PR à la Hübner

Foto: Peter Hübner

Kennen Sie Hübner, Peter Hübner? Nein? Nun ja, Peter Hübner hat auch erst einmal nichts mit PR zu tun. Peter Hübner ist Architekt. Und im November 2013 erlebte ich ihn während eines Vortrages auf der „denk.werkstatt“ bei Resopal. Darin propagierte er: „Bauen ist ein sozialer Prozess!“ Und er beschrieb, wie er zusammen mit den späteren Nutzern der Häuser diese plante und baute. Das Planen und Bauen als der Kernprozess seiner Arbeit erlebte Hübner dabei immer als horizonterweiternd, bereichernd, und am Ende stand jedes Mal ein einmaliger Ort, ein höchst individueller, maßgeschneiderter, aber auch herrlich menschlich unperfekter Bau.

Bis heute ist mir die Lebens- und Arbeitsphilosophie von Peter Hübner nicht aus dem Kopf gegangen, und sie rückt immer dann in den Vordergrund, wenn ich Meldungen wie diese lese:

• „Wie Chefs ihren Pressesprechern das Leben schwer machen“ ( von Thomas Dillmann)
• „Ich finde mich so schrecklich geil!“ (von Heiko Burrack)
• „Was wünschen sich Unternehmen von ihrer Agentur? Ein Erfahrungsbericht“ ( von Andrea Fischer)

Darin wimmelt es von gegenseitigen Vorwürfen zwischen Agentur und Unternehmen respektive Inhouse-Presseleuten und ihren Vorgesetzten. Unternehmen seien risikoscheu und zu verschlossen gegenüber Neuem, hätten Scheuklappenblick und verstünden nichts von PR-Arbeit und den journalistischen Zusammenhängen, sagen die Agenturen. Agenturen seien zu selbstverliebt und denken sich nicht in Philosophien, Strukturen und Produkte hinein, monieren die Marketingverantwortlichen. Unternehmenschefs verstünden Inhalte nicht, geben zu spät frei, werfen in letzter Sekunde noch mal alles über den Haufen und und und. So macht man sich gegenseitig die Arbeit schwer, ja fühlt sich geradezu behindert.

Was das alles mit Peter Hübner zu tun hat? Möglicherweise können wir uns von ihm etwas abgucken und damit PR-Arbeit jenseits gegenseitiger Anschuldigungen wieder in den Fluss bringen. Kommunikation ist ja schließlich auch ein sozialer Prozess, und so geht es darum, etwas zusammen zu tun, um etwas Einmaliges hervorzubringen.

Auf Augenhöhe

Überlässt ein Unternehmen die PR-Arbeit einer Agentur, geschieht dies ursächlich, um Kompetenzen zu bündeln; aber genau die Kompetenzunterschiede sind es am Ende, die die gegenseitigen Vorurteile nähren. Wie soll man da zusammen arbeiten? Wie präsentiert man sich als PR-Agentur einem Unternehmen? Wie öffnet man sich als Unternehmen der PR-Agentur?

Im Prinzip ist dieses Zusammentreffen vergleichbar mit dem von Architekt und Bauherr beziehungsweise Gebäudenutzer. Und so hilft das Hübnersche Verständnis: „Es geht um das Sich-Einlassen auf die Dummen, auf die Kinder, auf die Unprofessionellen, die in ‚meiner‘ Architektur rumfummeln, die mir den guten Geschmack versauen! Ist ja schlimm genug, dass die nachher ihre hässlichen Möbel in ‚mein‘ schönes Stück Architektur tragen.“

Das ist krass, zeigt aber, dass jeder zunächst einmal von sich selbst absehen können muss. Und auch für das unvoreingenommene Aufeinander-zugehen kommt die Lösung aus der Architekturarbeit von Peter Hübner: „Wenn du (…) gar nichts zeigst, musst du die Fähigkeit des arabischen Geschichtenerzählers haben. Du musst Bilder in den Köpfen deiner Zuhörer erzeugen können.“ Und weiter: „Ich glaube, bei dem Bau von Jugendhäusern war es ganz wichtig, dass es nicht über Pläne, sondern über Geschichten klappte. Ein gutes Haus muss ein zwölfjähriges Kind seiner Oma am Telefon erzählen können. Das Haus als Burg, das Haus als Zirkus, das Haus als fliegende Untertasse!“

Sich hineinversetzen in den anderen und die Selbstverliebtheit ablegen, das ist genau das, was offenbar auch die Partner der PR voneinander erwarten. So schreibt auch Heiko Burrack, dass man mit dem Vortanzen der eigenen Charts leider keinen Blumentopf mehr gewinnen könne, und weiter, dass sich immaterieller Gegennutzen für den potenziellen Neukunden dadurch generieren lasse, dass man ein Feedback zur bisherigen Unternehmenskommunikation nicht aus Sicht der Agentur, sondern aus Sicht des Endkunden gibt. Dabei sei es sekundär, ob dieser aus dem B-to-B- oder dem B-to-C-Bereich komme.

Und auch Unternehmen schätzen eine vertrauensvolle, offene Kommunikation untereinander. „Uns ist wichtig, von Anfang an eingebunden zu werden, damit etwas Einzigartiges entstehen kann. Wenn diese Voraussetzungen geschaffen sind, erweisen wir uns auch als sehr loyal und gehen gern längerfristige Partnerschaften mit Agenturen ein“, so Zeppelin NT, ein Kunde der Agentur Lorenz & Roth, bei dem Andrea Fischer die Unternehmensperspektive abfragte.

Peter Hübner ist ein Menschenfreund: „Wenn wir etwas bauen, braucht es die Liebe zum Menschen“, sagt er. Aber auch und gerade in der PR sind es die Menschen. Und so geht es um das Sich-einlassen auf den anderen, das Hineindenken in die Arbeit anderer und die Teilhabe, um gegenseitiges Verständnis zu ermöglichen. Die gute klassische PR-Arbeit als Baumeister von Beziehungen, das ist es, was uns der Architekt über die PR-Arbeit lehrt.

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2 Antworten auf PR à la Hübner

  1. Liebe Frau Schmand-Hannemann,
    zwei Fragen:
    1. Vorwürfe finde ich ebenfalls schwierig, aber was haben Sie gegen Feedback im Sinne von Kritik?
    2. Wie viele Agenturen arbitren auf Augenhöhe und wie viele tuen das nicht?

    Viele Grüße

    Heiko Burrack

    • Bianca Schmand-Hannemann sagt:

      Hallo, Herr Burrack,

      besten Dank für Ihren Kommentar mit den beiden Fragen, auf die ich gern eingehe.

      Zu 1. Feedback in Form von konstruktiver Kritik kann man nicht wert genug schätzen; das gilt in jeglicher Beziehung. Deswegen bin ich offen dafür. Gibt es eine Passage im Blogartikel, die suggeriert, dass ich mich dagegen ausspreche?

      Zu 2. Statistiken dazu existieren sicher nicht, genauso wenig wie es objektive Beurteilungskriterien gibt. Aber: Langfristige Partnerschaften zwischen PR-Agenturen und Unternehmen gelten in meinen Augen als Indiz für eine Arbeit auf Augenhöhe. Dass das einigen Agenturen offenbar besser gelingt als anderen, zeigen die drei Artikel, die ich als Quelle in meinem Blogbeitrag herangezogen habe.

      Viele Grüße
      Bianca Schmand-Hannemann

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