Schlagwort-Archive: Journalismus

Grenzwertig: Weichmacher versus investigativen Journalismus

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Mit dem Thema PR und Wirklichkeit befasste sich jüngst das Möbelbranchen-Blatt „inside“ (Nr. 946 vom 23.05.14). Simon Feldmer vertritt in seinem Editorial die Meinung, dass PR und Wirklichkeit immer mehr auseinanderdriften. Die amüsanten Beispiele, die er zum Besten gibt, subsummiert er unter der Headline „Moderne Möbel-PR“.

Wer sich mit dem Thema Öffentlichkeitsarbeit beschäftigt, muss schmunzeln. Fein beobachtet, Herr Feldmer, denn mit den beschriebenen Phänomenen kämpfen wir täglich. Da ist Überzeugungsarbeit angesagt.

Denn guter Content, wie er heute immer wieder gefordert wird, bedeutet auch, da wo es angebracht ist, Hintergründe zu liefern und die Story mit den Augen eines Journalisten zu schreiben. Fakten sind gefragt, gerade da, wo aus dem Unternehmen berichtet wird. Damit der Redakteur möglichst nicht seinen Senf dazu gibt, liefert man ihm alles das, was er wissen will. Denn alle Fakten, die nicht in der Presseinformation stattfinden, lassen … Weiterlesen

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Quo vadis, deutsche Schreibkultur?

Die Fachfrau für Unternehmenskommunikation berichtet, dass sie auf Xing aufgefordert wurde, einer Gruppe von Social-Media-Experten beizutreten, „deren Plural mit ‚Deppenapostroph‘ (’s) gebildet ist“.

Ein Ausbildungs- und Beratungsunternehmen für Online-Marketing gibt eine Anleitung zur Suchmaschinenoptimierung von Websites heraus, der der Laie nicht nur aufgrund der schweren Materie kaum folgen kann, sondern auch wegen Fehlern in der Groß- und Kleinschreibung, der Kommasetzung und zahlreichen Buchstabendrehern.

Die Anzeigenverantwortliche einer Fachzeitschrift schreibt an die Kunden: „Nach den Katastrophenjahren haben wir einen ‚so‘ nicht erwarteten Wirtschaftsaufschwung. Wär hätte das gedacht?“

Die „Neue Westfälische“ berichtet am 24. Juli 2012 von einer „studentischen Qualitätskrise“, weil Hochschullehrer über massive Schwächen von Nachwuchsakademikern bei Satzbaulehre, Grammatik und Rechtschreibung klagten. Zudem hätten viele Studenten Probleme mit dem Verfassen korrekter wissenschaftlicher Texte. Es mangele „an der Fähigkeit, selbständig zu formulieren und zusammenfassende Texte zu schreiben“. Ursachen seien teilweise auf gesellschaftliche Prozesse … Weiterlesen

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Jahresrückblick 2011: ein Jahr der Experten

Fraglos bot das hinter uns liegende Jahr eine Fülle von Anlässen, deren Aufzählung manchen Rahmen sprengt. Die TV-Sendungen sind voll davon. Sie überschlagen sich mit Katastrophen, Krisen, Neuwahlen, politischen Eskapaden, Skandalen und Nichtigkeiten. Alles gipfelt letztlich in den täglichen Talkshows, die besetzt sind mit den üblichen Verdächtigen. Sie ringen um Antworten auf die ständig wiederkehrenden Fragen, schlagen verbale Volten und reden sich um Kopf und Kragen. Das Jahr 2011 passt nun mal in keines der üblichen Schemen, die uns in den vergangenen Epochen so gern mit fertigen Lösungen aus der Schatulle voller Patentrezepte beruhigten. Einschließlich der staatstragenden Neujahrsansprachen, deren Konserven folgenlos auch schon mal verwechselt wurden. Es passte eben immer.

