Was Sie schon immer über Prospekturen wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten

Meinten Sie: Projektor, Prorektor, Prospekte, Prospektion, prospektiv, Protektor? Zu dem Begriff ‚prospektur‘ wurden leider keine Synonyme gefunden! Oder der Duden: Leider haben wir zu Ihrer Suche nach ‚Prospektur‘ keinen Treffer gefunden. Oder meinten Sie ‚prosektur‘? Langenscheid: Es wurde kein passender Eintrag zu Ihrem Begriff gefunden.

Schade eigentlich! Sind all‘ diese angezapften Quellen nicht auf der Höhe der Zeit? Denn der Begriff macht Karriere. War es bisher nur eine Fachzeitschrift im Bereich der Möbelbranche, die das Wort ‚Prospektur‘ fast gebetsmühlenartig über Seiten schleppte, taucht das Wort jetzt auch schon in vielen anderen Fachgazetten auf. Mir als hoffentlich Normal-Gebildete – seit PISA weiß man ja nie – sagt das Wort nichts. Die Suche im World Wide Web nach einer Definition: Fehlanzeige! Klassische Nachschlagewerke bringen auch keine Erleuchtung.

So kann ich nur vermuten, dass es sich um die Verschlimmbesserung des Wortes ‚Prospekt‘ handelt. Der Wortschöpfer oder die Wortschöpferin mag sich gedacht haben, dass ‚Prospektur‘ doch viel eleganter, ja viel gebildeter klingt als das schnöde Wort ‚Prospekt‘, dessen werblicher Charakter qua Definition festgelegt ist. Dagegen das Wort Prospektur: Was für ein Klang! Dahinter kann nur etwas Akademisches stecken, Latinischer als Latein, aber keinesfalls Marketing-Geblubbere. Wohin die Google-Suche nach ‚Prospektur‘ abseits der nicht gefundenen Definition führt, bestätigt mein Stochern im Nebel. anabelle schulz design zeigt Prospekturen und meint Prospekte, die VHV Versicherung titelt ziemlich makaber „Unfall mit neuer Prospektur bewerben“, B&B Agentur für Markenkommunikation macht vieles, darunter auch Prospekturen und auch die 3 hoch Werbeagentur AG glaubt, dass Prospekturen viel mehr hermachen als Prospekte.

Was meint Wikipedia zu diesem Fall? „Der (österreichisch auch „das“) Prospekt (v. lat. prospectus „Hinblick, Aussicht, Ansicht“; lat. pro-spicere „hinsehen, hinausschauen“) ist eine Werbepublikation, meist ein Druckerzeugnis, immer öfter aber auch digital als E-Prospekt, in umfangreicher Form auch ein Katalog. Er enthält zumeist Beschreibungen der Waren oder Dienstleistungen eines Unternehmens oder des Unternehmens als solches. (…)“

Aus dieser Definition erschließt sich mir nicht, warum der Prospekt ruchbar sein sollte. Er ist eine Ansicht, in die ich hineinschauen kann, um etwas über ein Produkt, Unternehmen oder eine Institution zu erfahren. Ich kenne x gut gemachte Prospekte. Es gibt Unternehmen, die tolle, innovative und witzige Publikationen herausgeben. Dass dabei das Unternehmen in einem positiven Licht erscheint, ist eigentlich selbstverständlich. Noch selbstverständlicher ist, dass Journalisten über gut gemachte Prospekte berichten dürfen. Das ist keineswegs „Igitt“ und muss nicht mit dem Begriff ‚Prospektur‘ in höhere Sphären gehoben werden. Facebook und Co. machen es vor. Tolle Kampagnen gefallen und generieren treue Anhänger. Also, liebe Journalisten, lobt die Prospekte, wenn sie Euch gefallen und kommentiert, was besser zu machen ist, aber lasst die Prospekturen unter der Ladentheke, denn da gehören sie hin.

Veröffentlicht unter Marketing, Sprache | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.