter Beitrag. Einiges hatten wir, meine Tochter und ich, schon besprochen und eingestellt. Manches fehlte noch, weil wir es nicht wussten. Ich denke auch, dass ein generelles Verbot nicht die Lösung des Problems ist, genauso wenig Kontrolle. Wir haben uns darüber unterhalten und es ist so, dass sie fragt, wenn sie sich nicht sicher ist. Ich bin der Meinung, dass es wichtig ist, die Persönlichkeit zu stärken und die Sensibilität für Dinge zu schärfen, die über die eigenen Grenzen gehen bzw. die einem selbst schaden können.
    Auf die „schwarzen Schafe“ im Internet fallen nicht nur Kinder und Jugendliche rein!

  2. kran balka sagt:

    5 star article brilliant. I am new to blogging and you used a langauge I can understand

  3. Finn sagt:

    Netter Blog, gefaellt mir sehr.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.