Plötzlich Marke: Wie geht das?

Manchmal liegt die Lösung so nah. Auf der Suche nach einer Idee für einen Blogartikel solle man, so Robert Weller in dem Buch „Blog Boosting“(1), einfach mal in die Fachbücher im Regal schauen. Dort fänden sich häufig Anregungen zum Thema. Bei mir genügte der Blick aufs Regal. Gleich im oberen Fach reihen sich dort in bunter Vielfalt 13 Bücher zur „denk.werkstatt“ bei Resopal. Das 14. befindet sich gerade im Druck; die 15. Auflage der Veranstaltung steigt in einer Woche.

„Zu Beginn des Jahrtausends eine Idee – nach einer Dekade eine Institution“, schrieb der Mitinitiator und Moderator Professor Rudolf Schricker zum zehnjährigen Jubiläum. Und heute? Mit 15 Jahren demonstriert die „denk.werkstatt“ Beständigkeit, und sie hat Werte hervorgebracht, die die Schöpfer selbst darüber in Staunen versetzen, dass sie das Zeug zur Marke haben, obwohl das nie die Absicht war.

Geplant war lediglich, Architekten, Innenarchitekten, Designer und alle am Bau Interessierten zusammenzubringen und ihnen eine Plattform für einen gemeinsamen Gedankenaustausch zum Thema Wand- und Raumgestaltung zu bieten. So entstand die erste „denk.werkstatt“ als Fachtagung mit Workshop, und Resopal fungierte als Gastgeber.

Was würde die Marke „denk.werkstatt“ denn ausmachen, wenn es so wäre? Zunächst hilft die Definition: „Ein Markenartikel ist eine auf die Nutzenerwartung der Abnehmer ausgerichtete und mit einem einheitlichen Zeichen versehene Leistung, die stets in gleichbleibender oder verbesserter Qualität angeboten wird“ (2), oder „die Gesamtheit der wettbewerbsdifferenzierenden Eigenschaften von Produkten und Produktlinien.“ (3)

Die „denk.werkstatt“ versteht sich als „Forum zum Vordenken und Diskutieren“. Resopal bietet die Plattform zum Dialog, und die Teilnehmer schöpfen daraus ihre Inspiration. Diesem Konzept sind Professor Rudolf Schricker und die Organisatoren bei Resopal stets treu geblieben. Im Mittelpunkt stehen immer das gemeinsame Nachdenken und die Gespräche. Dabei nimmt sich der Gastgeber dezent zurück und lebt Gastfreundschaft und Menschlichkeit. Das sind die Erwartungen, die die Gäste an die Veranstaltung stellen und die in all den Jahren nie enttäuscht, ja sogar übertroffen wurden.

Dazu trägt in besonderem Maße das jeweilige Thema bei, das sich an der Grenze zwischen dem Fachgebiet der Zielgruppe und allgemeinen gesellschaftlichen Strömungen bewegt. Sorgfältig ausgewählte Referenten aus ganz unterschiedlichen Disziplinen füllen es mit Leben, glänzen mit Kompetenz, Talent, Humor und Vortragskraft. So entwickelte sich die „denk.werkstatt“ von einer reinen Fortbildungsveranstaltung hin zu einem Quell der Bewusstwerdung und Bewusstseinserweiterung.

Über allem steht der Name, der mit seiner durch einen Punkt getrennten Schreibweise die Dialektik zwischen Hand- und Kopfarbeit verdeutlicht und den Bogen zur Lokalität, der ehemaligen Lehrwerkstatt bei Resopal, spannt.

Dies alles spricht für den Markencharakter der Veranstaltung. Diese findet aber letztendlich darin ihre Bestätigung, dass sich die Zielgruppe mit dem Konzept identifiziert und der Veranstaltung die Treue hält. So meldeten sich auch im 15. Jahr wieder viel mehr Interessenten an als die Räumlichkeiten fassen können; und für viele ist das erste Novemberwochenende fest im Terminplan verankert, weil sie um die besondere Mischung aus Lernen, Unterhaltung und Kulinarik wissen.

So entstanden, ohne das Ziel jemals bewusst verfolgt zu haben, Markenbewusstsein und -treue. Danach würde sich mancher, der krampfhaft und bewusst versucht, ein Produkt im weiteren Sinne als Marke zu etablieren, vielleicht die Finger lecken. Aber es beweist eines: Um eine Marke aufzubauen, zu etablieren und am Leben zu halten, braucht es Menschen, die für die Idee brennen, die sich engagieren und das Feuer kontinuierlich am Flackern halten. Das, was eine Marke unterscheidbar macht, muss nicht künstlich inszeniert werden. Die Lösung liegt manchmal so nah.

(1) Robert Weller, Michael Firnkes: „Blog Boosting, Content, Marketing, Design, SEO“, 2. aktualisierte Auflage, 2015, Seite 65
(2) Andreas Scharf, Bernd Schubert: „Marketing“, 2. Auflage, 1997, Seite 123
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Marke

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