Lesen, verstehen und schreiben: Sogar für Journalisten eine lästige Plage

Im Zeitalter des Webs 2.0 scheint Lesen zum Problem zu werden. Für Kinder und Jugendliche sowieso. Aber, dass es jetzt schon gestandene Journalisten nicht mehr schaffen, einen Text bis ans Ende zu lesen, um daraus ein halbwegs verständliches Eigenprodukt zu kreieren, das wundert mich dann doch. Offensichtlich wird es immer schwieriger, mehr als drei Zeilen eines Textes aufzunehmen und sinnvoll zu verarbeiten. Wenn sich diese Tendenz durchsetzt, dann muss man künftig doch ein großes Fragezeichen an all die vielen Informationen setzen, die die Medien tagtäglich verbreiten. Wir jedenfalls wurden Opfer unserer eigenen PR-Arbeit und das, obwohl der Text für Grundschüler zu verstehen ist, eine Kurzfassung folglich kein Problem sein sollte.

Weit gefehlt. Aus vier Seiten Text oder 8.100 Zeichen über unsere 40-jährige Agenturtätigkeit resultierten zwei Kurzmeldungen, die einem die Haare zu Berge stehen lassen. Eine kurze Online-Meldung verdrehte die Fakten komplett und verstümmelt sie bis zur Unkenntlichkeit. Aber damit nicht genug. Heute las ich, dass unsere Agentur im Jahr 1072 gegründet wurde, wobei die Angabe, ob vor oder nach Christus leider fehlte. Donnerwetter! Mag ja sein, dass in der Blüte des Rittertums und des Minnesangs sowie in der Epoche der Kreuzzüge erste Tendenzen von PR-Aktivitäten auszumachen sind. Journalisten bezeichnen unsere Zunft ja auch schon mal gerne als PR-Rittertum. Aber verehrte Damen und Herren Journalisten, auch wenn wir schon so alt aussehen, wir sind es noch nicht. Na gut, vielleicht ist aus der „9“ ja nur versehentlich eine „0“ geworden. Kann ja passieren. Richtig, kann, aber nicht, wenn es damit weitergeht, unseren Firmennamen komplett zu versaubeuteln. Die Namen der Damen, die den Agenturgründer auf dem Foto umgeben, wurden ebenfalls verschandelt. Und der Begriff “Damen“ klingt auch etwas mittelalterlich. Meine Kollegin und ich arbeiten in dieser Agentur und haben feste Aufgabengebiete. Dass wir darüber hinaus auch Damen sind, bietet dem geneigten Leser keinen wirklichen Informations-Mehrwert. Vielleicht wäre die Bildzeile „Die gut konservierten Gründungsmitglieder von 1072“ passender gewesen?

Mein Fazit nach der Lektüre frei nach Loriot: Wir heißen alle Heckenbruch-Schmand-Haunemann und gründeten vor 940 Jahren zusammen mit den Damen eine PR-Boutique in Wuppertal. Der Papst ist diesmal nicht dabei, dafür aber der Segen der Branchenpostille, der uns hoffentlich noch bei weiteren PR-Kreuzzügen unterstützt.

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