Man darf den Medienschaffenden sicher nicht unterstellen, dass sie nicht ahnten, wie schwer die aktuellen Ereignisse mit ihren Auswirkungen auf die nahe, mittelfristige und langfristige Zukunft einzuordnen sind. Flugs entschlossen … Weiterlesen

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Lesen, verstehen und schreiben: Sogar für Journalisten eine lästige Plage

Im Zeitalter des Webs 2.0 scheint Lesen zum Problem zu werden. Für Kinder und Jugendliche sowieso. Aber, dass es jetzt schon gestandene Journalisten nicht mehr schaffen, einen Text bis ans Ende zu lesen, um daraus ein halbwegs verständliches Eigenprodukt zu kreieren, das wundert mich dann doch. Offensichtlich wird es immer schwieriger, mehr als drei Zeilen eines Textes aufzunehmen und sinnvoll zu verarbeiten. Wenn sich diese Tendenz durchsetzt, dann muss man künftig doch ein großes Fragezeichen an all die vielen Informationen setzen, die die Medien tagtäglich verbreiten. Wir jedenfalls wurden Opfer unserer eigenen PR-Arbeit und das, obwohl der Text für Grundschüler zu verstehen ist, eine Kurzfassung folglich kein Problem sein sollte.

Weit gefehlt. Aus vier Seiten Text oder 8.100 Zeichen über unsere 40-jährige Agenturtätigkeit resultierten zwei Kurzmeldungen, die einem die Haare zu Berge stehen lassen. Eine kurze Online-Meldung verdrehte die … Weiterlesen

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Füller statt Knüller: der Superlativ

Wenn die Falle zuschnappt

Als ich als Schreiberling in die PR-Branche einstieg, gab es ein ganzes Regelwerk zu beachten. Anschaulich schreiben, Verben statt Substantive, die W-Fragen gleich im ersten Absatz beantworten, keine Proustschen Sätze bilden, unnötige Fremdwörter und Floskeln vermeiden – soweit einer kleiner Überblick über die Don’ts. Die oberste Maxime lautete: „Superlative sowie Werbesprüche gehören nicht in einen guten PR-Text.“

Dass eine gute Pressemitteilung journalistisch sauber formuliert sein sollte und folglich ohne sprachliche Schaumschlägerei auskommen muss, lernte ich sehr schnell. Schließlich geht es darum, dass Presseinformationen nicht im allgemeinen Informationsmüll der Redaktionen versumpfen. Allerdings wollten und wollen das Kunden leider nicht immer begreifen. Viele Kämpfe müssen gefochten werden und so manches Mal gibt man sich zähneknirschend geschlagen. Denn nur mit dem plumpen Superlativ und dem neuen Claim, für den die Werbeagentur ja schließlich viel Hirnschmalz investiert hatte und … Weiterlesen

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Was hat die Comédie humaine mit dem Kauf von Facebook-Fans zu tun?

Auf den ersten Blick nichts. Denn zwischen Balzacs umfangreichem Romanzyklus und Facebook liegen knapp 200 Jahre. Und trotzdem sagt man sich, da war doch was, wenn man die zahlreichen Berichten über den Handel mit Facebook-Fans liest. WDR.de schrieb kürzlich unter der Überschrift „Zwei Cent für ein ‚Gefällt mir’“ über den offensichtlich angesagten Handel mit den Fans. Mit dem Aufstieg der Social Networks entdecken clevere Geschäftemacher, dass sich im interaktiven Kommunikationszeitalter schnelles Geld machen läst.

Vor rund 200 Jahren lieferten die aufstrebende Entwicklung und die zunehmend gesellschaftspolitische Bedeutung des Journalismus einen aktuellen Stoff für den Romancier Balzac. Vor allen in den „Illusions perdues“ beleuchtet Balzac den Journalismus aus verschiedenen Perspektiven. Wunderbar beschreibt der Romancier Literaturkritiker, die über Top oder Flop eines Theaterstückes oder Aufstieg oder Fall einer Tänzerin entscheiden. Die Claqueure, Balzac charakterisiert diesen Typus in seiner „Monographie de la presse … Weiterlesen

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