Spaßbremse mit neuem Namen: BilMoG

BilMoG, noch nie gehört? Nun gut. Wissen, worum es geht, sollte man schon. BilMoG hat die Qualität, als kreative Abkürzung zum Wort des Jahres in der Zunft der Steuerberater zu werden. Es geht um das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz, das am 26. März 2009 vom Deutschen Bundestag beschlossen wurde und die Erstellung der Bilanzen für das Jahr 2010 erheblich kompliziert und verändert.

Dem BilMoG war das Ziel mit auf den Weg gegeben, das gewachsene deutsche Bilanzrecht zu einer dauerhaften und vollwertigen Alternative zu den internationalen Rechnungslegungsstandards weiterzuentwickeln. Prompt feierten es Verantwortliche und Medien nach seiner Verkündung gleich als Speerspitze der Deregulierungsbemühungen des so unendlich um uns besorgten Parlamentes. Glücklich sollten sich insbesondere kleine und mittelgroße Unternehmen schätzen, denen nunmehr durch Nutzung des modernen Bilanzrechtes der Weg zur einfacheren und kostengünstigeren Alternative eröffnet sei. Schließlich will sich das BilMoG als Deregulierung verstanden wissen, um Unternehmen von vermeidbaren Kosten zu entlasten.

In den unendlichen Freudentaumel über BilMoG dürften sich jetzt wohl rund 450.000 deutsche GmbHs stürzen, weil sie nun ihre Bilanz für 2010 erarbeiten (lassen) müssen. Das heißt: aufzustellen sind Handelsbilanz, Übergangsbilanz, Steuerbilanz. Die Deregulierung verdreifacht also wieder einmal den Aufwand. Ganz zu schweigen von rund 20 Stunden Mehrarbeit (Mehrkosten) beim Steuerberater, der unser Kleinunternehmen in gültige Bilanzregeln pressen muss.

Langsam reift die Zeit, gute Ratschläge der Vergangenheit zu hinterfragen. Welchen Sinn hat eine GmbH noch, wenn nach jahrelangen Veränderungen des GmbH-Gesetzes zu Lasten des geschäftsführenden Gesellschafters respektive des Geschäftsführers nun noch der jährliche Aufwand wächst, um mit dem Abschluss den internationalen Rechnungslegungsstandards zu entsprechen? Muss das alles noch sein, um als Dienstleister mit einer eingetragenen Kapitalgesellschaft – also GmbH – bei Kunden um Anerkennung und Respekt zu buhlen?

Offen gestanden: Mir reicht es! Die aktuelle Denksportaufgabe lautet, wie eine GmbH wieder in eine Einzelfirma zu überführen ist. Kommentare zu diesem Thema sind mehr als erwünscht.

Veröffentlicht unter Allgemein, MSWW | Verschlagwortet mit , | 3 Kommentare

3 Antworten auf Spaßbremse mit neuem Namen: BilMoG

  1. Klaus sagt:

    Super Seite, mundet mir.

  2. Noch mehr Arbeit für alle mit eventuell nur langfristigen Vorteilen durch das Bilmog > Hab ich das richtig verstanden?

    • Wilfried Wadsack sagt:

      Der Aufwand steht bei Kleinst-GmbHs in keinem Verhältnis zum Ergebnis. Die GmbH braucht schon eine Mindestgröße, um eventuell langfristig vom BilMoG zu profitieren. Der Weg zurück zur Einzelfirma verspricht dagegen Erleichterung, wenn man den Liquidationsaufwand nicht scheut.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.