Triathletische Wollmilchsäue für die Kommunikation

© HappyAlex – Fotolia.com

Vielseitigkeit ist ein zweischneidiges Schwert. Das merkte ich, als ich nach einem kürzlich absolvierten Triathlon mal wieder etwas despektierlich gefragt wurde, aus welcher Disziplin ich komme. Die meisten Triathleten waren vorher offenbar reine Schwimmer, „nur“ Radrennfahrer oder pure Läufer. Dass jemand einen Triathlon macht, ohne vorher Spezialist in einer der drei Disziplinen gewesen zu sein, scheint eher selten und wird von Spezialisten kritisch beäugt. Da schwingt immer noch das Vorurteil mit, dass Triathleten alles machen, weil sie nichts richtig können.

Das macht stutzig und wirft die Frage auf, ob der Triathlon aufgrund seiner Vielseitigkeit gar nicht als eigenständige Sportart wahrgenommen wird. Nun ist es aber gerade diese Vielseitigkeit, die mich nicht nur an dem Sport, sondern auch an meinem Beruf in der PR reizt. Während es aber im Triathlon langfristig bei drei Disziplinen bleiben wird, nimmt die Vielseitigkeit im Beruf weiter zu.

Eine Anzeige des DJV zum Beispiel stellt Journalisten als eierlegende Wollmilchsäue dar, die gleichzeitig recherchieren, fotografieren, filmen, O-Töne sammeln, interviewen, schreiben, bloggen, layouten, moderieren und repräsentieren. Unüberschaubar auch die Fülle an Fortbildungsangeboten für PR im Social Web. Spezialisten, die sich Social Media Manager, Content Manager, Online Marketing Manager, Projektmanager 2.0 oder Community Manager nennen, drängen auf den Markt der Unternehmenskommunikation.

Die PR scheint sich immer mehr zu differenzieren, immer vor dem Hintergrund, das Portfolio mit den aktuellen Entwicklungen wachsen zu lassen und das eigene Profil zu stärken. Aber kommt das so auch bei denen an, die sich in einem Unternehmen für oder gegen die PR entscheiden müssen? Können die Entscheider in dieser Vielfalt eigentlich noch wahrnehmen, was PR im Kern kann und macht? Oder muss der Eindruck entstehen, dass PR am Rand ausfranst und in der Mitte verwässert und – wie der Triathlet – am Ende alles macht, aber nichts richtig kann?

Natürlich interessiert an dieser Stelle die Außensicht. Wenn die aber tatsächlich mit den aktuell zu beobachtenden Tendenzen verschwimmt, hilft vielleicht die Innensicht, die sich für mich wiederum über den Sport erklärt. Grundsätzlich kann ich beides, den Sport wie den Beruf, ausüben, weil ich die Technik beherrsche. Doch auch andere können schwimmen und radfahren, laufen sowieso, und eben auch schreiben. Das allein reicht also nicht.

Es geht darum, die Technik auch in einer gewissen Qualität zu leisten, denn je besser das Abschneiden in jeder Einzeldisziplin, umso besser das Endergebnis. Hinzu kommt, dass im Triathlon wie in der PR ganz unterschiedliche Disziplinen miteinander verbunden sind. Für den Wechsel und die „Muskulaturumstellung“ braucht es regelmäßige Übung und im übertragenen Sinne eine Strategie, um die Disziplinen aufeinander abzustimmen. Letztendlich helfen Ausdauer und Durchhaltevermögen, das „Rennen“ bis ins Ziel durchzustehen, damit am Ende nicht „DNF“ (did not finish) steht. Das Training dafür begleitet den Alltag des Triathleten genauso wie sich die PR als feste Größe in das Unternehmen integrieren sollte.

So vielseitig der Triathlon ist, so sinnvoll ist er nur in seiner Gesamtheit. Das gilt für die PR genauso. Wo der Triathlon den Körper ganzheitlich und auf Dauer stählt, zahlt die PR als konzeptionell geplanter Mix aus Einzeldisziplinen umfassend und kontinuierlich auf das Konto eines Unternehmens. Und das ist das, was PR im Kern macht und – wenn sie es richtig macht – auch kann. Schließlich hat auch der Triathlon als vielseitige und anerkannte Sportart seine eigenen gefeierten Profis hervorgebracht, Menschen, die – egal woher sie kommen – auf Hawaii und bei Olympia ganz vorne mitschwimmen, -radeln und -laufen. Auch das lehrt uns die Sportart für die PR: Es ist nicht relevant, wo man herkommt, sondern wo man hin will.

Veröffentlicht unter Kommunikation, PR | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.