Starke Bilder fesseln

Wir träumen in Bildern, erinnern uns in Bildern, orientieren uns durch Bilder, entscheiden anhand von Bildern. Bilder sprechen an und Bilder fesseln. Die Durchschlagkraft von Bildern – seien es Bilder in unseren Köpfen oder sichtbare Reize in Hochglanzgazetten oder Prospekten – ist unbestritten. In Zeiten von Social Media ist die Bildkommunikation das Medium, um Informationen zu transportieren. Umso erstaunlicher ist es, dass Unternehmen die optische Darstellung in ihrer Kommunikation immer noch vernachlässigen. Vor allem die visuelle PR ist ein Mauerblümchen, das dringend ins Rampenlicht gehört.

Von lieblosen, unprofessionellen Produktfotos über schlechte, von Mitarbeitern geknipste Portraits bis hin zu antiken Fotos vom Firmensitz oder Werbefotos mit Logo reicht das Repertoire, das Firmen ihren PR-Agenturen anbieten und dabei nicht den leisesten Zweifel hegen, dass das Firmenimage durch eine solch unvorteilhafte Außendarstellung beschädigt werden könnte. Auch die PR-Agentur setzt mit schlechten Fotos ihren Ruf aufs Spiel. Schließlich sind in Agenturen Profis am Werk, die wissen sollten, was die visuelle Kommunikation ausmacht. Wissen sie auch, aber beim Auftraggeber versiegen Argumente im grenzenlosen Wahn von Kostenersparnis. Das Resultat: Unzufriedenheit in den Redaktionen, Frust bei der PR-Agentur, die sich nicht gerade selten für einfallslose und dilettantische Fotos bei den Redaktionen entschuldigen muss und Verwunderung beim Kunden, warum das tolle Produkt nicht die Aufmerksamkeit der Medien auf sich zieht. „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“, klingt abgedroschen, besagt aber alles – im positiven, wie im negativen Sinn. Ein Unternehmen, welches nicht bereit ist, in Bilderwelten zu investieren, hat kaum Chancen, auf der Wahrnehmungswelle zu surfen.

Bilder nehmen wir schneller als Texte wahr; dabei verarbeiten wir sie mit relativ geringer gedanklicher Beteiligung. Wir speichern sie so ab, dass wir uns auch noch nach Tagen an komplette Bilderalben erinnern. Nicht umsonst arbeiten Gedächtnistrainer mit Bildern. Sie sind der Code, um sich Zahlen, Namen und wichtige Informationen zu merken. Außerdem ist der Erlebniswert von Bildern hoch: Bilder emotionalisieren, Bilder wecken innere Bilder, Bilder berühren. Deswegen erfordern PR-Bilder exakt das Know-how, die Qualität und die Präzision, die Unternehmen auch bei ihrer Produktentwicklung einsetzen. Warum wird die Wirkung von PR-Bildern so häufig unterschätzt? Glauben Unternehmen, dass sich eine aufwendige Dramaturgie nur für die Werbung lohnt?

Ganz offensichtlich hat das Invest in Werbemaßnahmen einen höheren Stellenwert. Und der Glaube, die tollen und teuren Werbefotos ließen sich sozusagen als Abfallprodukt für die PR zu nutzen, ist tief in den Köpfen der Marketingleute verankert. Nur so lässt es sich erklären, dass immer wieder kurz vor Pressekonferenzen, Messen oder sonstigen Presse-Events wahllos Megabite-schweres Prospektmaterial per E-Mail oder via FTP-Server durch den Äther gejagt wird. Das Öffnen der Dateien dauert Minuten und treibt in den Wahnsinn. Das Bild, welches sich schließlich in Slow Motion öffnet, ist eine einzige Katastrophe – im Sinne der PR, weil Werbeaussagen eben nur in Anzeigen ihren Platz haben.

Viele Unternehmen scheinen immer noch überzeugt davon zu sein, dass es Aufgabe der PR ist, Informationen in Texten zu vermitteln, hingegen die Werbung durch Bilder Emotionen wecken soll. Bei dieser einseitigen Sicht bleiben die Möglichkeiten der visuellen PR völlig unterbelichtet. So wie ein Bild emotionalisieren kann, kann es auch informieren. Das gilt übrigens auch für den Text, der ebenfalls über die Information hinaus, Emotionen wecken kann. Der Schlüssel zum wirkungsvollen Zusammenspiel zwischen Text und Bild liegt in der sinnvollen Kombination der Instrumente, indem das Bild die Textaussage überzeugend darstellt. Ein gut gemachtes PR-Foto transportiert die Aussage mit Nachdruck und wirkt glaubhaft.

Bilderwelten bestimmen den Kommunikationserfolg entscheidend. Dazu müssen Unternehmen kompromisslos eine auf die Anforderungen ihrer PR zugeschnittene Bildsprache entwickeln. Inspirierende Bildideen, professionelle Umsetzung und mediengerechte Aufbereitung bieten einen Vorteil im harten Wettbewerb mit hunderten von Fotos, die täglich die Redaktionen erreichen. Wer es schafft, das Bild als attraktiven Köder zu positionieren, punktet medial und transportiert seine Kernbotschaften zu den Zielgruppen. Denn starke Bilder fesseln und bieten genau den Wert und Mehrwert, auf den es in der Berichterstattung ankommt.

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Eine Antwort auf Starke Bilder fesseln

  1. Fabius sagt:

    Netter Artikel. Sicher kein Fehler, sich damit intensiver zu befassen. Werde gewiss auch die nächsten Beitraege im Auge behalten.

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