Schlagwort-Archive: PR-Sprache

Quo vadis, deutsche Schreibkultur?

Die Fachfrau für Unternehmenskommunikation berichtet, dass sie auf Xing aufgefordert wurde, einer Gruppe von Social-Media-Experten beizutreten, „deren Plural mit ‚Deppenapostroph‘ (’s) gebildet ist“.

Ein Ausbildungs- und Beratungsunternehmen für Online-Marketing gibt eine Anleitung zur Suchmaschinenoptimierung von Websites heraus, der der Laie nicht nur aufgrund der schweren Materie kaum folgen kann, sondern auch wegen Fehlern in der Groß- und Kleinschreibung, der Kommasetzung und zahlreichen Buchstabendrehern.

Die Anzeigenverantwortliche einer Fachzeitschrift schreibt an die Kunden: „Nach den Katastrophenjahren haben wir einen ‚so‘ nicht erwarteten Wirtschaftsaufschwung. Wär hätte das gedacht?“

Die „Neue Westfälische“ berichtet am 24. Juli 2012 von einer „studentischen Qualitätskrise“, weil Hochschullehrer über massive Schwächen von Nachwuchsakademikern bei Satzbaulehre, Grammatik und Rechtschreibung klagten. Zudem hätten viele Studenten Probleme mit dem Verfassen korrekter wissenschaftlicher Texte. Es mangele „an der Fähigkeit, selbständig zu formulieren und zusammenfassende Texte zu schreiben“. Ursachen seien teilweise auf gesellschaftliche Prozesse … Weiterlesen

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Füller statt Knüller: der Superlativ

Wenn die Falle zuschnappt

Als ich als Schreiberling in die PR-Branche einstieg, gab es ein ganzes Regelwerk zu beachten. Anschaulich schreiben, Verben statt Substantive, die W-Fragen gleich im ersten Absatz beantworten, keine Proustschen Sätze bilden, unnötige Fremdwörter und Floskeln vermeiden – soweit einer kleiner Überblick über die Don’ts. Die oberste Maxime lautete: „Superlative sowie Werbesprüche gehören nicht in einen guten PR-Text.“

Dass eine gute Pressemitteilung journalistisch sauber formuliert sein sollte und folglich ohne sprachliche Schaumschlägerei auskommen muss, lernte ich sehr schnell. Schließlich geht es darum, dass Presseinformationen nicht im allgemeinen Informationsmüll der Redaktionen versumpfen. Allerdings wollten und wollen das Kunden leider nicht immer begreifen. Viele Kämpfe müssen gefochten werden und so manches Mal gibt man sich zähneknirschend geschlagen. Denn nur mit dem plumpen Superlativ und dem neuen Claim, für den die Werbeagentur ja schließlich viel Hirnschmalz investiert hatte und … Weiterlesen

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Tatort Sprache

Für den Autor Max Frisch ist die Sprache der eigentliche Tatort. Dabei spricht er von der geschriebenen und nicht artikulierten Sprache. Er lässt sie zum Machtfaktor reifen. Sie entblößt Charaktere, sie schafft Umgebungen in 3D-Manier, sie spult das Kino im Kopf ab.

In einem Essay unter dem Titel „Sprache, sonst nichts“ schreibt Martin Walser in „Die Zeit“ 1999: „Die Ausdrucksweise ist natürlich nichts als Sprache. Wir haben Wörter, mit denen wir auf unser Nichtwissen reagieren, mit denen wir unserem Nichtwissen entsprechen. Schreiben heißt, einer Welt zu entsprechen, die uns nicht entspricht. Schreibend antworten wir auf einen Mangel. Uns fällt ein, was uns fehlt.“

Vielfältig und facettenreich umgibt uns das geschriebene Wort. Es gibt sich traditionsbewusst, schnörkellos oder modern. Zahlreiche gleichwertige und gleichberechtigte regionale, funktionale und situationsabhängige Varianten bestimmen den Umgangston. Dadurch bleibt Sprache zeitgemäß. Sie greift Dialekte auf und duldet … Weiterlesen

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