Wenn der Chef zum Chief wird

© Rawpixel - Fotolia.com

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Zugegeben: Ich bin von früher. Mich hat eine Ausbildung geprägt, die sich an Klarheit orientierte. Bei Einzelfirmen gibt es Inhaber; bei Kapitalgesellschaften Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzende. Und um Abteilungsleiter aufzuwerten und ihnen Verantwortung aufzuladen, beruft man sie zu Prokuristen. Der Titel Chef transportiert Respekt.

Und plötzlich wimmelt es nur so von Chiefs. Zu einem global und international aktiven Unternehmen gehören inzwischen wie selbstverständlich CEO, CFO und COO, also Chief Executive Officer, Chief Financial Officer und Chief Operations Officer. Unsere deutsche Sprache integriert, was schmückt.

Und weil wir doch so teamorientiert sind, purzelt der Chief jetzt auf alle Ebenen. Der Verkaufsleiter wird zum Chief Sales Officer, der Einkaufsleiter zum Chief Procurement Officer, der Werbeleiter zum Chief Marketing Officer, der Buchhalter zum Chief Accounting Officer und der Personalchef zum Chief Human Resources Officer. Natürlich für die Visitenkarte alles hübsch abgekürzt. CSO, CPO, CMO, CAO und CHRO. Der Wikipedia-Versuch, mit rund 50 Chief-Erläuterungen aufzuklären, lässt mich mindestens an einem Punkt zweifeln. Was bitte ist ein CLO, ein Chief Listening Officer? Ich hätte es mir eigentlich denken können: Der CLO verantwortet alle Social-Media-Aktivitäten.

Das Spiel ist also eröffnet, weitere Chiefs zu etablieren. Der Phantasie scheinen keine Grenzen gesetzt. Kontrollieren wird es schließlich wohl der CKO, der Chief Knowledge Officer. Ihm obliegt die Aufgabe, eine Kultur des Wissensaustauschs im Sinne des Wissensmanagements zu etablieren und zu fördern.

Eine Gefahr bleibt allerdings: Jedem Geschäftsführer sei hier empfohlen, sich niemals mit mehr Häuptlingen (Chiefs) als Indianern zu umgeben. Auch ein Chefkoch braucht seine Küchenbrigade.

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Eine Antwort auf Wenn der Chef zum Chief wird

  1. Stefanie Willach sagt:

    Einfach nur klasse!
    Stefanie Willach; Editor in Chief

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