ZOW: Das Vexierbild einer Messe

Heute schließt die Messe ZOW 2016 in Bad Salzuflen ihre Pforten. Manch einer unkt „für immer“. Der Veranstalter schickt seine frisch angeheuerten und branchengestählten externen Berater an die Front und lässt sie Durchhalteparolen vermarkten. Ihr Credo: Es geht weiter. Der Februar 2017 steht im Kalender. Doch es könnte November werden. Entschieden wird im April. Na also, rund geht es auch im eckigen Rahmen.

Ein kleiner Rückblick hilft, das Debakel einzuordnen. Das kryptische Kürzel Z.O.W. lehnte sich bei der Gründung vor über 20 Jahren nah an den damals bereits etablierten Begriff M.O.W. an, der sich als Möbel-Ordermesse-Westfalen übersetzen ließ. Als aus dem Anfangs-M ein Z wurde, nahm die Zuliefermesse für Möbelindustrie und Innenausbau mit ihrem einzigartigen Messekonzept ihren Lauf. Wie heißt es dann immer so schön? Das Unternehmen entwickelte sich kontinuierlich weiter und feierte jährlich Rekordergebnisse. Ja, die ZOW galt lange als Erfolgsgeschichte schlechthin. 1995 mit 49 Ausstellern gestartet, waren es 2005 bereits 566. Im Rekordjahr 2008 nahmen 771, 2010 nur noch 663 Aussteller teil. 1.400 Besucher kamen zur Premierenveranstaltung. In den zitierten Rekordjahren zählte der Veranstalter mehr als 16.000 Besucher.

ZOW 2016: 38 Newcomer machten mit. Foto: MSWW

ZOW 2016: 38 Newcomer machten mit. Foto: MSWW

Um es kurz zu machen: Von nun an ging es bergab. Besitzerwechsel, Management-Fluktuation und Marktveränderungen erschwerten das Überleben. 2015 kamen rund 7.000 Besucher zu den 204 Ausstellern. Aber die diesjährige ZOW veröffentlichte in ihrem Ausstellerverzeichnis immerhin 263 Firmen und damit 59 mehr als im Vorjahr. Am zweiten der insgesamt vier Messetage hieß es auf der Pressekonferenz, dass bereits 3.000 Besucher eingecheckt hätten. Erwartet würden insgesamt 7.500 bis 9.000. Wie immer bei derartigen Veranstaltungen dürfte das im Moment noch unbekannte Endergebnis nicht stark davon abweichen.

Die während der diesjährigen Veranstaltungen eingesammelten Meinungen bündeln sich zu einem ganz speziellen und durchweg positiven Werturteil. Trotz der für den Veranstalter niederschmetternden Rahmenzahlen überwog bei den Ausstellern eine fast euphorische Stimmung. Das ostwestfälische Messepublikum hielt seiner Veranstaltung in Bad Salzuflen die Treue. „Klasse statt Masse“ lautete auch das Zwischenfazit der Fachmedien. „Alle wichtigen Entscheider waren da“, hieß es bei den Ausstellern. Ein anderer resümierte: „Ich bin das dritte Mal hier, und es ist meine beste ZOW-Messe.“ Kurzentschlossene Spätbucher, denen dazu noch ein Schnäppchen-Quadratmeterpreis die Teilnahme erleichterte, schienen mehr als begeistert über das Ergebnis. Die Logik daraus: Gleichbleibende Publikumsfrequenz nutzt den weniger gewordenen Ausstellern, die es durchaus auch verstanden, diesen Platzvorteil für sich zu nutzen.

Man darf gespannt sein, wie es mit der ZOW weitergeht. Wenn es für die diesjährigen Aussteller ein Erfolg war, muss es nicht zwangsläufig für den Veranstalter ebenso sein. Jetzt sind die Macher gefordert, mehr als nur Optimismus zu verbreiten, um das Vertrauen ihrer Auftraggeber und der potentiellen Aussteller zu erhalten und für die Zukunft zu festigen. Die Teilnehmer der ZOW 2016 könnten zustimmend dazu beitragen.

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