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Zwischen Selbstdarstellung und Geheimhaltungshysterie – Über den eigenen Umgang mit den persönlichen Daten

Unglaublich, was ich im Sprachkurs schon gelernt habe. Das Zertifikat verdeutlicht: Ich kann in einer fremden Sprache sagen, wie ich heiße, wo ich geboren bin, wo und wie ich wohne, ich kann von einer Reise erzählen, über das Leben reden, in der Vergangenheit, der Gegenwart und Zukunft, Gewohnheiten, Umstände und Situationen beschreiben, über die Mediennutzung sprechen. Das ist eine ganze Menge, sozusagen der Datensatz einer kompletten Identität. So formuliert fällt es einem wie Schuppen von den Augen: Im Laufe der Lektionen habe ich mein ganzes Leben offen gelegt.

Nun kreist die aktuelle Datenschutzdiskussion aber vorwiegend nur über der digitalen Welt. Nur dort scheint uns das Problem mit der Preisgabe unserer persönlichen Daten wirklich zu beunruhigen. Darüber hinaus sind wir leider etwas nachlässiger. Würde uns die neu installierte App auf unserem Smartphone fragen, ob sie die Daten, die wir im Sprachunterricht … Weiterlesen

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Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser

Kürzlich änderte mein Patenkind, gerade 15 Jahre alt, sein Profilbild auf Facebook. Aus einem abstrakten Zeichen wurde ein hübsches Foto. Als ich der Mutter mein Kompliment dafür aussprach, erwiderte sie, dass sie ihren Kindern eigentlich verboten hätte, sich bei Facebook mit ihren Gesichtern zu präsentieren. Natürlich kann man sich in diesem Zusammenhang fragen, warum Facebook Facebook heißt, aber mich stimmt eigentlich etwas anderes nachdenklich: das jegliches Grundwissen entbehrende Verbot. Denn auch dieser Fall zeigt wieder, dass die Wirksamkeit von Verboten in sozialen Medien zu Recht angezweifelt werden darf, erzeugen sie doch – gerade bei Kindern und Jugendlichen – eine „Jetzt-erst-Recht“-Reaktion. Und noch etwas: Als ich die Mutter fragte, warum sie auf Facebook sei, wo sie doch auf dieser Plattform so rein gar nichts unternimmt, war die Antwort, sie müsse ja kontrollieren, was ihre Kinder dort treiben.

Zu diesem Thema passt … Weiterlesen

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Kennen Sie Ahno?

Stellen Sie sich mal folgende Situation vor: Sie laufen über einen Marktplatz. Plötzlich spricht Sie ein Fremder mit Ihrem Vornamen an und sagt: „Lass uns mal miteinander reden. Mein Name tut nichts zur Sache, aber Du kannst mich ruhig ernst nehmen.“ Ein Scherz? Nein, das ist Realität. Diese Geschichte passierte mir kürzlich auf Facebook.

Ein Herr namens Ahno Nym schickte eine Gruppenanfrage und ergänzend eine persönliche Nachricht, in der er nach einer locker geduzten Anrede halbwegs plausibel begründete, warum er zur Gruppe gehören möchte. Bevor ich mich fürs „Hinzufügen“ oder „Ignorieren“ entschied, schaute ich mir erst einmal Ahnos Profil an. Geschlecht: männlich, zwei Freundinnen und die Pinnwand voller Farmville-Spielzüge. Ich habe mich fürs „Ignorieren“ entschieden, Ahno aber eine Nachricht geschickt. Es freue mich zwar, dass die Gruppe Anklang findet, schrieb ich, allerdings falle es mir schwer, mit einer Person … Weiterlesen

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