Wissen Sie, welcher Tag heute ist? Wer täglich lernt, ist glücklicher!

Ein neues Jahr ist angebrochen, und nach 15 Tagen ist die Zeit der guten Vorsätze meist schon vorüber. Wenn nicht, wie wäre es, von heute an jeden Tag bewusst etwas Neues dazuzulernen? „Unser Gehirn benötigt jeden Tag neue Informationen, um seine Leistungsfähigkeit bis ins hohe Alter zu erhalten“ (1) und auf der Suche nach dem Glück rät man uns: „Lass keinen Tag Deines Lebens vergehen, … ohne etwas Neues gelernt zu haben.“ (2) Noch ist es nicht zu spät, diesem guten Vorsatz in diesem Jahr eine Chance zu geben – ab jetzt bieten sich noch genau 351 Anlässe.

Das tägliche bewusste Lernen ist – einmal abgesehen von den persönlichen Alltagserfahrungen – für viele mit Aufwand verbunden und genau deswegen so schwer umzusetzen. Nicht immer muss man aber erst Buch, Block und Schreibgerät bereitlegen. Die Tage selbst liefern ausreichend Stoff, und dieser wird in den Medien und im Internet zuweilen hervorragend aufbereitet.

Wie der Radiosender WDR 2 pflegen viele Print- und Hörfunk-Medien so genannte Stichtags-Rubriken, die auch in turbulenten Zeiten mit hoher Nachrichtenflut konsequent geführt werden. Da „wird Geschichte lebendig“, schreibt WDR 2 auf seiner Webseite. Das gelingt auch Google. Die sechs Buchstaben werden manchmal kreativ, einem Anlass entsprechend „verpackt“, nicht nur bildlich mit dem Link auf weiterführende Informationen, sondern auch interaktiv animiert. Zum 245. Geburtstag von Ludwig van Beethoven zum Beispiel galt es, Notenschnipsel seiner bedeutendsten Werke in die richtige Reihenfolge zu bringen. Bei richtiger Lösung ertönte die entsprechende Melodie des Komponisten.

Die Bedeutung deScreenshot Wikipediar Tage hat auch Wikipedia erkannt. Auf ihrer Startseite greift die Online-Enzyklopädie einen „Artikel des Tages“ heraus und nennt unter „Was geschah am …?“ die wichtigsten historischen Daten. Daneben steht das Neueste aus den Nachrichten. Hier wird der Interessierte immer fündig, wenn er nach dem Grund für auf Halbmast hängende Fahnen vor öffentlichen Gebäuden oder nach dem Grund für seinen freien Tag sucht.

Es ist also relativ einfach, sich den Tag bewusst werden zu lassen. Übertrieben finde ich in diesem Zusammenhang allerdings die meist aus kommerziellen Gründen erfundenen Tage oder die Tage, die auf das Leid bestimmter Menschengruppen und Lebewesen aufmerksam machen sollen; so wird das, was eigentlich selbstverständlich und täglich gelebt werden soll, auf einen einzigen Tag fokussiert.

Für andere Ereignisse ist dieser Fokus aber durchaus angebracht. Das schärft jenseits von Katzenvideos, Restaurant-Check-ins oder Joggingnachweisen nicht nur die Wahrnehmung für das Heute, sondern auch für das, was in der Vergangenheit unsere Welt verändert hat und aus dem wir für die Zukunft lernen können.

Und wissen Sie, welcher Tag heute ist? WDR 2 bringt einen Beitrag zu der Schauspielerin Maria Schell, die heute vor 90 Jahren geboren wurde. Darin lernen wir etwas über vergänglichen Ruhm.

Wikipedia wählt als „Artikel des Tages“ einen Beitrag über einen fränkischen Hausmeier. Karl Martell „stieg als Sohn Pippins des Mittleren in dieses Amt auf, dessen Besetzung durch Nachfolgekämpfe geprägt war, auf die der merowingische König keinen Einfluss mehr hatte. Unter Karl Martell setzte sich die im frühen 7. Jahrhundert begonnene Entwicklung zur königsgleichen Herrschaft der Hausmeier fort. Am Ende dieses Prozesses waren die merowingischen Könige nur noch Marionetten der rivalisierenden Adelsfraktionen, bis mit Karl Martells Sohn Pippin dem Jüngeren ein karolingischer Hausmeier König der Franken wurde und die alte Dynastie ablöste. Karls militärische Aktivitäten erweiterten das Fränkische Reich und schufen die Grundlage für die spätere Expansion der karolingischen Könige, insbesondere seines Enkels Karls des Großen.“ (3)

Und wer bei dem Wort Hausmeier an Hausmeister denkt, liegt gar nicht so falsch, sich aber einen Hausmeister mit so weit reichendem Einfluss vorzustellen, dass er sogar über dem König steht, das gelingt freilich schwer. Und doch: Im frühen Mittelalter, auch das teilt uns Wikipedia mit, war der Hausmeier der Hausverwalter. Dieses Amt gewann besonders im Merowingerreich großen Einfluss, und die Hausmeier bestimmten maßgeblich die Politik mit, wie das Beispiel Karl Martell deutlich macht. (4) Die Schlussfolgerungen mit Blick auf das Hausmeisteramt in heutiger Zeit mag jeder selbst ziehen.

Für heute sei die tägliche Lernration aufgenommen. Ich wünsche allen Lesern das Beste für 2016 sowie Tag für Tag wieder neu die Motivation und Freude daran, etwas Neues hinzuzulernen.

(1) Prof. Dr. Michaela Axt-Gadermann und Prof. Dr. Peter Axt: Vom Glück der kleinen Schritte, Herbig-Verlag München, 2008, Seite 20
(2) Sergio Bambaren: Die Rose von Jericho, Piper-Verlag München/Berlin 2006, Seite 88
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Martell
(4) https://de.wikipedia.org/wiki/Hausmeier

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