Nach 40 Jahren am 40. Tag

Abergläubisches Unken hilft nicht. Schließlich leben wir nicht in China. Dort zumindest gilt die 4 als Unglückszahl. Vier Jahrzehnte unserer Selbständigkeit liegen hinter uns. Am 40. Tag dieses Jahres schrammte uns das Schicksal mächtig. Ein Wasserrohrbruch am 9. Februar 2012 zerstörte neben den über uns liegenden Wohngeschossen gut die Hälfte unserer Wirkungsstätte. Zwei Büros total vernichtet, der Eingangsbereich beschädigt, der Konferenzraum voll mit geretteten Archiven. Und im Rest unserer Bleibe rücken wir auf engstem Raum zusammen, um wenigstens noch das Wichtigste abzuarbeiten.

Es gibt tatsächlich Schlimmeres. Doch der aufgezwungene Umstand taugt nicht als Dauerlösung. Horden von Handwerkern, Gutachtern, Sachverständigen, Versicherungsmenschen, Architekten und Service-Leuten für das IT-Netzwerk und die Telefonanlagen schwirren durch die Räume, erfreuen sich an den eigenen Kommentaren und verfallen in Aktionismus, der hoffentlich zu etwas führt.

Unbeantwortet bleibt die wichtigste Frage: Wie lange noch? Trocknungsturbinen laufen 24 Stunden am Tag, Ozon-Geräte sollen den moderigen Gestand eliminieren, eilfertig hervorgezauberte Feuchtigkeitsmessgeräte generieren unbefriedigende Ergebnisse. Das unter Denkmalschutz stehende Haus beweist seine Alterskraft durch Zwischendecken aus Holz, Lehm und Strohmatten. Sie sind Schwämme, die sich vollgesogen haben. Holzsprossenfenster zeigen Zerfallserscheinungen, an den Türen bröckelt der Lack der Jahrzehnte ab.

Natürlich: Wir sind ja versichert. Elektronik-, Inhalt (so heißt der Hausrat in einem Büro) und Betriebsunterbrechung stehen in den Policen der Gesellschaft, die sich werblich gern mit Klartext profiliert. Jetzt beginnt der Kampf ums Kleingedruckte. Der Vermieter bietet Mietpreisminderung, die Bank Kredite, wenn’s klemmen sollte.

Verglichen mit Naturkatastrophen, bei denen in der Regel minder bemittelte Menschen millionenfach Hab und Gut verlieren, geht es uns gut. Wir verlernen das Klagen, freuen uns über kleine Fortschritte und treten hoffnungsfroh jeden Morgen wieder an. Die erste Woche nach dem Gau ist abgehakt. Weitere Wochen der Trocknung und Renovierung werden folgen. Was bleibt, ist Hoffnung. Wir geben nicht auf!

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