Tausendmal berührt: das INSIDE Magazin

Foto: MSWW

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„Wir waren wenig beliebt, aber respektiert. Wir waren unberechenbar und manchmal auch unfair. Und wir waren Pflichtlektüre in der Möbelbranche.“ Diese aus dem lesenswerten Editorial von Ralf Hartmann in der eintausendsten Ausgabe des Wohn-Markt-Magazins „inside“ herausgerissenen Sätze streifen ein Stück der facettenreichen Historie unserer an Geschichten nicht armen Einrichtungsbranche. Tatsächlich kann Ralf Hartmann, der bis 1997 dreizehn Jahre Redakteur beim inside war, tief in die Anekdoten-Kiste greifen und längst Vergessenes, nachdenklich Stimmendes und versöhnlich Erheiterndes zum Besten geben. Und er tut es brillant, auch wenn er einschränkt, inzwischen selber „altersmilde“ zu sein.

Natürlich ist die Erinnerung an 1.000 inside-Ausgaben inzwischen eine Generationenfrage. Schließlich gründete Peter Wulff seinen Verlag bereits 1974. Bevor er startete, stand er eines Tages im Büro des Holzmann-Verlages, stellte sich vor, legte seine Vision des neuen Magazins (… immer ohne Möbelwerbung …) auf den Tisch und wünschte sich kollegiale Zusammenarbeit. Wer sich an die Holzmann-Brüder erinnert, kann nachvollziehen, dass die guten Wünsche zum Start voller liberaler Toleranz waren. Nach dem Ende des Gesprächs sagte Jörn Holzmann: „Wenn das funktioniert, müssen wir besser werden.“

Und das Geschäftsmodell funktionierte sehr gut. Wir schrieben zwar schon auf IBM-Kugelkopfmaschinen, während Peter Wulff darauf bestand, seine Texte stets mit seinem Füllfederhalter zu schreiben. So floss die Tinte zu vielen Themen. Auch zu dem Thema, dass der Jungverleger Wulff vom „Bayerischen Abend“ während der Möbelmesse ausgeladen wurde. Einige Jahre blieb ihm mithin erspart, von der stets als Höhepunkt der Veranstaltung auftretenden Himolla-Blaskapelle mit kräftigem Krach an die Rückwand des Saales geblasen zu werden.

Doch die Zeiten ändern sich. Welche Wirrungen die Branche in all den Jahren genommen hat, beschreibt dankenswerter Weise in der inside-Jubiläumsausgabe Rolf Benz. Ein lesenswerter Beitrag, um den Markt zu verstehen. Was dabei fehlt, und dieser Hinweis ist kritikfrei, ist die Veränderung in der die Branche begleitenden Medienwelt, die sich sowohl bei Print-Ausgaben als auch in Online-Publikationen vervielfältigt hat. So ist der Lauf der Zeit.

Unberechenbar geblieben ist wohl auch die heutige inside-Redaktion http://www.inside-wohnen.de/. Das Team um Simon Feldmer verdient Anerkennung dafür, diese Jubiläumsausgabe nicht als Plattform für Berichte über die übliche, von vielen wirtschaftlichen und auch juristischen Erfolgen geprägte Verlagsgeschichte zu nutzen. Und die Redaktion verdient den Respekt, sich nach wie vor im Markt immer noch „ohne Möbelwerbung“ zu behaupten. Also: Herzlichen Glückwunsch zur 1.000sten Ausgabe.

Und Ralf Hartmann, heute unterwegs mit http://www.hartdran.com/,  schreibt sinngemäß: Noch immer hat der inside sein Image. Aber schon lange gibt es nicht mehr die Alleinstellung der Gründerjahre. Nicht nur die Zeiten, sondern auch die Menschen haben sich geändert. Dennoch: Die in der Überschrift angedeutete Anlehnung an den 1984 von Klaus Lage veröffentlichten Song 1000 und 1 Nacht mit der einprägsamen Zeile „Tausendmal berührt, tausendmal ist nichts passiert“ darf für den inside nicht gelten. Es ist eine ganze Menge passiert, und es hat oft genug zoom gemacht.

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