Tatort Sprache

Für den Autor Max Frisch ist die Sprache der eigentliche Tatort. Dabei spricht er von der geschriebenen und nicht artikulierten Sprache. Er lässt sie zum Machtfaktor reifen. Sie entblößt Charaktere, sie schafft Umgebungen in 3D-Manier, sie spult das Kino im Kopf ab.

In einem Essay unter dem Titel „Sprache, sonst nichts“ schreibt Martin Walser in „Die Zeit“ 1999: „Die Ausdrucksweise ist natürlich nichts als Sprache. Wir haben Wörter, mit denen wir auf unser Nichtwissen reagieren, mit denen wir unserem Nichtwissen entsprechen. Schreiben heißt, einer Welt zu entsprechen, die uns nicht entspricht. Schreibend antworten wir auf einen Mangel. Uns fällt ein, was uns fehlt.“

Vielfältig und facettenreich umgibt uns das geschriebene Wort. Es gibt sich traditionsbewusst, schnörkellos oder modern. Zahlreiche gleichwertige und gleichberechtigte regionale, funktionale und situationsabhängige Varianten bestimmen den Umgangston. Dadurch bleibt Sprache zeitgemäß. Sie greift Dialekte auf und duldet das, was Jugendsprache als Umgangssprache stilisiert.

Doch es reift mehr als das heran. Dr. Anke Wortmann und F. Stephan Auch setzen sich in ihrem „Mehrblick“-Blog mit der PR-Sprache auseinander. Sie stört, dass Pressetexte und -verlautbarungen zunehmend zu werbenden und verschleiernden Texten verkommen. Ihr Appell, über Wirtschaft, Technik und Service in guter Sprache zu berichten, braucht Gehör.

Angelehnt an Martin Walser wird dagegen munter fabuliert, was uns fehlt und was Lesern möglichst nicht einfallen sollte. Schade eigentlich. Wie recht doch Max Frisch hatte: Die Sprache ist der eigentliche Tatort.

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2 Antworten auf Tatort Sprache

  1. Ingo sagt:

    Endlich ein gut geschriebener Beitrag, mein Dank. Muss man sich nochmal in Ruhe durchlesen. Generell finde ich die Seite gut zu lesen und leicht zu verstehen.

  2. Ferhat sagt:

    Guter Blog, gefaellt mir sehr. Auch tolle Themen.

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