Leben 4.0: Mach doch mal ein Selfie von mir

Die Apple-Welt feiert das iPhone X. Wer Wartezeiten vermeiden will, sollte jetzt schon bestellen. Das neue Wunder-Phone soll im November in die Läden kommen. Ist das schon 4.0? So ganz neu scheinen die Features doch wohl nicht zu sein. Hier geht es um Hochwertigkeit und Status. 4.0 sieht anders aus.

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Das ganz große Thema schießt sich auf KI – also künstliche Intelligenz – ein. Sind wir wirklich schon so weit? Die Angst davor basiert auf dem befürchteten Vergleich zwischen künstlicher und menschlicher Intelligenz. Und die brilliert immer noch mit ihren Alltagsblüten.

„Bist Du bei den Jusos?“ fragt Martin Schulz während der ZDF-Sendung Klartext. Antwort: „Nein ich bin bei Instagram!“ Und im selben ZDF-Format fragt Angela Merkel wenige Tage später einen jungen Fragesteller: „ Sind Sie vielleicht selbst ein bisschen Hacker?“ Das Leben 4.0 scheint in der Politik angekommen zu sein. Die Vokabelnutzung deutet es zumindest an.

Auch Comedians zeichnen nette Bilder über den Fortschritt. Konnten wir früher darüber lachen, wenn das Mädel ihren Verehrer fragte, ob sie mal seine Brille aufsetzen darf und dann feststellte: „Oh, ist die krass, kannst Du damit überhaupt was sehen?“ Und heute? Die Bitte, mach doch mal ein Selfie von mir, zeigt, wohin es mit all dem Zukunftsgedöns gekommen ist.

Und nun das noch. Hana-chan, habt ihr diesen weiblichen Vornamen schon gehört? Man sollte ihn sich merken, da er doch in dem ordnungsliebenden Land Japan für künstliche Intelligenz steht. Kurz gesagt, so Angela Köhler in der Badischen Zeitung am 14. September 2017, gaben die Erfinder diesen Namen ihrem als Plüschtier verkleideten Roboterhund gegen Käsefüße.

Der Hintergrund: In Wohnungen und Restaurants heißt das Gebot: Schuhe aus! Da nun Gerüche nicht nur den Geschmacksnerv irritieren, sondern in Japan auch als Beleidigung gelten, soll es nun einen schnüffelnden Computer geben, der für Abhilfe sorgt. Er bellt, wenn alles okay ist, und fällt in Ohnmacht, wenn die Skala von 1 bis 100 in die Nähe der oberen Mahnstufen vordringt. Dann rappelt sich Hana-chan aus der Ohnmacht auf und sprüht angenehme Düfte über die Socken. Das ist das wirkliche Leben 4.0.

Ganz im Ernst: Muss es wirklich alles geben, was machbar scheint? Wir werden es nicht aufhalten können. Auch uns Autoren steht noch Vieles bevor, was wohl in seinen Auswirkungen noch die Grenzen unserer Vorstellungskraft sprengen wird. Automatisierte Zeitungsberichte spucken Computer bereits aus. Politische Parolen, die noch von Kandidaten/innen vorgetragen werden, könnten auch dazugehören. Bei pointierteren Beiträgen dürfte es noch eine ganze Zeit heißen: Wer schreibt, der bleibt. Und solche Kommentare sind auch hier immer herzlich willkommen.

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