Wer alles liest, lernt nicht zwangsläufig viel

Da habe ich mich doch auf der Suche nach einem Blog-Thema durch unzählige Facebook-Posts hindurch gewühlt. Unglaublich, wie viele Leute täglich ihr Profilbild erneuern. Noch unglaublicher, wie viele Fans das auch noch schön finden. Ich habe gelesen, dass „unsere Jungs“ ein Handball-Wintermärchen zelebrieren und das Halbfinale erreicht haben. Dann geht’s um Tote, die keine sind. Um Talkshows, die außer Kontrolle geraten, um politische Beleidigungen, die den Plenarsaal räumen. Schon wieder Urlaubsbilder, schon wieder Karneval-Abstinenzler, schon wieder … und davon immer mehr.

Kurz gesagt: Das gibt nichts für ein Blogthema her. Dabei geht es mir ja gar nicht darum, mich zum Club der Entrüsteten zählen zu wollen. Nein, die FB-Posts zeigen, was manch einen bewegt. Und wer es nicht selbst ausdrücken kann, teilt Beiträge und Filme. Warum nur ohne jedes Wort. Da frag ich mich doch regelmäßig, heißt teilen heute, mit dem Geteilten übereinzustimmen? Ist das Teilen der Schlag auf die Schenkel für einen schlechten Witz? Wird geteilt, was Mainstream ist oder werden soll?

Und dann die Veranstaltungen. Nun gut, wer hingeht, kündigt es an. Wer nicht hingeht, na ja. Und wer da war? Wenn’s Krawall gab, gibt es wieder was zu besprechen. Und das vielleicht sogar am neuen Kreisverkehr für Fußgänger in verkehrsberuhigten Zonen.

Emoticon with stuck out tongue and winking eye

© Yael Weiss – Fotolia.com

Und jetzt will Facebook auch noch den symbolhaften gehobenen Daumen um weitere stilisierte Emoticons ergänzen. Der Test läuft in Spanien und Irland. Na, wenn die es können, werden wir es doch wohl auch noch lernen. Manch ein Selfie bekäme von mir gewiss den Trauerkloß.

Wer immer davon geträumt hat, dass Facebook Ersatz für die reale Welt, für das reale Miteinander sein könnte, muss einfach in eine Flut von Tränen ausbrechen. Und doch hat es etwas wie ein Unfall. Man mag nicht gaffen und muss doch dauernd wieder hinsehen.

Und dann jetzt noch die empfohlenen Seiten. Werbung für neue Frisuren, billige Schuhe, preiswerte Hotelzimmer poltert auf uns nieder. Und wenn’s nun noch durch Big Data begründet ist, dass es mich trifft, muss ich wohl als nächste Aktion mit neuer Frisur und Schuhen vom Schnäppchen-Discounter ins Billighotel einchecken. Tolle Idee!

Aber jetzt Schluss mit dem Gemecker. Die SM-Kanäle haben ja auch ihr Gutes. Sie verbinden, erinnern, provozieren, necken und inspirieren. Natürlich auch privat und gewerblich. Also: Kauf drei, zahl zwei! Oder so ähnlich. Und immerhin gibt das prall mit Worthülsen gesättigte Füllhorn so viel her, dass es für einen Blogbeitrag reicht. Das darf doch auch mal sein.

Veröffentlicht unter Internet, Social Media | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.