Zukunfts-Bullshit: Mach was draus!

#97834013 | © vege - Fotolia.com

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Augen links: 2015. Augen rechts: 2016. Der Rückblick zeigt, nicht alles war katastrophal. Es gibt ausreichend Gründe, für Positives dankbar zu sein. Und der Blick in die Zukunft? Der wohl einflussreichste Trend- und Zukunftsforscher im deutschsprachigen Raum, Matthias Horx, zitiert im Interview mit der Badischen Zeitung vom 31. 12. 2015 (Kultur Seite 11, http://www.badische-zeitung.de/bildung-wissen-1/wir-sind-und-bleiben-analoge-wesen–115719036.html) den amerikanischen Philosophen Harry Frankfurt, der den Begriff „Bullshit“ als eine Art Null-Diskurs definiert habe. Es geht also darum, so Horx, Unsinn zu erzählen und dabei derart auf die Pauke zu hauen, dass sicher keiner traut, zu widersprechen. „Allerdings wird auf dem Markt der Prognosen auch schlichtweg eine Menge ‚Future Bullshit‘ erzählt“, lässt sich Horx im Interview zitieren.

Weil uns das Gefühl beschleicht, nicht zu wissen, was das Morgen bringt, liest jeder von uns, was uns erwarten könnte. Auf einer riesigen Spielwiese großer, ja unglaublicher Voraussagen produziert jedes Medium ein wie auch immer geartetes Horrorszenario. Aktuelles Beispiel: Plustemperaturen am Nordpol. Eine geeignete Metapher, um die bevorstehende Apokalypse vorherzusehen. „Wenn wir doch erkennen, dass wir es nicht ändern können, müssen wir uns dem doch nur anpassen“, sagte mir gestern ein pensionierter Brite beim gemeinsamen Gassi-Gehen mit unseren Hunden.

Matthias Horx formuliert es so: „Der größte Teil der Zukunft ist ja eben nicht deterministisch, sondern gestaltungsbedingt, das heißt, es hängt von unseren Handlungen ab, wie die Zukunft wird.“ Und zu diesen Handlungen liefert er gleich eine interessante, ja Hoffnungen stützende These mit: „Immer mehr Menschen steigen aus dem digitalen Überkonsum aus, weil sie die digitalen Hypes und Überreizungen satthaben. Eine neue Bewegung der medialen Achtsamkeit entsteht.“ Warum? „Digitale Strategien führen immer wieder zu Gegen-Reaktionen, zu einer Sehnsucht nach dem Sinnlichen, dem Handwerklichen, dem Konkreten, dem Persönlichen“, erläutert Horx den Wandel.

Es geht also im Blick auf 2016 allein darum, Wechselwirkungen zu erkennen und zu verstehen. Ein realistisches Bild der kommenden 12 Monate erhält so seinen klar begrenzenden Rahmen. Die Böllerschüsse der Silvesternacht markieren letztlich nur einen Datumswechsel im unaufhaltsamen Rhythmus der Zeitläufte.

Vielleicht aber wecken sie auch unser Gedächtnis, um zu erkennen, was wir in den letzten 12 Monaten getan haben, um unsere Zukunft und die unserer Kunden zu gestalten, Hypes zu verstehen, aufzugreifen und umzusetzen, ohne die pragmatischen Perspektiven aus den Augen zu verlieren. Der allerorten nachgeplapperte „Zukunfts-Bullshit“ ist und bleibt auch 2016 nicht unser Ding.

Die langweiligste Prognose für 2016 lautet: Es wird ein hartes Jahr. Wahr daran ist allein, dass Anpassung an Gegebenheiten, situative Gestaltung und vorausschauende Steuerung noch nie zu den leichtesten Übungen gehörten. In diesem Sinne wünsche ich für 2016 den größtmöglichen Erfolg.

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