OH DU FRÖHLICHE(R) BLACK FRIDAY

Also gut, Weihnachten findet statt. Das ist natürlich keine brandaktuelle Nachricht. Wir wissen es ja seit 12 Monaten, dass die Vorweihnachtszeit den Nervenkitzel pusht. Und das, weil alle Welt neuen Trends hinterherläuft oder sich mit innovativen, verkaufsfördernden Ideen modernisieren möchte. Worum es dabei geht, gerät schon mal in Vergessenheit.

Die ursprüngliche weihnachtliche Festzeit beginnt am Heiligabend. Und weil Martin Luther es so propagierte, folgt das große und auf die gegenseitigen Geschenke fokussierte Familienfest. Dem Reformator ging es darum, die Geschenksitten zum Nikolaustag abzuschaffen und statt der Heiligenverehrung das Interesse der Kinder auf Christus zu lenken. Die Zukunft von Weihnachtsmärkten (erstmals wohl 1310 als Nikolausmarkt in München), Weihnachtsbaum (16. Jahrhundert), Adventskranz (seit 1839) und Weihnachtsmann (ab 19. Jahrhundert) nahm seither ihren Lauf. Das Geschäftsmodell für den Einzelhandel entwickelte sich zum wochenlangen, immer früher beginnenden  X-Mas-Sale.

Foto: MSWW

Foto: MSWW

In den USA datiert man den offiziellen Start der Weihnachts-Einkaufssaison auf den Freitag, der auf Thanksgiving, dem jeweils vierten Donnerstag im November, folgt. Der Brückentag lebt seither mit dem vor gut 50 Jahren gefundenen Markennamen „Black Friday“. Wovon der Name abgeleitet wurde, bleibt offen. Es gibt Anlehnungen an den Black Thursday, dem großen Börsencrash im Jahr 1929, oder an das Erlebnis, dass die Straßen schwarz von Menschenmassen sind. Sympathisch ist auch die Vermutung, dass dieser umsatzstarke Freitag für den stationären Handel seit jeher den Umschwung von roten zu schwarzen Ergebniszahlen mit sich bringt.

Dem i-Phone Konzern Apple ist zu verdanken, dass der Black Friday auch in Deutschland zum Verkaufsmotor geworden ist. 2006 führte Apple die erste Black Friday Verkaufsaktion durch. Da Erfolg stets Nachahmer findet, konzentriert sich der Handel mit mehr oder weniger kreativen Sonderrabatten ebenfalls auch den Black Friday, der in diesem Jahr am 25. November stattfindet.

Damit aber nicht genug. Da der Black Friday schon ein bisschen angestaubt erscheint, schuf sich der große amerikanische Online-Handel schnell den Cyber Monday, der seit 2010 auch in Deutschland auf sich aufmerksam macht. Und nun vermischt sich beides miteinander. Da der Freitag in unseren Breitengraden kein freier Tag ist, läuft der Wettstreit zwischen stationärem Handel und Online-Vermarktern für beide Events auf eine Rabattschlacht hinaus.

Wie das Portal „Vexcash“ ermittelt hat, nehmen an den Aktionstagen 258 Online-Shops teil, die durchschnittlich vier Millionen Deutsche zum Kauf locken. Und die Branche frohlockt, dass die Verbraucher das Wochenende vom Black Friday bis zum Cyber Monday zum umsatzstärksten Zeitraum im E-Commerce gemacht hat. So landen an den Aktionstagen Waren im Wert von durchschnittlich 397 Euro im Warenkorb, während es in der Vorweihnachtszeit nur 96 Euro pro Bestellung sind, berichtete die Möbel Kultur in ihren Online-News.

Die vorweihnachtliche Einkaufssaison ist mithin eröffnet. Ein ganzer Monat trennt uns nur noch von dem Tag, an dem es Geschenke gibt oder Geschenke verteilt werden. Wer den finanziellen Aufwand reduzieren möchte, muss allerdings schon jetzt zu den Schnäppchenpreisen der Friday-Monday-Aktion einkaufen. Jedoch sollte man schon präzise wissen, was man wem am Weihnachtstag schenken möchte. Mich macht einfach nicht an, wenn die Aktionstage den Druck auf den Kessel erhöhen. Ich vertraue darauf, dass der früher Ende Januar/Anfang Februar veranstaltete Winterschlussverkauf vorgezogen wird, um vom Weihnachtsgeschäft zu profitieren. Ich fürchte, mein Black Friday findet am 23. Dezember statt.

Veröffentlicht unter Marketing | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.