Public Relations sind keine Einbahnstraße – PR braucht klare Kante

© schepers_photography – Fotolia.com

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„Am besten nehmen Sie unsere Unternehmensbroschüre …“, dieses oder ähnliches hat schon so mancher Journalist gehört, der sich redlich um Informationen von einem Unternehmen bemüht hat. Der Ärger ist groß. Frust statt Lust macht sich breit. Schade, denn das Image des Unternehmens ist jetzt leider angekratzt. Und das, obwohl doch gerade eine PR-Agentur Glanz in den bisher eher bescheidenen Unternehmensauftritt bringen sollte. Nimmt die neue PR-Agentur ihren Job etwa nicht ernst? Gute Frage, aber manchmal gibt es auch Situationen, in denen selbst erfahrene PR-Profis mit dem Rücken zur Wand stehen, ganz nach dem Motto: Der Kunde, das unbekannte Wesen, macht genau das, was er immer schon gemacht hat. Dass Public Relations sich immer noch über Relations, also Beziehungen, definieren und keine verkehrsberuhigte Einbahnstraße sind, scheint sich noch nicht in den Köpfen etabliert zu haben.

Offenbar denken manche Geschäftsführer oder Marketingverantwortliche, dass sie sich nicht mehr mit PR beschäftigen brauchen, wenn sie eine PR-Agentur angeheuert haben. Für das Briefing reicht die Unternehmensbroschüre oder – wenn’s ein bisschen moderner sein darf – der Web-Auftritt. Über aktuelle Unternehmensentwicklungen informiert man besser nicht, sonst könnte die neue Agentur noch auf die Idee kommen, das so gut gehütete Geheimnis an die große Glocke zu hängen: zum Beispiel mit einer professionell aufbereiteten Presseinformation, die alle für die Medien relevanten und folglich berichtenswerten Daten und Fakten enthält. Nein, das lassen wir besser. Und irgendwann kann die Assistentin in der Marketing-Abteilung ja einen Facebook-Post schreiben. Schreiben kann ja jeder und fürs Web sowieso. Das sind Botenstoffe, die die Begeisterungskurve gegen Null und jede Strategie aus dem Ruder laufen lassen.

Da sind die PR-Spezialisten mit Freude und Engagement an die Arbeit gegangen, haben viele Gespräche geführt, Broschüren gewälzt, um Themen und Geschichten aufzuspüren. Ideen und Konzepte wurden entwickelt, um das Vertrauen des Kunden zu gewinnen und die Erwartungen der verschiedenen Interessensgruppen zu erfüllen. Denn PR dient ja nicht nur den Interessen des Auftraggebers, sondern berücksichtigt auch die Anforderungen der Stakeholder.

Wer glaubt, dass Kommunikation angesichts von Facebook & Co. immer leichter fällt, der irrt. Kommunikation wird durch die inflationäre Fülle von Nachrichten und Botschaften, die täglich auf uns einprasseln, immer schwieriger. Da sind Strategien und Konzepte gefragt, um auf der Wahrnehmungswelle zu surfen. Das Ziel und die originäre Aufgabe guter Kommunikation heißen, langfristig vertrauensvolle Beziehungen zum Auftraggeber und seinen Beziehungsgruppen aufzubauen. Um das zu erreichen, ist Know-how gefragt.

Das offene Visier und der Wille, sich zu erkennen zu geben, müssen deshalb für das Management des Unternehmens selbstverständlich sein. PR muss als beratende und lenkende Kraft von der Unternehmensführung und der Marketingabteilung akzeptiert werden. Denn zum unternehmerischen Erfolg trägt zunehmend bei, eigene Anliegen zu vermitteln und Zusammenhänge, die die unterschiedlichen Ebenen des Unternehmens betreffen, zu erklären.

PR-Verzicht ist angesagt, wenn die Vorstellungen fehlen, was PR kann und welche Ziele mit ihr erreicht werden können. Wer kurzfristig seine Verkaufszahlen steigern will, sollte besser in den Vertrieb investieren. Wer nur Veröffentlichungen in FAZ, Süddeutsche, Spiegel und Hochglanzmagazinen im Visier hat, sollte Anzeigen schalten. Wer nicht den Mut hat, auch bei heiklen Themen Stellung zu beziehen, sollte besser weiter im Trüben fischen.

Für beratungsresistente Auftraggeber ist ein Leben ohne PR zweifelsohne leichter, ein Überleben wird jedoch schwieriger in Zeiten, wo die offene und differenzierte Kommunikation von Kunden und der interessierten Öffentlichkeit zunehmend gefordert wird.

Die verkehrsberuhigte Einbahnstraße ist das stille Kämmerlein. Für die Anbindung an den Markt der Meinungen braucht es klare Standpunkte, Glaubwürdigkeit, Mut und Risiko, sonst verweist man besser doch auf die Hochglanzbroschüre des Unternehmens.

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Eine Antwort auf Public Relations sind keine Einbahnstraße – PR braucht klare Kante

  1. Heike Conrad sagt:

    Irgendwie kann ich mit Artikeln nichts mehr anfangen, die über die Kunden rumnörgeln. Das erinnert mich an den Lehrer, der seinen Beruf so toll findet, wenn doch nur die Schüler nicht wären. Ein Blog sollte schon persönliche Sichtweisen präsentieren, aber sollten diese nicht immer auch das Image des Unternehmens stärken? Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass das gelingt, wenn man dem Kunden seine Unfähigkeit um die Ohren haut. Das ginge vielleicht am Stammtisch, wenn man später torkelnd, aber sich gegenseitig stützend das Lokal verlässt…

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